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11:26 Sonntag, 19. März 2006
Zwar ist der TV-Zuschauer ein wetterwendisch-wankelmütiges Zapp-Wesen. Doch eins steht, analysiert Hahn, festgemauert in der Erden: Nach jeweils 15 Jahren erfaßt den Zuschauer ein dunkler Drang - das programmliche Abwechslungsbedürfnis .
Nun ist es freilich so, daß die Darbietungen des von Hahn vertretenen Senders beim Zuschauer nicht erst nach 15 Jahren sondern bereits nach 15 Minuten ein programmliches Abwechslungsbedürfnis hervorrufen.
Aber es geht ja gar nicht um Seher rein, sondern um Mitarbeiter raus. Was an den hahnschen 15 Jahren auffällt, ist, wie sie mit eben jener Grenze konvergieren, oberhalb derer ein freier NDR-Mitarbeiter auf Festanstellung klagen könnte. Deshalb fliegen die Freien nach 15 Jahren beim NDR achtkant raus wie die Schraubenschlüssel. Doch damit nicht genug. Ganz Anwalt des vom programmlichen Abwechslungsbedürfnis ergriffenen Zuschauers dekretiert Hahn, daß feste freie Journalisten, die nach 15 Jahren wegen des programmlichen Abwechslungsbedürfnisses regelmäßig feste freigesetzt werden, auch nicht bei Produktionsfirmen beschäftigt werden dürfen, die Aufträge vom NDR bekommen. Also sprach Hahn: Es darf nicht sein, daß die "Limits oder Beschäftigungspausen durch die Beschäftigung über eine Firma umgangen werden". Tja, hähä, ihr hinterhältig-gemeinen Berufsverbote-Umgeher: nicht mit unsrem Wäänää, nee, nicht mit ihm! Es ist ein Naturgesetz der Sprache, daß sie denjenigen, der eine schlechte Sache mit einem Argument versehen möchte, mit dem Absturz in den Schwurbel bestraft. (Etwa bei den Neoconnards beobachten wir dies regelmäßig.) Diesen enthirnten Schwumpf muß man sich auf der Zunge zergehen lassen: Um des Programmes willen, sagt Hahn, dem der Gehirnchirurg nach Entnahme ein Brötchen implantierte, braucht der NDR einen "möglichst breit gestreuten Kreis geeigneter Mitarbeiter", die auf jenen Zeitraum zu limitieren sind, in dem "sie sinnvoll eingesetzt werden können". Logik, Brötchen, Logik! Die geometrische Vorstellung, daß ein Kreis durch einengende Verbote erweitert werden soll, ist Dialektik aus dem Irrenhaus. Da fühlt man sich gut, nicht wahr, Hahn, wenn man aus der machtgeschützten Innerlichkeit unkündbarer gebührenfinanzierter Pfründe heraus den 'Freien' in ihrem struggle for survive noch einen Mühlstein zusätzlich um den Hals hängen kann. Uiii, wie lustig sie da noch verzweifelter zappeln und strampeln, höhö, sie zucken rum, suchen in wuselnder Panik einen Ausweg aus der Falle - aber Zack! hat der Hahn alle Chancen, den Beruf und jede Hoffnung vernichtet. Werner Hahn ist ein furchtbarer Jurist. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Re: NDR: Chefjustiziar Werner Hahn auf dem Gipfel seiner Schaffenskraft (strappato)
Der Justitiar ist doch nur His Master's Voice.
Das ist eine Facette der Situation auf dem Arbeits(losen)markt der Medienschaffenden. Dies ist ja ein Öffentlich-Rechtlicher vom Gebührenzahler alimentierter Sender, in dessen Aufsichtsgremien Gewerkschaften, Kirchen, Politik, usw. sitzen. Wenn man sich die Politik so ansieht, wundert einem nichts mehr. Traurig genug.
Re: (noergler)
" ... nur His Masters's Voice" - völlig richtig. Aber ich erkenne an seinen Formulierungen, wie ihm das gefällt; wie er sich da richtig reinkniet. Er ist ein Überzeugungstäter. Befehlsnotstand lasse ich da nicht gelten.
Danke für den Hinweis auf das Versagen der Aufsichtsgremien! Dieser wichtige Aspekt war mir entgangen. |
Mir nach!
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