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Wallstreet:Online AG Fragen zum heutigen W:O - Listing
INSIDER Wallstreet:Online AG von john.silver

18:56 Mittwoch, 22. Februar 2006

Heute ist also der grosse Traum von Andre´ Kolbinger, Chef der Wallstreet:Online AG (W:O), sein Internetportal an die Börse zu bringen, erfüllt worden. Zwar ist derzeit noch offen, wieviele Aktien überhaupt gelistet sind, sich also im freien Umlauf (freefloat) befinden, jedoch stammen sie den verfügbaren Quellen nach laut Herrn Kolbinger aus Familienbesitz.
Kolbinger, der die Plattform im zarten Alter von 23 Jahren 1998 gegründet hatte und einer der ehemaligen deutschen Internet-Stars ist, hatte den Börsengang bereits zu Hochzeiten des Neuen Marktes vorbereitet, war dann allerdings etwas spät damit dran. Dem Vernehmen nach hat er die Aktien von den damaligen Venture-Capital-Gebern zurück gekauft. Diese Aktien erscheinen folgereichtig auch in den im Laufe des Tages ins Netz gestellten Geschäftsberichten unter Grundkapital und sind in der Bilanz der Gesellschaft unter Eigenkapital zu finden. (8,86 Mio. Aktien "mit einem rechnerischen Anteil am Grundkapital von 1 Euro").

Es sollten also 5-10% der Aktien in den freefloat gelangen, demnach sagen wir ca. 600.000 Aktien. Erster Kurs war 3,10 Euro, demnach wären abzüglich Listing- und Rückkauf-Kosten etwa 1,8 Mio. Euro an Familie Kolbinger geflossen.

Soweit so schön. Nur findet man im Jahresbericht in der Gewinn- und Verlustrechnung einen Verlustvortrag i.H.v. ca 21 Mio. Euro. Eine stolze Summe für eine Firma mit 1,5 Mio. Euro Umsatz, Aktiva von 2,6 Mio. und 0,7 Mio. Euro Gewinn. Man braucht bei gleichbleibendem Gewinn immerhin fast 30 Jahre, um den Verlustvortrag abzutragen und W:O betreibt ein Geschäft, das zyklisch vom Finanzmarkt abhängt.

Woher stammen diese 21 Mio. Euro Verlustvortrag? ... fragt man sich da.

In 2005 betrugen die Kosten etwa 1 Mio. Euro (Gewinn- und Verlustrechnung Punkte 2, 4-11). Bei ähnlichen Kosten und keinerlei Einnahmen käme man im Zeitraum 1998 bis 2004 allerdings auf lediglich 7 Mio. Verlust und nicht auf 20!

Sollte es sich bei der Differenz möglicherweise um die Rückkaufsumme für die Aktien handeln, die da einbilanziert ist? Dann sollten die Aktien sich allerdings nicht direkt im Familienbesitz befinden.

Investoren sollten besser auf Abstand bleiben, solange diese Fragen nicht abschliessend geklärt sind.





Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Was ist eigentlich aus Brainwire geworden? (waldgeist)
Das war sozusagen eine Ausgründung aus W:O...
Schmarrn (HansMeise)
W:O hat zeitweise 150 Leute beschäftigt und nach meinen Informationen allein in einem einzigen Jahr mal 7 Mio. Verlust eingefahren. Erstaunt mich eigentlich eher, dass es "nur" 21 Mio. Verlustvortrag sind....

Die Aktien KÖNNEN gar nicht von der Firma zurückgekauft worden sein, das ist gesetzlich und technisch unmöglich - vor allem sind die Verluste aus den Aktien ja schließlich bei 3i und T-Venture angefallen und nicht in der Bilanz.

