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Spiegel Spiegel: Keine Kapuze, kein Kisch und der Dicke mit dem Geld
BOO Spiegel von FoolDC

14:23 Mittwoch, 22. März 2006

Mensch, der Spiegel. Das war doch mal die Trutzburg des investigativen Journalismus. Aber die Spiegel Affäre ist längst Vergangenheit. In der Redaktion und darüber erinnert man sich nur noch schemenhaft and bessere Zeiten. Da kommt es gerade wieder knüppeldick.
Denn gerade zwei der im Spiegel sowieso vom Aussterben bedrohten Exklusivgeschichten geraten ins Zwielicht oder drohen in aller Öffentlichkeit zu platzen. Das macht ein hässliches Geräusch, und die umher fliegenden Fetzen dürften am beteiligten Personal hängen bleiben. Ein Kollateralschaden könnte schon eingetreten sein: Die Nominierung für den prestigeträchtigen Kisch-Preis steht auf dem Prüfstand.

Spiegel 39/2005, Titelstory "Der Kapuzenmann"

Stolz wie Bolle präsentiert Deutschlands Nachrichtenmagazin Numero Uno den Mann auf dem zur der Zeit wohl berühmtesten Foto der Welt: Den "Kapuzenmann" aus dem US-Folterknast Abu Ghraib. Kleiner Schönheitsfehler: Ali Schalal Kaissi, Rufname Hadschi Ali, ist es wohl doch nicht. Zwar behauptet er weiter, auf diese Art gefoltert worden zu sein, und er war wohl auch in der fraglichen Zelle, aber "der" Kapuzenmann ist er offenbar nicht.

Diese Möglichkeit räumt jetzt auch SPON etwas kleinlaut ein, nachdem der Spiegel zuletzt noch auf eine mögliche Verwechslung der Bilder verwiesen hatte. Ressortleiter Cordt Schnibben erklärte gegenüber dem Tagesspiegel, dass es mehrere Fotos von unterschiedlichen Gefangenen gegeben habe könnte, die auf dieselbe Art und Weise gefoltert worden seien. Zur Bebilderung der Geschichte hätten ihm auch mehrere Fotos vorgelegen.

Aufgeflogen ist die Geschichte durch die New York Times, seit Kollege Jayson Blair etwas empfindlich in Sachen falsche Stories. Zwar hat sich die selbst ernannte "beste Zeitung der Welt" in der Ausgabe vom 11. März das selbe Ei ins Netz gelegt wie Herr Augstein, doch gibt es im US-Journalismus dafür schließlich die "Corrections" [NYT Registrierung nötig]. Die Redaktion erklärte eine Woche später: "The trouble was, the man in the photograph was not Mr. Qaissi". So eine Sparte wünsche ich mir für die deutsche Presse schon lange. Aber nein, wir sind ja unfehlbar.

Nächstes mögliches Opfer, nach der Wahrheit: Die Kisch-Preis-Nominierung für die Reportage von Anita und Marian Blasberg. Die Organisatoren des Kisch-Preises haben die Jury-Mitglieder aufgefordert, die Berichterstattung zu verfolgen und darüber zu entscheiden, ob "Der Kapuzenmann" weiter nominiert bleiben soll.

Spiegel 10/2006, Enthüllungen über den dicken Mann

Im deutschen Fußball wird gemauschelt, gezockt, geschoben und gesoffen. Schon klar. Eigentlich ist es also gut, wenn der Spiegel der üblicherweise tief schlafenden Sportjournaille mal auf die Sprünge hilft und schaut, was der fette Calmund bei Bayer eigentlich so getrieben hat.

Der Spiegel-Reporter schnüffelt ein bisschen rum. Seine Erkenntnisse teilt er dann mit einem Ermittler. Das ist wohl üblich, aber schon grenzwertig. Endgültig verboten wird es, wenn stimmt, was der Tagesspiegel so berichtet. Nach Darstellung des Berliner Blattes soll der Cop erst nach dem Treffen mit dem Spiegel-Mann seine Vorermittlungen begonnen haben.

