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15:27 Dienstag, 14. September 2004
News Frankfurt ist schon so eine Nummer. Da ist erst mal der uns hier bestens bekannte Klaus Madzia von Net Business als Chef. Statt Leute anzustellen und beim Misserfolg die Gehälter zu kürzen, wird von Anfang an unter Tarif bezahlt. Dazu die Verlagsgruppe Holtzbrinck: Man arbeite mit neuen verlagswirtschaftlichen Modellen, die erst den nötigen Experimentierspielraum schaffen.
So richtig billig wird das Blatt aber erst auf Seite 13: Da schreiben nicht mehr Journalisten, da wird aus Blogs zitiert (hier in einer HTML-version). Verantwortlich dafür zeichnet das Startup 20six, in dem sich, oh Wunder, alte Bekannte wie Stefan Glänzer, Gründer von Ricardo wiederfinden.
Nun sind solche Zitate ja ein rechtliches Problem, wenn sie nicht als beleg dienen, sondern einfach so als Content genommen werden - genau das macht News. Was News nach Angaben der üblichen gut infprmierten Kreise aber nicht tut ist um Erlaubnis fragen, für die Inhalte bezahlen oder auch nur die Besitzer der Blogs und somit die Urheber zu benachrichtigen - und um Creative Commons schert man sich auch nicht So füllt man also in FFM die kleine Gazette für die IPOD-Generatin Quelle: insider
Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Re: News Frankfurt: Inhalte aus dem Netz saugen spart Journalisten (medvech)
Ich bin ja weiß Gott ein fauler, nachlässiger Blogger. Eine Schande für die Zunft. Dennoch erlaube ich mir zu bemerken: diese Trittbrettfahrer, Absahner, Verwerter gehören nicht nur an den Pranger. Mindestens 50 auf die nackten Fußsohlen. Jedesmal. Oder für jeden geklauten Blogbeitrag ein Fingerglied, bis es an das GLIED geht.
Eine bewusst nicht-kommerzielle Bewegung ohne Einverständnis kommerzialisieren zu wollen ist mehr als schäbig. Die Paria des Journalsimus' sind sie, diese Madzia-Typen.
Re: News Frankfurt: Inhalte aus dem Netz saugen spart Journalisten (ulixes)
Es können ja nicht alle arbeitslose Akademiker sein, und den ganzen Tag vor dem PC in irgendwelchen Blogs und Newslettern verstauben. Ist doch nicht so schlecht, das ein bisschen Info gefiltert und öffentlich gemacht wird. Jede Wette: 80 Prozent der Leute haben keine Ahnung von Blogs.
Re: News Frankfurt: Inhalte aus dem Netz saugen spart Journalisten (che2001)
Der größte Teil von uns sind sehr beschäftigte Businesspeople, die sich die Zeit zum Bloggen freizuschaufeln verstehen und dafür sogar etwas opfern. Und es geht hier nicht darum, dass die Sachen zu Papier gebracht werden, sondern dass aus der Leistung Anderer, die nicht gefragt werden, Geld gemacht wird, und das unter der Führung ein hinlänglich bekannter, nun, ich sage mal, grenzwertiger Gestalten der Medienszene.
Re: News Frankfurt: Inhalte aus dem Netz saugen spart Journalisten (noergler)
Soviel mal wieder zum Thema 'NE ist tot, darum auch DCT tot'.
Denn da es bei der NE-Löffelabgabe versäumt wurde, deren juvenilen Protagonisten den ihrigen gleich mitzuentziehen, steigen die nun glänzend wieder auf, wie die Kakerlake aus der Scheiße. DCT geht es damit weiterhin prächtig: Jetzt zerreißen wir die Zombies.
Re: News Frankfurt: Inhalte aus dem Netz saugen spart Journalisten (che2001)
Das sind schlicht und einfach nichts Anderes als gemeine Diebe und Hehler in einem (Hehler & Stehler Inc. wäre doch ein passenderer Firmenname). Eine prominente Koksnase an der Spitze eines Teams von Unterbezahlten (Warum nehmen die nicht gleich Praktikanten und für jeden Praktikanten einen Praktikanten des Praktikanten?) soll anderer Leute geistiges Eigentum illegaler Weise zu Geld machen. Also, eigentlich ist das ein Fall für die Staatsanwaltschaft.
Re: News Frankfurt: Inhalte aus dem Netz saugen spart Journalisten (hockeystick)
Allenfalls sehe ich hier privatrechtliche (nämlich urheberrechtliche) Komplikationen. Die Staatsanwaltschaft dürfte das eigentlich nicht interessieren.
Mir kam überdies zu Ohren, dass die Staatsanwaltschaft Frankfurt im Moment wahrlich nicht unterbeschäftigt ist. Und das mit dem geistigen Eigentum mag zwar formal stimmen; nobelpreisverdächtige Geistesblitze oder literarische Perlen habe ich unter den zitierten Kommentaren auf die Schnelle nicht finden können. Die Aufregung hier halte ich daher für ein wenig überzogen. Wenn ich mit weißer Farbe einen Satz auf eine Mauer male, und dieser wird am nächsten Tag in einer Zeitung zitiert, kann ich diese dann eigentlich wegen Urheberrechtsverletzung verklagen? Eine Mio sollte bei solch dreistem Frevel schon drin sein, oder?
