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10:56 Sonntag, 05. März 2006
Erinnert sich noch jemand an Peter Kabel von Kabel New Media, einer der nach Börsenwert grössten deutschen Firmen des März 2000? 2,6 Milliarden Euro, die in der Insolvenz verpufften, und ein Vorstand mit vielen Ausreden, er hätte alles gegeben, das Ende sei aber doch sehr überraschend gekommen, trotzdem glaubt er an die idee, die Veraltung hat Fehler gemacht, Bla Bla. An das fühlt man sich erinnert, wenn man dieses treuherzige Interview der Berliner Morgenpost mit dem Goya AG Gründer Peter Glückstein liest. Manche Zitate sollte man für die Nachwelt erhalten:
"...schließlich fühle ich mich verantwortlich. ....damit die Arbeitsplätze erhalten werden und die Gläubiger zu ihrem Recht kommen."
Er fühlt sich verantwortlich? Als Vorstand ist man verantwortlich dafür, dass die Arbeitsplätze verloren gehen und die Handwerker auf drei Millionen offener Rechnungen sitzen. "Uns ist einfach das Geld ausgegangen. .... Dieser Prozeß war so nicht aufzuhalten." Ach nein? Und was macht so ein Vorstand, wenn er das über vier Jahre bemerkt? Nichts natürlich ausser weitere Aktionäre werden. Kann man eh nichts tun. Ne, schon klar. "Die Buchführung war ab dem Zeitpunkt der Eröffnung tatsächlich konfus, aber wir sind an den schlechten Zahlen und nicht an der Unordnung in den Zahlen gescheitert. Und an dem Chaos tragen auch der Steuerberater und der Finanzmanager Schuld." Glückstein fühlt sich verantwortlich, aber Schuld tragen andere. Und Schuld trägt sicher nicht der Vorstand, der die Leute eingestellt hat und kontrolliert. Gell? "Es geht vor allem darum, daß die Gläubiger maximal wenig verlieren." Kann er ja sagen, nachdem er maximal entmachtet wurde. Und die Aktionäre maximal viel verloren haben. "Die Aktionäre müssen ihre Clubrechte behalten und sollen eine Dividende erwarten können." Dividende aus einem zahlungsunfähigen Unternehmen? Buahahaha. "Ich selbst hatte mich zuletzt darum bemüht, bei den Gläubigern eine Stundung zu erwirken" Ja. Gell. Was man halt so tut, wenn drei Millionen Forderungen offen sind und man nicht weiss, mit welchem Geld man was zahlen soll. Wenn nicht mal das Personal den Lohn bekommt. "um später durch eine Kapitalerhöhung alte aber auch neue Aktionäre dazu zu bewegen, das fehlende Geld in den Club zu investieren." Hey Leute, wir haben gut 30% mehr Geld verbraten, als wir hatten und der Laden läuft nicht, weil er zu teuer ist, ich glaube, Ihr solltet besser mal mit 50% Aufschlag auf Eure Investition rechnen, dann geht es mit Eurem kompetenten Glückstein weiter, ansonsten verliert Ihr alles. "Es sah gut aus, aber dann kam meine Freistellung dazwischen." So was nennt man, glaube ich eine Dolchstosslegende: Alles wurde gut, der Sieg stand knapp bevor, und dann wurde der Feldherr abberufen und die neue Mannschaft ging prompt pleite. "Mein größter Wunsch ist es, und das entspricht auch dem Willen vieler Aktionäre, mein Wissen und meine Kraft wieder einbringen zu können.... Jetzt sollten alle über ihre persönlichen Befindlichkeiten hinwegsehen, um den Schaden möglichst klein zu halten." Spätestens jetzt sollte jeder begriffen haben, dass Peter Glückstein keineswegs an einem zu kleinen Ego leidet. Manche würden vielleicht sagen, er neigt zur Selbstüberschätzung. Vielleicht sollte er ein Web2.0 Startup gründen: Google Map Club Mashup mit User generated Coolness Charts und Live Moblogging, zum Beispiel. Und dann für 36 Trilliarden an T-Mobile vekaufen. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Re: Peter Glückstein-Kabel (joesixpack)
Der Typ ist echt für die Galerie! Das mit der Dividende ist echt am besten. Für den Baron der Woche sollte das reichen, oder?
"Für den Baron der Woche sollte das reichen, oder?" (lanu)
mindestens :-)
Re: (nightrunner)
?????
Ähm ????? Wer bitteschön setzt sowas als Vorstand ein und lässt ihn dann auch noch da ? Lasst mich raten : Onkel und grosser Bruder als Hauptinvestoren und die Frau als Vorsitzende des Aufsichtsrates und Chefsekretärin in Personalunion ? Das erinnert wirklich an beste NE Zeiten
Re: (DonAlphonso)
Das sind beste NE-Zeiten.
Re: (che2001)
Und der Haffa verkauft jetzt Segelyachten. Was machen eigentlich Harlos und Häfele? Wie lange muss Falk noch brummen? Und wie viele windige Horste kommen demnächst aus ihren Löchern?
Re: Wie viele? (Tomahawk)
Hunderte! Die Überlebensquote deutscher Knäste liegt um 300% höher als anderswo, weltweit. Wenn Du die Zahlen genau betrachtest, stirbt man in Steigenbergers, Mariotts und Hiltons weitaus früher und häufiger als in Hotels namens Stadelheim und Santa Fu.
Aber in letzteren verweilt man ja auch länger, weil man dafür nicht selbst bezahlen muß. Dennoch: Innovationen gedeihen an den unglaublichsten Orten. Lasset uns deshalb die Strafanstalten nicht gering schätzen! |
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