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20:47 Sonntag, 16. Juli 2006
Armes Göttingen. Du bist um eine linke Wochenzeitung ärmer. Die einfallsreich betitelte "Göttinger Wochenzeitung" erscheint nicht mehr, nach nur fünf Monaten ist jetzt wohl endgültig Schluss der alternativen Gegenöffentlichkeit. Offenbar gibt es zu wenig Lehrer in der Stadt, die den Couchtisch in der Altbauwohnung zur Bestätigung des eigenen, besseren Bewusstseins mit einem taz-Klon dekorieren wollten.
![]() Noch vor einigen Tagen war auf der Homepage des Blattes ein "Abgesang" zu lesen, jetzt noch online im die Zeitung begleitenden Blog. Vor knapp fünf Monaten haben wir der Stadt Göttingen ein Kind geschenkt, die 'Göttinger Wochenzeitung'. Seither war es unser täglicher Kampf, das Ableben des Neugeborenen zu verhindern. Es war das ständige Mühen darum, dieses gefräßige Kleine angemessen zu ernähren". Jetzt liegt die Kleine im künstlichen Koma, das Amtsgericht hat den Finger am Knopf der Beatmungsmaschine.
Die herausgebende Genossenschaft hat nach eigenen Angaben vergangen Woche Insolvenzantrag gestellt, nachdem eine tazzige Bettelaktion um Abos, Genossenschaftsbeteiligungen und Spenden zwar die angepeilten 15.000 Euro einbrachte, die aber nun wohl doch nicht reichen. "Wir benötigen angesichts der aktuellen Entwicklungen einen wesentlich höheren Betrag als 16.000 Euro, um ein Überleben der Göttinger Wochenzeitung bis Ende des Jahres sichern zu können". Wieviel genau es sein muss, ist unklar: "Die konkrete Summe ist vom neuen Konzept und Businessplan der Göttinger Wochenzeitung abhängig." Die Anzeigenerlöse haben sich nicht wie erwartet entwickelt, das Kapital ist dann zu schnell verbrannt. Schuld sind also die eher mit Desinteresse reagierenden Inserenten: "Schwierig wurde dieser Kampf vor allem, weil die potenziellen Anzeigenkunden nicht bereit waren, das Kind durch Inserate ausreichend zu alimentieren". Böse Zungen behaupten dagegen, die Umsatzprognose sei von Beginn an zu optimistisch gewesen, die Entwicklung daher vorhersehbar. Grundsätzlich könnte man sich fragen, warum man eine Zeitung in der gleichen Nische positioniert, in der schon die taz rumkrebst. Das Genossenschaftsmodell konnte selbst der überregionalen "tageszeitung" keine dauerhaft sichere Geschäftsgrundlage bieten, die turnusmäßigen Erpressungsversuche der Berliner sprechen Bände: Abo oder Ableben. Bei der "Göttinger" sieht es eher nach Exitus aus. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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