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Park Avenue Hamburg: An der Park Avenue rollt die Abrissbirne an
BOO Park Avenue von FoolDC

20:49 Sonntag, 16. Juli 2006

Noch lacht er, der kleine Prinz. Freut sich, dass er nun jenseits allen Elends, dass er durchlitten und ganz convenient zu einem lukrativen Bestseller verwurstet hat, von einem üppigen Chefredakteurssalär wieder standesgemäß leben kann. Noch.
Denn glaubt man der Journaille, ist der schöne Traum unseres adligen Chefredakteurs schon wieder in Gefahr. Die Welt ist eben mißgünstig, offenbar neiden ihm besonders die lieben Kollegen seine tollen Gespräche mit Vogue-Chefinnen oder geduzten Giovannis im ICE zwischen Berlin und Hamburg. Es ist halt einsam an der Spitze. Schließlich ist sein Blatt, die Park Avenue, die deutsche Vanity Fair, ein "journalistischer Solitär" für die "wirtschaftlich-sozialen Eliten" in Deutschland. Der Prinz hätte es nicht besser sagen können als sein Chef, G+J Zeitungsvorstand Bernd Buchholz.

Schade nur, dass unsere Eliten offenbar keinen Bock auf eine eigene "Bravo" haben. Die gibt es übrigens auch schon und heißt "Bunte", kommt aber leider von der Konkurrenz. Das Problem könnte natürlich sein, das Buchholzens Zielgruppe nicht unbedingt auch der intellektuellen Elite des Landes entspricht und deshalb lieber das Blatt von Burda liest. Das vermutet treffend Ralph Kotsch, bei der Berliner Zeitung bis vor einigen Monaten noch Gruner-Kollege und jetzt in Diensten einer veritablen Heuschrecke.

Aus der Erfahrung mit der "Berliner" hätte G+J eine Lehre auch für die "Park Avenue" ziehen können: Vorsicht mit vollmundiger Verkündung amerikanischer Vorbilder. Erich Böhme, erster West-Herausgeber der "Berliner", wollte aus dem Organ der Hauptstadt der DDR die "Washington Post" des wiedervereinten Deutschlands machen. Der Satz tut ihm heute noch leid. Zu Recht, wenn man sieht, was Gruner und Holtzbrinck aus der einst vielversprechenden Zeitung gemacht haben.

Nun also eine deutsche "Vanity Fair". Man kann nur vermuten, dass zumindest Entwicklungschef Holger Christmann das Magazin aus New York mal in der Hand gehabt hat. Der Prinz sicher nicht. Sonst wüsste er, dass die "Vanity Fair" abgesehen von der obligatorischen Celebrity-Homestory auf dem Titel ein politisch und journalistisch ausgesprochen ambitioniertes Blatt ist. Graydon Carter, leicht durchgeknallter Chefredakteur der VF, nutzt seine Editorials gerne zu einer Suada gegen Intimfeind George W. Bush. Der Prinz dagegen schreibt lieber über Giovanni on the Train. Vielleicht sollte er doch mal eine "Vanity Fair" lesen. Aber warum auch. Schließlich steht da über seine Schwester nichts drin.

Und doch ist Prinzilein der Chef. Für Christmann, in der Nullnummer noch als "Features Director" geführt, dürfte auch diese Personalentscheidung ein Grund gewesen sein, die Redaktion noch vor der ersten Nummer fluchtartig zu verlassen. Dem Blattmacher ist es nie um "Freunderl-Journalismus" gegangen, sagt er. Um hochwohlgeborene Schwesterln wohl noch weniger. Damit beginnt der Exodus an der Park Avenue: des Prinzen Vizechefs verlassen reihenweise den Hof. Petra Schnitt geht als Textchefin zum "Stern", ihr Nachfolger Rainer Schmitt schmeißt wegen "unterschiedlicher Auffassungen über die Ausrichtung des Blattes" ebenfalls hin. Vielleicht lag es daran, dass der adlige Chef die Verträge seiner Autoren schon mal "aus Mitleid" verlängert. Weitere Mitarbeiter, so wollen die lieben Kollegen erfahren haben, tragen sich mit dem Gedanken, ein Leben ohne den Prinzen könne womöglich auch erträglich sein.

Der Prinz ist angeschlagen. So ein bisschen Ärger hat man zwar immer, aber fortgesetzter Stellvertreterverschleiß fällt wohl selbst dem Gruner-Vorstand auf. Schwerer dürfte allerdings noch wiegen, dass sich die Auflage nicht wie gewünscht entwickelt. Wenn 100.000 Exemplare auf den Coffee Tables der Nouvelle Riche liegen, könne man von einem Erfolg sprechen. Das war die Hausnummer, die Gruner zum Start vorgegeben hatte. Davon ist die "PA" selbst nach den von G+J offiziell kommunizierten Zahlen weit entfernt, rund 70.000 sollen es bisher sein. Wie das, fragen sich Insider und rechnen nach: Wenn man die 30.000 bei Lufthansa verteilten Magazine und weitere von der TUI in den Ballermann-Bombern (Zielgruppe?) angebotene Exemplare einrechnet, dann vielleicht. Denn die tatsächlich verkaufte Auflage soll noch unter 10.000 liegen, wie die Insider ganz fies der "Süddeutschen" stecken.

Gruner hat sofort aufkommende Einstellungsgerüchte natürlich postwendend dementiert. Das Magazin erfahre eine positive Entwicklung, sagt Bernd Klosterfelde, bei G+J Geschäftsführer der Luxussparte. "Somit gibt es für uns überhaupt keinen Grund, über eine Einstellung des Magazins auch nur nachzudenken". Ein anderer Bernd steht Gewehr bei Fuß: Vorstandschef Kundrun sagte zuletzt im März, man müsse auch warten können. Noch hält König Kundrun seine schützende Hand über den jungen Prinzen. Doch denkt der Gruner-Grande offenbar mehr nach, als Klosterfelde ahnt. Warten muss man, sagte Kundrun, "aber nicht zu lange".

Park Avenue gibt es seit einem Jahr. Die "komplette Niete" (Kollege Kotsch) Bym hat Gruner schon nach sieben Monaten beerdigt. Grund genug, auch bei Park Avenue mit dem Rechnen anzufangen. Ich gebe dem Magazin noch ein halbes Jahr, der Prinz dürfte schon früher wieder viel Freizeit haben. Vielleicht für ein Praktikum bei VF.





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Re: Hamburg: An der Park Avenue rollt die Abrissbirne an (Maxxximus)




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