Auf Abstand bleiben sollten Investoren trotzdem, aber aus anderem Grund: a) wenn der Großaktionärs Kasse macht, ist das nie ein gutes Zeichen b) die Börsenbewertung von über 30 Mio. Euro ist mehr als sportlich
Re: HansMeise (john.silver)
Ich sehe ich keine von Dir beigebrachten Belege. In verschiedenen Meldungen, ist seitens Kolbinger selbst davon die Rede, dass "die Sicherung der Verlustvorträge" geklärt werden müsse.

[url]http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2006-02/artikel-6039170.asp[/url]

Zuletzt waren dem gegenüber lediglich die letzten 3 Geschäftsberichte online, so dass die Entstehung des Verlustvortrages nicht nachzuvollziehen ist. Es wäre an W:O, seinen Aktionären die Sache transparent zu machen.
Belege (HansMeise)
kann ich nachliefern, hab nur im Moment nicht die Zeit. Glaub es mir aber, es ist so.

Und was das "Sichern der Verlustvorträge" angeht: durch steuerliche Änderungen und Anteilseignerwechsel können die evtl. gefährdet sein. Hat mit der Herkunft - Verheizen von Geld v.a. durch teilweise absurd hohe Personalkosten - aber nichts zu tun.
Re: (john.silver)
Im Übrigen wäre selbstverständlich ein Aktienrückkauf durch die Gesellschaft möglich.

Aber unterstellt, Du hättest damit recht, dass es sich um Anlaufverluste handelt, reisst das einige neue Fragen auf:
1. Welcher Geldgeber soll denn in Zeiten, als niemand mehr an den Erfolg kleiner Internet-Firmen glaubte, einerseits W:O das Geld geliehen haben und ausserdem Herrn Kolbinger, um die Aktien zurück zu kaufen? Geht dann ja sogar um 21 Mio. zzgl. den Rückkaufkosten.

2. Schiene es, sofern Dein Argument zutrifft, erstaunlich, dass das Finanzamt dem Auflaufen derartiger Verlustvorträge jahrelang zugesehen haben soll, Stichwort Liebhaberei. Zudem wäre dann erst recht erklärungsbedürftig, wie man denn mit einem Gewinn von 0,7 Mio (Kolbinger: bestes Unternehmensjahr) von 20 Mios Verlustvortrag je runter kommen will.

3. Ebenfalls die Nachhaltigkeit und Perspektive des Geschäftsmodells betriftt auch die Frage, wie die Verluste (?) im letzten zyklischen Tief des Finanzmarktes gehandhabt wurden und wie man es im nächsten halten will.
Antworten (HansMeise)
Komme erst jetzt zum antworten, da im Rheinland gestern Feiern angesagt war.

zu 1.: Siehe alte Pressemeldungen/GoingPublic Magazin - 3i und T-Venture haben VOR dem Zusammenbruch des Marktes (genauer: etwa Juni 2000) schlappe 40 Mio. DM in W:O reingepumpt. Da die danach aufgebraucht wurden und vorher auch schon Geld verbraten worden war, entspricht diese Summe ziemlich genau dem genannten Verlustvortrag.

zu 2.: Das Auflaufen von solchen Verlusten über Jahre ist nichts Ungewöhnliches, hatte meine Firma auch (wenngleich in weit weniger krassen Dimensionen). Und steuerlich anerkannt wurden die Verluste trotzdem, jetzt, wo wir Gewinne machen. Dass die Verlustvorträge bei W:O eine Weile vorhalten dürften ist klar, aber kein Problem für heutige Investoren - zeigt nur die Sünden der Vergangenheit.

zu 3.: Stimme dir völlig zu, dass die Marktzyklik auch mal wieder gegen W:O laufen wird. Wenn Kolbinger nicht wieder größenwahnsinnig wird und 150 Mann einstellt (ein bisserl sollte er wohl doch gelernt haben...), dann werden künftige Verluste aber hoffentlich kleiner ausfallen.


Aktienrückkauf geht rein rechtlich nur bis maximal 10% (die Ventures hatten aber viel mehr Anteile), hatte W:O sich aber m.W. nie genehmigen lassen. Ist außerbörslich sowieso eher witzlos.