Im Spiegel vom 6. März erscheint dann eine Geschichte über den dicken Calli und das liebe Geld. Darin war auch zu lesen, dass in Bielefeld "Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei" an der Sache und dem korpulenten Calmund dran sein sollen. Da gab es aber noch kein Ermittlungsverfahren. Das kam erst, nachdem der Kripo-Mann den Spiegel gelesen hatte und unter Berufung auf den Artikel eine Strafanzeige stellte. Und auch nicht in Bielefeld, sondern in Köln.

Nicht die feine englische Art. Aber immerhin hat der Spiegel einen möglicherweise verwickelten Kicker zunächst aus der Story rausgehalten, weil die Bullen keine Beweise hatten. Den Mann wieder ins Spiel brachte dann ein Organ, dass für eine "Corrections"-Spalte ein ganzes zusätzliches Buch brauchen würde: Die Bild.





Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Re: Spiegel: Keine Kapuze, kein Kisch und der Dicke mit dem Geld (lanu)
mehr!!! ich will mehr!!! :-)

danke
Re: (Alagos)
"er immerhin hat der Spiegel Leute einen Kicker zunächst rausgehalten, weil die Bullen keine Beweise hatten."
Irgendwie verstehe ich den Satz nicht, der macht in sich keinen Sinn ;).

Abgesehen davon muss ich dem auf jeden Fall zustimmen. Der Spiegel hat in den letzten Jahren etwa soviel an Qualität verloren, wie SPON an Werbung zugelegt hat(genau wie das Magazin... es ist faszinierend, dass man für soviel Werbund auch noch Geld ausgeben muss... das ist ja schlimmer als im Kino).

Und die Bild hat doch schon eine "corrections" Seite... bildblog.de
Wo wir schon dabei sind.. (Alagos)
"der Dicke mit dem Geld" hört sich an wie eine schlechte Überschrift aus der "Bild". "Der Kaputzenmann" ist auch nicht besser.
Heads (FoolDC)
Nun mal schön differenzieren: "Der Kapuzenmann" ist vom Spiegel. "Der Dicke mit dem Geld" ist vom Fool. Zu solcher Prosa sind die Schmierfinken bei der der Bild doch gar nicht in der Lage.
Re: (Alagos)
Ah okay ;),

"Der Dicke mit dem Geld" könnte aber auch vom Spiegel kommen. Bei so einem Artikel finde ich das ja okay, aber ich habe irgendwie was gegen reisserische Überschriften in Medien, die dieses eigentlich gar nicht nötig haben sollten, weil sie sich ja so "seriös" verkaufen.
Re: Sinnfrei (FoolDC)
Das "Leute" ist zuviel. Dann macht es auch wieder Sinn. So ist besser:

Aber immerhin hat der Spiegel einen möglicherweise verwickelten Kicker zunächst aus der Story rausgehalten, weil die Bullen keine Beweise hatten.

Aber hey, ein bisschen Transferleistung, du hast doch Abi.
Re: (Alagos)
Ups irgendwie macht mein Gehirn heute Pause... entschuldige.
Re: Re: wird der abi-durchschnitt... (lanu)
eigentlich bei der anmeldung abgefragt? ;-)
Re: Abi-Schnitt (FoolDC)
Nützt nix. Selbst Til Schweiger hatte ein Einser-Abi. Angeblich.
Re: dann zieht dein argument aber auch nicht (lanu)
"tihilll, bist du da?" der schweigert wieder, mist
Re: Argument? (FoolDC)
Das sollte kein Argument sein. Sondern ironisch.

Scheiß Internet.
Re: "Scheiß Internet." (lanu)
stimmt.

und hatte ich erwähnt, was ich von bloggern halte? ;-)
Re: (Alagos)
lol

Ganz böse Leute... ;)
Re: Re: Abi-Schnitt (Alagos)
pff *gg* Ein gutes Abi sagt eh nichts aus. Wenn ich mir mal so meine Mitstudenten angucke.. ;)
Re: Same applies to me. (Tomahawk)
In der Tat: Die am höchsten angesehenen Hirnis gingen mit den niedrigsten Abi-Schnitten ins Bett, sofern das ständige Schleimen in den Enddärmen ihrer Pädagogen ihnen noch Reste an Zeit und Libido übrigließ.

