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08:34 Montag, 14. August 2006
Ich vermisse nun wirklich den kleinen Eisenwarenhandel um die Ecke. Okay, der Besitzer wurde zwar meist ein wenig knurrig, wenn man ihm mit dem Wunsch nach einer einzelnen Schraube behelligte und noch nicht einmal die genaue Bezeichnung auf Kommando parat hatte, aber am Ende hatte ich stets bekommen, was ich gebraucht hatte, und zwar in der gewünschten Menge.
Geschichte. Heute muß ich mich durch landkreisgroße Multimega-Heimwerkerzentren quälen, stehe verloren vor meterlangen Regalen, die Schrauben nur noch in Großfamilienpackungen bereithalten und kann noch nicht einmal das Personal um Hilfe bitten, weil dieses meist ebenso ratlos ist wie ich.
Aber wie so oft, muß man nur auf die ungezügelten Kräfte der freien Marktwirtschaft (vulgo: Kapitalismus) vertrauen. Die sorgen nämlich aller Wahrscheinlichkeit bald dafür, daß es nicht mehr ganz so viele landkreisgroße Multimega-Heimwerkerzentren gibt. Die Rede ist von Max Bahr ("Baumarkt seit 1879"). Denn die Eigentümerfamilie Möhrle hat keinen Bock mehr auf Bau und will das Unternehmen deshalb möglichst gewinnbringend an den Mann bringen. Zu diesem Zweck hat man sich der Hilfe der Experten von der Investmentbank Lazard versichert. So weit, so gut oder auch nicht. Denn unter den bislang interessierten Interessenten ist keiner dabei, der auch nur ansatzweise ein Interesse daran hat, das Unternehmen mit seinen Märkten an bundesweit 46 Standorten und über 4.500 Mitarbeitern fortzuführen. Permira, "eine führende, international tätige Private Equity-Beratungsgesellschaft", wird wohl das übliche tun - filetieren, zerschlagen, verscherbeln. Und daß direkte Konkurrenten wie Praktiker (Metro-Gruppe) und Obi (Tengelmann-Gruppe) die Übernahme von Max Bahr in das eigene Geschäft als Bereicherung ansehen, dürfte ebenso wahrscheinlich sein wie die spontane Verbrüderung von Israelis und Libanesen. Dabei steht Max Bahr eigentlich gar nicht mal so schlecht da, obwohl diese Kette nur den 6. Platz in Sachen Baumärkte belegt. Aber hinter Max Bahr standen bislang auch keine milliardenschweren Konzerne. Das wird aller Wahrscheinlichkeit bald Geschichte sein, so wie der Eisenwarenhandel um die Ecke. So ist das halt mit der freien Marktwirtschaft, da auch das Kartellamt wahrscheinlich keine größeren Einwendungen geltend machen wird. Ist ja schließlich nur der Verlust von Einnahmen und ein weiterer Anstieg der Ausgaben (speziell an dieser Stelle läßt sich bekanntlich immer noch was drehen). Und, wenngleich irgendwo auf Platz 1.242.766 der globalisierten Interessenliste rangierend, der Verlust eines weiteren Traditionsunternehmens. Verbraucherinteressen sind nicht mehr in diesen Charts vertreten. Goodbye Max Bahr. Rest in pieces. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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