dotcomtod auf geht\'s auf oder ab abwärts übel leidend das wars wohl
Erste Seite | Die Idee | Boo melden | Ruhmeshalle | Kommentare
 

Menü
Erste Seite
Die Idee
Boo melden
Ruhmeshalle
Kommentare
Newsfeed
Forum
DCT Archiv
Kontakt

Galerien
Insider
Boo
Final

Booshaft
Baron
eCards
Intern
Echo
Kolumne
Presse

Bootanischer Garten

Login
Benutzername

Passwort

Registrieren
Passwort vergessen





Get the Klip for boocompany.com
Add to any service

Blogliste
Lanu
Don Alphonso
Che
Hal Faber
Pud
Girl
Strappato
Sven Scholz
Jens Scholz
Thomas Knüwer
Dr. Dean
Spreeblick
Lumma
Wirres
Markus Grill
Sethos

Bloghoster
Twoday.net
Blogg.de
Blogger.de

The Rheinpfalz Journalismus: So verreckt er an sich selbst
BOO The Rheinpfalz von noergler

09:02 Dienstag, 31. Januar 2006

Und er weiß es. Ich habe es erlebt, wie sie einen sprachlich und investigativ krassen und mit Preisen zurecht überhäuften Kollegen in einer Lokalredaktion versauern ließen, bis er nur noch ein Schatten seiner selbst war.
Ich habe es erlebt, wie sie in fünf Jahren drei Personalverschlankungswellen durchzogen, bis zur Skelettierung der gesamtem Redaktionslandschaft. Ich habe es erlebt, wie sie nach der ersten Welle locker 73 Mio für ein neues Drucksystem spendierten mit der offiziellen Begründung, die Werbung farblich besser darstellen zu können. Ich war dabei, als alle bei dieser Verkündigung devot erstarrten; und der Big Boß fragte, ob da noch Fragen wären in einem Ton, der jede Frage verbot, und ich habe gefragt, ob es der Sinn der Zeitung sei, primär als optimaler Werbeträger sich darzustellen.

Im Blick des Verlagsgeschäftsführers war der Tod. In der Situation war es psychisch das Maximum dessen, was ich leisten konnte. Ich schäme mich heute dafür, daß ich nicht "Ihr Schweine!" geschrien habe.

Echt hip war die Nummer mit der europaweit beachteten Jahrhundertausstellung, als ein Kollege dahinterkam, wie der Museumsdirektor die Kontakte, von denen er öffentlich sprach, nie hatte. Die von ihm genannten Kuratoren der ausländischen Museen hatten nie etwas von ihm gehört.
Es begab sich aber zu der Zeit, als ich den Chefredakteur sprechen wollte. Der war nicht da. Ich betrete sein Zimmer. Ich sehe ein Schreiben auf seinem Tisch. Höhö, denkt sich der Nörgler, das ist ja von der Landesregierung, nämlich vom (damaligen) Kultusminister Dr. Georg Gölter. Der war verantwortlich für die Ausstellung. Also sprach Gölter, der Chefredakteur habe den Redakteur an die Kandarre zu nehmen; zwei seiten massive Einflußnahme auf eine Redaktion. Der Schatten aber hat seinen Investigator gedeckt.

Das kommt mir alles hoch, wo ich im journalist 1/2206, S. 6 dies lese:

"Mehr Service als Kontrolle. Der Journalist der Zukunft wird mehr vom Dienstleistungsgedanken bestimmt sein und weniger Kontroll- und Kritikfunktionen wahrnehmen. Das ergab eine Online-Befragung des Leipziger Medienwissenschaftlers Michael Haller unter 8.000 Journalisten in Deutschland. Jeder zweite befragte Journalist glaubt demnach, daß die Recherche in Zukunft aus Zeitmangel oberflächlicher ausfallen werde. Damit verbindet sich die Sorge, daß inhaltliche Fehler zunehmen und die sprachliche Aufbereitung schlechter werde."

Die guten Nachrichten sind, daß einer es erfragte und die Journalisten ehrliche Antworten gaben.
Die schlechte Nachricht ist die Formulierung von der "sprachlichen Aufbereitung". Sprache nämlich wird nicht aufbereitet; sie ist.
Die weitere schlechte Nachricht besteht in den mehrfachen Urteilen des Bundesverfassungsgerichtes, welche das Presseprivileg ausdrücklich mit Kontroll- und Kritikfunktionen verknüpfen: Der journalistische "Dienstleistungsgedanke" ist verfassungswidrig.

Die beste Nachricht: Die Journalisten wissen selber, wie inferior, vulgo Scheiße, sie sind.





Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Was ist überhaupt Journalismus? (booooster)
Nörgler, vielen Dank für Deinen Beitrag. Saved my day. Mir stellt sich die Frage: Haben wir überhaupt noch so etwas: Journalismus?
Im Fernsehen: komplette Fehlanzeige. ARD ist bei der Vorlksmusik hängen geblieben und im ZDF können selbst die Nachrichtensprecher kein korrektes Deutsch sprechen.
Online: no comment - Nur Grassroot.
Print: von wenigen Ausnahmen abgesehen: Wüste. Egal ob Tagespresse, special interest. Ein, zwei Inselchen ragen heraus: Etwa die taz mit ihrem jüngsten. http://www.taz.de/pt/2006/01/31/a0162.nf/textdruck>sehr schön und treffend geschreibenen Artikel über Mehdorn

Aber sind wir doch mal ehrlich. Die ganzen regionalen Tageszeitungen sind so schlimm, dass sich schon der Begriff Journalismus verbietet. Da bereiten in 100 Jahre alten Zeitungshäusern Praktikanten die DPA-Meldungen auf. Und machen dabei noch Rechtschreibfehler.

