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VW Keinen Real für VW do Brasil
BOO VW von FA-Q

09:39 Mittwoch, 30. August 2006

Nu' schau mal einer guck': es gibt tatsächlich noch Institutionen, die sich nicht ohne weiteres vom Kapital erpressen lassen. Davon könnten sich unsere hiesigen Tot-auf-der-Seite-Lieger (ugs. für "Politiker") aber mal eine gaaanz dicke Scheibe absäbeln.
Man werde die Freigabe eines bereits zugesagten Kredits in Höhe von 497 Millionen Real (etwa 185 Millionen Euro) vom Ausgang der Verhandlungen zwischen der Firmenspitze und den Gewerkschaften abhängig machen, erklärte heute Demian Fiocca, Präsident der staatlichen Nationalbank für Wirtschaftliche und Soziale Entwicklung. Das Unternehmen sei auch um Informationen über Investitionspläne gebeten worden, hieß es.
Hoppla - man stelle sich nur einmal die Situation hierzulande vor: das Getöse der Unternehmen würde neue Schalldruckrekorde aufstellen, Opposition und Wirtschaft wären sich bezüglich aller Warnungen über die "linksextremistischen Erscheinungen von Planwirtschaft und Kommunismus" einig; und die USA würden sofort sämtliche verfügbaren Flugzeugträger in der Deutschen Bucht parken, um ein weiteres Land aus der Geißel einer Diktatur zu befreien (es gibt hier zwar kaum Öl, aber dafür hunderttausende von Wohnungen, die nur darauf warten, in REITs umgewandelt zu werden).

Brasilien ist derzeit weit von einem Idealzustand entfernt - Arbeitslosigkeit, favelas, Gewalt und Korruption stehen auf der Tagesordnung. Allerdings hat man auch erkannt, daß man das Kapital, hier in der Form von VW do Brasil, nicht einfach schrankenlos gewähren lassen darf, um die vorgenannten Probleme nicht zusätzlich zu verschärfen. In dieser Hinsicht ist das ach so "rückständige" Brasilien dem ach so "fortschrittlichen" Deutschland offenbar um Lichtjahre voraus.
Natürlich sollte man jetzt nicht davon ausgehen, daß VW do Brasil einknickt und hinterher alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Das funktioniert nur in den telenovelas, die auch hierzulande immer beliebter werden. Man wird sich einigen, und ja, es wird leider auch Arbeitsplätze kosten. Aber immerhin hat Brasilien ein durchaus sichtbares Zeichen des Widerstandes gegen eine rein gewinnorientierte Wirtschaftspolitik gesetzt. Man sollte die Hoffnung (noch) nicht aufgeben, daß auch hierzulande ein Umdenken möglich ist.





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