Auf Deutschlands Bildungssystem, das Kriecher stets den suchenden Wißbegierigen vorgezogen hat, ist Verlaß. Wir dürfen mit Fug & R. davon ausgehen, daß die SPON-Praktikanten durch dieselbe Schule der analen Anbiederung gegangen sind. Motto, überliefert durch Heidi Brühls Papa, der Töchterchens Gagen systematisch unterschlug, Gott hab' beide selig: "Am A**** kreist der Hammer."

Ich fürchte, der alte Rudolf Augstein kreist auch: wie ein Ventilator, aber dank zwei Klaftern Erde über seiner irdischen Hülle für seine Erben und Nachfolger leider unhörbar. Hoffentlich haben sie ihm, dem grand old man des deutschen Nachkriegsjournalismus, wenigstens zwei ehrlich gedrehte Joints ins letzte Hemd gepackt.


Re: der bekiffte augstein (lanu)
könnte dann aber gut und gern noch sonntags für SPON schreiben. würde man kaum merken.
Re: Sonntags? (Tomahawk)
Sie greifen zu kurz, Lady Boss, halten zu Gnaden:
Der alte Fuchs wäre eine tägliche Bereicherung, ganz ohne sonn-. Nicht nur die SPON-, sondern auch die erhabene Kaste der "Spiegel"-Zeilenfüller der Print-Variante traut sich ja weder zu saufen noch zu kiffen. (Rauchen ist gerade noch gestattet, weil ansonsten keine deadline gepackt würde.)
Ein beklagenswerter Verlust, waren diese drei Neigungen in Summe doch stets eine conditio sine qua non des wirklich interessanten Journalismus. Doch Stefan Aust, ein in allen Belangen trockener Mensch, hat diese einst unerschöpfliche Quelle zugeschüttet. Daher vermögen die Scheine, die er für sein Tun allenthalben einstreicht, auch höchst appetitlich, dehydriert halt, zu knistern.
P.S.: Kennt hier eigentlich jemand Prof. Norbert Aust, den Bruder des jüngst Erwähnten, der in HH ein kleines Entertainment-Imperium betreibt?
Re: ja, schon richtig (lanu)
aber die woche über nur ohne joint
Re: Ois kloa! (Tomahawk)
Issja gut: Das "" ward etliche Male verabsäumt. Ich beuge mein Haupt, was immer das auch sei, in Scham.
Addendum (FoolDC)
Ich will nicht unterschlagen, dass im deutschen Fußball nicht nur gemauschelt, gezockt, geschoben und gesoffen, sondern auch kräftig gepoppt wird: Der Kaiser zeugt illegitime Thronfolger auf Weihnachtsfeiern, Herr Effenberg beglückt Frau Strunz - um nur zwei Episoden zu dokumentieren. Ob allerdings Herr C. ein aktives Sexualleben hat, ist nicht überliefert.
Ein überfälliges "Hello again", old pal! (Tomahawk)
Wirklich schön, Dich (na klar, seit etlichen Wochen schon) hier wieder zu vernehmen; auch ich vernehme mich hier gerne wieder.

Die preußische Fußball-Camarilla (es fehlt nur noch der Spruch von anno '14, Willem II.: "Wir kennen keine Parteien mehr, Wir kennen nur noch Deutsche") ist eine ungeahnt erfolgreichere Version der Dame ohne Unterleib. Wer sowohl große Schnauzen als auch allzeit empfangsbereite Brieftaschen hat, braucht keine flinken Beine mehr; es genügt, die von der Friseurpresse wundgeküßten Hände aufzuhalten.

Was allfällige Leibesübungen von Herrn C. angeht, werden auch dort Damen ohne Unterleib ihr Auslangen finden.

Wishing you a most enjoyable evening, and much more!
Re: Welcome back (FoolDC)
Danke, ebenfalls. ;-)
Correction (FoolDC)
Ich gehe mal mit gutem Beispiel voran und eröffne die Korrekturspalte mit einer Richtigstellung des von mir oben verzapften Bullshits.

Das im zweiten Absatz über den Dicken genannte Blatt kommt mitnichten aus Berlin, sondern aus München. Der Tagesspiegel hat zwar über den falschen Kapuzenmann berichtet, mit den Hintergründen der Calmund-Story beschäftigte sich dagegen die Süddeutsche.

Credit where credit is due.








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