Also: Was ist Journalismus? Wo gibt es ihn noch?
Re: (che2001)
Danke Nörgler, für diesen Beitrag, mit dem Du mir aus der Seele gersprochen hast!
@booster: Le Monde Diplomatique, Die Zeit, konkret und International Herald Tribune lese ich regelmäßig gerne.






Re: Re: (nickpol)
Versuchs mal im Freitag. Wirklich gute Wochenzeitung, da wird gegen den Strich gebürstet. Ansonsten ist dem Beitrag von Che nichts hinzu zu fügen.
Re: Journalismus: So verreckt er an sich selbst (hockeystick)
Das journalistische Selbstverständnis wurde nie ehrlicher dargestellt als in diesem Klassiker: http://www.netzeitung.de/medien/262007.html
Journalistenpack (FoolDC)
Den Nörgler habe ich schon irgendwie auch vermisst die vergangenen anderthalb Jahre.

Er hat ja recht. Doch ist das nicht immer die Schuld der willfährigen Servicenutten unter uns. Es gibt noch gute Journalisten, die ihren Job ernst nehmen und sich nicht als Häppchenkellner verstehen.

Es gibt aber auch zu viele "Was mit Medien"-Tussen (das ist bitte geschlechtsneutral zu lesen), die lieber bei der Red Bull Promigala am Buffet stehen als sich durch drei Meter staubige Akten zu wühlen, die ihnen ein anonymer Ministerialer vor die Tür gelegt hat. Wenn sie nicht gleich mit der Industrie ins Bett gehen, in jedem Sinne.

Abgesehen davon, dass die ernüchternd offenen Antworten auf die Umfrage auch Resignation ausdrücken: Ausgequetschte Redaktionen sind zu investigativen Höhenflügen einfach nicht mehr in der Lage. Die Presse kastriert sich selbst, und überlässt den Anzügen/Kostümen aus dem Marketing kampflos das Feld.
Aprpopos "journalist" (FoolDC)
Der Nörgler scheint den ja tatsächlich zu lesen. Mir bereitet das Blatt grundsätzlich Verdauungsprobleme, deshalb liegt es nicht neben der c't auf dem Klo. Man sollta ja meinen, das Vereinsblatt des Journalistenverbands sei Avantgarde. Leider, tja, kommt das nicht so ganz hin.
Re: Journalismus: So verreckt er an sich selbst (lanu)
"Der journalistische "Dienstleistungsgedanke" ist verfassungswidrig. "

ist das so? kann ich journalisten nicht leiden, weil ich sie für dienstleister halte?

und wenn sie sich und ihre informationsdinstleistung nur an ihren herausgeber oder chefredakteur verkaufen. sie tun es, sie müssen es tun.

geht es tatsächlich auch anders? dann besteht vielleicht sogar hoffnung.
Wer soll das bezahlen... (alfasud)
Hat sich schon mal jemand Gedanken über jenes Geschäftmodell gemacht, innerhalb dessen der Journalist seine Rolle zugewiesen bekommt?

Fakt ist doch, dass der Journalist nicht für seine Leistung als investigativer Informationsermittler und -Verteiler von dem bezahlt wird, der eben diese Leistung erwartet (dem Leser). Stattdessen bestreiten die Verlage und Medienunternehmen den großen Teil Ihrer Einnahme aus dem Werbegeschäft und wenden einen Teil davon für das mehr oder weniger qualifizierte schreibende Personal auf (Kostenfaktor...)

Und die Medienkonsumenten werden in dem Glauben gelassen, dass sie für ein paar Euro erstklassige, exklusive und unbeeinflusste Informationen erhalten ("Eure Zeitung ist super, aber bitte weniger Werbung").
Re: (HansMeise)
Oh ja, kommt mir sehr bekannt vor. Informationen sollen bitteschön
- hochwertig
- kostenlos und
- werbefrei

sein. Und, nicht zu vergessen, dem Leser in so kleinen, gut erfassbaren Häppchen vorgesetzt werden, dass sie unverdaut bei den Ohren rein- und am Arsch wieder rausfließen können....
P.S.: Willkommen *daheim*, Nörgler! (HansMeise)

Und telefonier mal wieder, ja? ;-)
jaaaaaa (lanu)
jensen muss mal wieder ran. ich hätte da mit dem http://31122.dynamicboard.de/t101f27-buchreport-zum-elbeteam-deal.html" >elbeteam in dresden einen guten kandidaten.


Mir nach!



Suche

Ältere Artikel
12. Januar
·Weltbild: Weg mit dem Schmuddelkram, nicht wirklich
14. Dezember
·Siemens vergeigt Krankenhaus-IT in Wien
01. Dezember
·"Lehrer offline": Schuhbeck gegen Schuhbeck
28. November
·Ströbele: Wie man einen lächerlichen Vorfall noch lächerlicher macht
23. November
·Braucht jemand Weltbild?
·First Mail: So schnell?
22. November
·First Mail: Final mit Ankündigung(?)
13. November
·caatoosee - Jetzt ist der Final final
22. Oktober
·Baron der Woche: Siegfried Kauder (CDU)
21. Oktober
·Alle Äpfel dieser Welt gehören mir

 
Sämtliche Logos und eingetragene Warenzeichen sind Eigentum der jeweiligen Besitzer.
Für den Inhalt der gemeldeten Nachrichten, der Kommentare und der gesetzten Links, ist der Initiator des betreffenden Beitrages verantwortlich.