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18:53 Montag, 24. April 2006
Ich hatte mal mit der Financial Times direkt zu tun. Da hatte ein Spirituosen- und Muckemilliardär für einen von ihm bezahlten und - wie später bekannt wurde - am Rande des Kriminellen geführten Verein mit einem brunzblöden Editorial die transatlantischen Beziehungen in einem recht sensiblen Umfeld an den Rand der Katastrophe gebracht. Erst als sein Untergebener in Europa angekrochen kam und alles ein Missverständnis sein sollte, renkte sich das wieder so weit ein, dass am Ende zumindest das jetzige Bundeskanzler (das Sun-Seite1-Girl) sich nicht zu schade war, diese Organisation zu hofieren - angesichts der weiteren Entwicklung des Vereins mal wieder ein Griff ins Klo.
Damals schrieb ich ein grosses Feature über die Kräfte, die das transatlantische Verhältnis ruinierten, sei es mit den sinnlosen Programmen auf Kosten der Berliner Republik zum Erhalt ihrer Stellen (1,4 Mitarbeiter pro handverlesenem Gastaufenthalt der Kinder der Freundeskreise der leitenden Mitarbeiter, ein Buttler und am Abend ein Stripper oder ein Freudenmädchen wäre billiger gewesen), oder eben Brachialcholeriker wie obiges Beispiel. Nachdem sich alle Welt fragte, wie die FT so einen Dreck abdrucken konnte, hakte ich bei einem ehemaligen Mitarbeiter nach. Und bekam eine Antwort. Die mich zart lächeln lässt, wenn ich heute vernehme, es gäbe in den Topmedien noch unabhängigen Journalismus, und problematisch wären allenfalls schweissflecklöschende, freie Mitarbeiter.
Insofern freut mich heute die Meldung, dass die Mutterfirma der FT, das Verlagshaus Pearson, den Verkauf der FT nicht mehr ausschliesst. Vermutlich werden da längst Zigarren an den Kaminen der britischen Private Equity Firmen geraucht. Ein, zwei Namen mit einem hübschen Portfolio, die für anstehende Exits gute Presse bräuchten, fallen mir da ein, zumal die Kosten für so ein schlingerndes Flackschiff mit Geldlecks und Wasser bis ins erste Kanonendeck nicht mehr allzu hoch sein dürften. Und der deutsche Ableger, der bislang nichts ausser Verluste eingefahren hat, könnte dann den Beweis antreten, dass sie Wirtschaftskompetenz und Neoliberalismus bis zum im Strassengraben verrecken nicht nur abdrucken, sondern auch praktizieren: Ab mit den Leuten zu Hartz IV und ein bodenloses Fass weniger in den Bilanzen von Pearson und G+J. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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