Re: Re:Mein lieber Herr Specht... (underdog)
...da werde ich ganz blass, Experten unter sich. Nimmst Du Dir jetzt auch mal Heuschrecke ARQUES zur Brust, wenn Du mal Zeit hast (ich bin auch nie mehr garstig zu Dir)?. Dr.Dr. Löw hat doch noch vor Jahreswechsel Aktienpakete im Wert von über 15 Mios verschoben. Jetzt haben die nicht nur die Bafin an der Backe.

Außerdem klagt der kurzeitige
Finanzvorstand um ein Mio-Sümmchen (Könnte ein KRONZEUGE werden), den sie wegen "der Chemie" geschasst haben.

Bitte Experte, geh Du voran. Das wird mir zu kompliziert und raubt auch meine ZEIT.
Re: Specht (john.silver)
Sofern Du mich meinst, schick mir doch bitte das, was Du an Fakten und Links hast per Boardmail. Seh´s mir dann mal gelegentlich an.
Arques (HansMeise)
Über die Geschäftsmethoden (von wegen Umgang mit den gekauften Firmen) hab ich noch nicht recherchiert, gib mir doch ggf. per Mail ein paar Ansätze/Links, denen man nachgehen kann.

Die ganze BaFin-Thematik ist m.E. eine Sensationsmache - der Verkauf von Löw ging an Buchanon, die eine Calloption hatten und selbst dem Umfeld des Managements zuzuordnen sind. Die Untersuchungen sind m.E. reine Routine.

Aus der Entlassung des CFO sehe ich allerdings tatsächlich ein potenzielles Risiko einer satten Abfindung - die Vorwürfe der nicht gemeldeten Verkäufe waren wohl eher ein vergeblicher Versuch, diese gering zu halten.
W:O - Ein Blick in den Jahreabschluss (isklar)
Über 30 Mio EUR market cap sind sicher ambitioniert aber 710 TEUR Gewinn bei 1,4 Mio. EUR Umsatz sind doch auch beeindruckend... oder?

Bei näherer Betrachtung des JA kommen leichte Zweifel auf:

- sonstiger betrieblicher Ertrag von 310 TEUR. Hiervon stammen 110 aus der Auflösung von Rückstellungen und sind somit ein Buchungstrick (Woher kommt eigentlich der Rest?) In den Rückstellungen "schlummern" übrigens noch weitere 675 TEUR, die bei Bedarf gewinnerhöhend aufgelöst werden können.

- per Ende 2005 gut 440 TEUR Zugang in den immateriellen Vermögensgegenständen. Hiervon werden 150 TEUR mit dem Erwerb zweier Portale näher erläutert. Und der Rest von 290 TEUR? Eine mögliche Erklärung wäre, dass Softwarewartungs- und -programmierarbeiten aktiviert worden sind, anstatt sie als Aufwand gewinnmindernd zu verbuchen. Das kann man uU schon so machen, is klar, es verschleiert aber die tatsächliche Kostensituation.

- Forderungen gegen verbundene Unternehmen: 417 TEUR. Sind die einbringlich? Seht Euch mal die Eigenkapital- und Ertragssituation der verbundenen Unternehmen (fast alle 100 %-Töchter) an! Aber, is klar, jede Abwertung hätte den "Gewinn" gedrückt.

- Cash-Position Ende 2005: 361 TEUR. Wenn nicht ein positiver operativer Cash Flow erwirtschaftet werden kann, besteht in absehbarer Zeit Liquiditätsbedarf. Wie soll der gedeckt werden? Bankdarlehen?, Kapitalerhöhung?

Es entspricht aber durchaus der Börsenkultur der "neuen Gründerjahre", dass die Börse Online das nicht so kritisch sieht und die Aktie zum Kauf empfiehlt!

http://www.boerseonline.de/aktien/deutschland_europa/482733.html

Is klar?



Mir nach!



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