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18:32 Mittwoch, 01. Februar 2006
Journalisten haben keine Eier. Zumindest gewisse Chefredakteure in Dänemark scheinen im Moment Probleme mit den Cojones zu haben. Das kann allerdings auch daran liegen, dass gewisse Kreise aus Politik und Wirtschaft gerade kräftig zudrücken. Insofern verstehen wir das mal. Kein Verständnis bekommt der DJV, der sich lauwarm vor einer Grundsatzfrage drücken will.
Die Geschichte ist brisant: Das dänische Blatt "Jyllands-Posten" druckt Karikaturen des Propheten Mohammed. Das hat einen Aufschrei in der arabischen Welt zur Folge. Es passt gläubigen Muslimen nicht, dass die zentrale Figur ihrer Religion durch dänischen Kakao gezogen wird. So weit ist das nachvollziehbar. Dann folgen Druck, Drohungen und Boykotte. Die dänische Regierung gerät ins Schwitzen. Der Chefredakteur des Blattes mach einen Kotau und entschuldigt sich.
Das ist ein Skandal. Die Presse eines demokratischen und säkularen Staates darf Karikaturen von Mohammed ebenso drucken wie welche von Jesus oder Buddha. Natürlich nehmen wir auch Rücksicht auf religiöse Gefühle. Aber wenn im Moment eben zahlreiche Irre rumlaufen, die sich im Namen Allahs auf Marktplätzen und in Pizzerien in die Luft jagen, muss auch der gute Mohammed mal dran glauben. Endgültig schlecht wird mir, wenn altlinke Gutmenschen mit taz-Abo jetzt wieder unheimlich betroffen und verständnisvoll sind. Selbst die Hauspostille der Schluffis mag da nicht mehr ganz mitgehen. Richtige Eier beweisen im Moment aber die Blätter, die sich von religiösen Eiferern nicht einschüchtern lassen wollen und die Dinger nachdrucken. Wie die France Soir ("weil kein religiöses Dogma die Auffassungen einer demokratischen und säkularen Gesellschaft bestimmen kann") oder die "Welt". Und der DJV? Sonst immer auf den Barrikaden, wenn es der Klientel an die Nüsse geht, zieht schön den Schwanz ein. Die Verbands-Obermuftis finden die Nachdrucke offenbar nicht so toll. DJV-Sprecher Hendrik Zörner verwies lauwarm auf Paragraf 10 des Pressekodexes, wonach Veröffentlichungen, die religiöse Empfinden einer Personengruppe verletzen können, mit der Verantwortung der Presse nicht zu vereinbaren sind. Und heute abend singt er in der Badewanne. Falsett. Nur wenn es den deutschen Journalisten an den Schniepel geht, hört die "Toleranz" auch beim DJV auf. "Die Mordaufrufe von Islamisten gegen dänische Journalisten sind durch nichts zu rechtfertigen", erklärte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken am heutigen Mittwoch. Danach in die Badewanne zu Zörner. Merken die noch was? Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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