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14:05 Donnerstag, 27. Juli 2006
Zugegeben, das ist ein merkwürdiger Boo. Das liegt aber nicht daran, daß mir die Hitze das Gehirn weggeschmolzen hätte - für einen untoten Altägypter, der seine Kanopenkrüge kühl lagern kann, ist das nicht so das Thema. Nein, der Gewinn ist boo-ens-wert, wenn man bedenkt, zu welchem Preis er erkauft wurde.
Siemens hat ja schon vor einer ganzen Weile entdeckt, daß es Karel und Edita für die Hälfte machen, und diese Politik zieht man durch. Streichen, rauswerfen, Betrieb herunterfahren, ausgliedern, für nen Appel und nen Ei an andere verscheuern - solange nur am Ende irgendetwas herausschaut, was nach 'shareholder value' aussieht. Daß eine Firma nur etwas taugt, solange sie etwas tut, und nach Rationalisierung bis zum Nullpunkt keine Gewinne mehr möglich sind - wen interessieren schon solche langfristigen Überlegungen?
Das ist solide, moderne Wirtschaftspolitik - cosi fan tutte! Es ist ihnen aber inzwischen schon selber peinlich. So etwas hätte ich den Leuten kaum zugetraut, aber man sieht es daran, daß sie die Seite eines kritischen Mitarbeiternetzwerkes von ihrem Firmennetz aus sperren lassen. Wohlgemerkt, es ist keine Gewerkschaft. Auf Gewerkschaften kann man sich sowieso nicht mehr verlassen, also gründet man ein ganz basisdemokratisches, informelles Netzwerk, um interne Nachrichten der unerfreulichen Art schneller durchzureichen, und um sich gegenseitig zu unterstützen. Äußerst grassroots; User Generated Content in einer kleinen, häßlichen Seite mit kryptischer URL. Siemens fürchtet sich aber trotzdem davor; der Angestellte an sich soll sich schließlich keine Gedanken machen, noch weniger sich solidarisch zeigen mit denen, die es schon erwischt hat, sondern soll optimal funktionieren, bis zu dem absehbaren Zeitpunkt, an dem die Firma ihn nicht mehr braucht und ebenfalls feuert. Aber vorher darf er sich bitte keine Sorgen machen, schon gar nicht online mit anderen! Ich meine, die Mentalität mancher Siemensianer oder Ex-Siemensianer ist gewöhnungsbedürftig, wenn ich an das merkwürdige Infineon-Schneck neulich in der S-Bahn denke. Aber unter dem dauernden Damoklesschwert von Entlassungen, Mobbing, Ausgliederungen und genereller Unsicherheit läßt sich nun wirklich nicht mehr effektiv arbeiten oder klar denken. Als nächstes, so das neueste Insider-Gerücht*, soll die Wireless-Sparte ganz nach Norddeutschland verlegt werden... Und dann machen sie Gewinn. Und sperren die Kritiker aus. Mit einem generellen Seitenblick des Bedauerns auf die Mitarbeiter möchte man eigentlich die Firmenführung fragen, ob ihnen klar ist, wie viel Gewinn ihre Leute erwirtschaften könnten, wenn sie nicht die Hälfte der Zeit demit beschäftigt wären, sich zu fürchten, was aus ihnen wird? * Gerücht: es gibt keinen Beleg/Link, weil es mir insidertechnisch von Hand erzählt wurde; das ist die Natur eines Gerüchts. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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