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01:29 Dienstag, 31. August 2004
Seitdem wir hier einen privaten Sicherheitsdienst haben, ist es sicherer geworden. Dir Dealer und Junkies haben sich in Richtung Eisenbahngelände verzogen. Langsam wird dieses Stück Berlin als saubere Insel in einem Meer von Dreck etabliert. Hier gibt es eine gewisse Zukunft - Matthias Horx würde diesen sauberen Glanz lieben und einen Trend draus machen.
Dass die Probleme nur verlagert werden, sieht so ein vom Ex-tempo-Zeilensklaven zum Zukunftsinstitutsgründer gewandelter Berufsoptimist natürlich nicht. Er würde sich einladen lassen, ein paar allgemeingültige Phrasen über die schöne Zukunft verlieren, seine Bücher signieren, dazu würde jemand auf dem Piano klimpern, und danach gäbe es ein Buffet. Unter der Brücke rammt sich derweil eine 15-Jahrige die typische Abendprtion H in die Adern, während sich auf der anderen Seite, im Prenzelberg, ein Immobilienfond-Mitarbeiter überlegt, was er jetzt als Arbeitsloser tun soll, ohne jede Qualifikation. Horx würde das nicht stören, er würde über die positiven Aspekte, das gelungene Ambiente reden, und wenn hier alles 2 Monate später pleite gehen würde, wäre es ihm egal, denn er hatte seinen Auftritt und sein Honorar.
Berlin kann sich sowas nicht mehr leisten. München schon. In München hatte Horx vor kurzem so einen Auftritt, Eintritt schlappe 45 Euro. Und was er da den organisierenden und einladenden Frauen sagte, klang sicher klasse: "Warum Frauen in der kommenden Wissensökonomie jede Menge Chancen haben [...]Viele Weichen sind schon gestellt, andere Reformen stehen noch an – doch fest steht: Das 21. Jahrhundert wird das Jahrhundert der Frauen sein." Sprachs, signierte seine Trendbücher, und fuhr ab. Zurück blieben die Organisatoren der GSG-Dialog GmbH, und zu diesem Zeitpunkt herum muss sich auch die Erkenntnis durchgesetzt haben, dass das Jahrhundert der Frauen nur bedingt das Jahrhundert von GSG sein wird. Anders ist es nicht zu verstehen, dass sich GSG jetzt, 7 Wochen später, unter vorläufiger Insolvenzverwaltung befindet. Vielleicht ist es ja die Ehrlichkeit, die angeblich das Call Center von GSG auszeichnete, die zu diesem Schritt führte - oder doch nur die Pleitewelle bei derartigen Unternehmen? Das Dialogmarketing jedenfalls macht jetzt das Amtsgericht München. Und Horx schreibt sicher schon an seinem nächsten Buch, oder werkelt mit den leuten von Change X am nächsten tollen Vortrag in der einzigartigen Munich Area. Die müsste ich eigentlich mal insidern - angeblich ist Grosssponsor Infineon abgesprungen. Aber das ist eine andere, weitaus weniger schöne Geschichte aus der einzigartigen Munich Area. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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