Re: News Frankfurt: Inhalte aus dem Netz saugen spart Journalisten (medvech)
Bei den meisten Bloggern ist das wie mit der GPL: jeder darf das Geschriebene nutzen, zitieren, weitereichen, aber es nicht verkaufen. Für mich ist das ungerechtfertigte Bereicherung (für den Fall, dass eine Bereicherung stattfindet ;-))
Neulich vor dem Landgericht (noergler)
Der Musiktauschbörsler zum Richter:
"Ich, äh, Herr Vorsitzender, habe nur minderwertigen Kram downgeloadet, Rock, Blues, Pop, Schlager, Techno, Trance, House, Hiphop, so'n Zeugs eben. Ich habe mir nie kompositorische Qualitätsware wie Beethoven oder Arnold Schönberg runtergeholt." Richter (wütend) zum Staatsanwalt: "Da haben wir mal wieder schlampig ermittelt, was?! Wie?! Und mit sowas muß ich hier meine Zeit zubringen! Der Angeklagte wird freigesprochen!"
Re: Neulich vor dem Landgericht (hockeystick)
Der Vergleich hinkt. In der Rechtssprechung zum Uhrheberrecht ist von der sogenannten Schaffenshöhe die Rede, die darüber entscheidet, ob ein Werk (hier: ein literarisches) dem Urheberrecht überhaupt unterliegt. Bei den vorliegenden Meinungsäußerungen der Blogger würde ich in Zweifel ziehen, ob diese (zugegebenermaßen relativ niedrigen) Anforderungen tatsächlich erfüllt sind. Und selbst wenn dies formal so sein sollte, dann schwer vorstellbar, dass der Streitwert im Einzelfall die Eröffnung eines Verfahrens rechtfertigt.
Re: Neulich vor dem Landgericht (hockeystick)
Uhrheberrecht - da denke ich an die aus der Mode gekommenen Damenarmbanduhren im Mühlrad-Format.
Nachtrag (hockeystick)
Juristisch könnten sich die News-Leute übrigens auch noch mit guten Aussichten über die Entlehnungsfreiheit (Zitierfreiheit) herausreden. Die Zitate sind als solche gekennzeichnet, und es ist eine Quellenangabe angegeben.
Re: Nachtrag (noergler)
Tja, hs, leider schon wieder alles falsch, was Du da erzählst, wie man nun endgültig im Boo von heute ("Mazdia im Regen") und in dem von Don im Kommentar gelieferten Link (FR) sieht.
Jetzt endlich verstanden?
Re: Nachtrag (hockeystick)
Alles richtig, was ich schreibe. Ich argumentiere juristisch. Der Sprecher des Verlags auch: "Rechtlich habe man sich aber auch zuvor auf der sicheren Seite bewegt, so der Sprecher.".
Dass er Recht hat, steht für mich mittlerweile außer Zweifel. Die moralische Frage ist eine andere. Aber selbst da finde ich am Vorgehen der News nichts Verwerfliches.
Re: Nachtrag (noergler)
Deine treuherzige Versicherung "Ich argumentiere juristisch" verbleibt leider im Bereich des bloßen Beteuerns, da juristische Argumentationen Deinerseits fehlen, die die u.a. in der FR ausgeführten juristischen Begründungen wiederlegen würden; Ausführungen von Rechtsexperten, auf die Du Dich - wohlweislich - nicht mit einer Silbe beziehst.
Daß Dir nicht einmal das inzwischen erfolgte wilde Zurückrudern der von Dir so tapfer Verteidigten zu denken gibt, sollte selbst Dir zu denken geben.
Re: News Frankfurt: Inhalte aus dem Netz saugen spart Journalisten (ulixes)
Bin ja der grundsätzlichen Ansicht, das Blogger einen Hang zur Selbstdarstellung haben. Konsequenz: die Veröffentlichung gegenüber einer breiteren Masse in einer Zeitung ist gewünscht und willkommene Befriedigung der Eitelkeit.
Wenn das die Runde macht, überlegen sich manche bevor sie ihren Sermon in die Tastatur zu hacken. Wer weiß, es könnte ja gedruckt werden.
Re: News Frankfurt: Inhalte aus dem Netz saugen spart Journalisten (che2001)
Das mag stimmen, ist aber einfach nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass mit dem geistigen Eigentum anderer Leute Geld gemacht wird, nicht, dass es verbreitet wird. Dass ist etwa so, als ob jemand ein Open-Source-Programm zu den Lizenzgebühren von Photoshop oder gar Quark anbietet.
Madzia spricht (DonAlphonso)
http://www.blogbar.de/archiv/2004/09/14/blogs-die-billige-contentmaschine/#comment-1050"> Er hat sich zu Wort gemeldet [www.blogbar.de], nach so langer Zeit...
Re: News Frankfurt: Inhalte aus dem Netz saugen spart Journalisten (che2001)
Ich habe in der Vergangenheit nie so richtig begriffen, warum die Redakteure die Contensyndikatoren nicht mögen, und das für Standesdünkel gehalten. Vor diesem Hintergrund bekommt das natürlich ein völlig neues Gesicht!
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