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amazon Eine ganz billige Nummer von Amazon
BOO amazon von DonAlphonso

21:48 Freitag, 20. August 2004

In Deutschland gibt es die Buchpreisbindung. Und alle halten sich im Grossen und Ganzen daran. Nur Amazon, der Business-Rüpel aus Amerika und England, weniger jedoch aus München, hätte da gerne amerikanische Verhältnisse - und versucht jetzt, mit einem Auslandstrick die Buchpreisbindung mit einem Email-Sprint durch die Grauzone zu unterlaufen.
Denn: Wer bei Amazon bestellt und eine ausländische Lieferadresse angibt, bekommt auf jedes Buch 5% Rabatt. Das ist in Österreich durchaus erlaubt - eine Nachwirkung der verhängnisvollen Skandalzeit rund um Lion.cc. Was aber nicht erlaubt ist, ist für Rabatte Werbung zu machen - und genau das tut Amazon. Konkret: Mit einer Email-Kampagne werden Nutzer in Österreich und der Schweiz auf die Aktion hingewiesen.

Doppeldeutig heisst es da: Stellen Sie sicher, dass Sie eine Versandadresse gewählt haben, die außerhalb Deutschlands liegt. - ein Schelm, wer denkt, Amazon würde Deutsche dazu auffordern, die Lieferung ins Ausland schicken zu lassen. Rechtlich zulässig nennt Amazon diese Aktion. Und bis die schwerfälligen Institutionen des Buchhandels reagieren, ist alles längst wieder vorbei - und Amazon heckt den nächsten Streich aus.





Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Re: Eine ganz billige Nummer von Amazon (haenschen_klein)
Don, warum ist das ein Amazon-BOO? Weil die Schwyzer und Össis Dein Liquide dann 5% billiger erhalten?
Re: Eine ganz billige Nummer von Amazon (DonAlphonso)
Weil hier die miesen Tricks der Startups immer geboot werden. Amazon hält sich nicht an die Regeln und kriegt was aufs Dach.
Re: Eine ganz billige Nummer von Amazon (terra)
Hi,



Der Trick ist hier die Buchpreisbindung (der Old Economy). Das ist Gaengelung unter fadenscheidigungen Begruendungen.



Ich sehe das auch nicht als gerechtfertigten Boo an. Kriegst du weniger Anteil pro verkauften Buch, wenn Amazon es guenstiger verkauft ? :-)



Terra
Re: Eine ganz billige Nummer von Amazon (DonAlphonso)
Hi, wie wär´s mal mit einer Runde Makroökonomie? Glaubt hier irgendjemand wirklich, dass Euch diese 5% nachgeschmissen werden? Amazon versucht mit allen Mitteln, die 5% an die Verlage weiterzugeben, und für die sind das dann 10% verringerte Einnahmen. Um das auszugleichen, werden sie ihren Abgabepreis in der nächsten Runde erhöhen, die Preise steigen dann um 10%, und die sind dann voll beim Buchhandelspreis drauf.



Niemand schenkt Euch da draussen irgenswas.
Re: Eine ganz billige Nummer von Amazon (jaistschontoll)
Na und - das ist doch die ganz normale Marktwirtschaft. Diese ganze 'wasweißdennichallesBindung' ist doch typisch Besitzstandswahrung. Ähnlich wie bei den Schornsteinfegern.



Lasst uns doch diesen ganzen Müll über Bord werfen. Die freie Marktwirtschaft wird's schon alleine richten - siehe neuer Markt. Der hat sich doch auch ganz alleine 'gerichtet'!
Re: Eine ganz billige Nummer von Amazon (Tomahawk)
Wenn die freie Marktwirtschaft die Programme von Buchverlagen "richten" darf ... dann lies Dich schon mal warm bei den kommenden Literaturpreisträgern Bohlen, Feldbusch und Küblböck.
Amazon ist ein Kulturkiller (sechsmitkraut)
Wenn amazon die "old Economy"-Preisbindung abschafft, machen die Klein- und Regionalverlage Pleite, weil Amazon diese Verlage nicht ausliefert - Umsatz pro Titel zu gering. Amazon listet die Titel zusätzlich auch noch als "nicht lieferbar" - obwohl sie im VLB stehen und tatsächlich lieferbar sind. Nachdem nach Abschaffung der Preisbindung dann alle kleinen Buchhändler über den Jordan gehen - die als einzige noch Vertriebskanal für Kleinverlage sind - ist schlicht und ergreifend das Ende für etwa 9000 Verlage und deren Autoren gekommen. Klasse Aussichten...
Re: Eine ganz billige Nummer von Amazon (haenschen_klein)
"Niemand schenkt Euch da draußen irgendwas."



Na und? ist das für Amazon schlecht? War ein BOO nicht eine für ein Unternehmen schlechte Meldung?
Re: Eine ganz billige Nummer von Amazon (DonAlphonso)
Ein Boo ist es auch, wenn ein Unternehmen eine miese Nummer macht, zu unsauberen Methoden greift etc. Was in diesem Fall fraglos vorliegt. Lion.cc ist, btw, mit genau der gleichen Strategie auf die Fresse gefallen, und im Moment geht es noch bei Amazon auf die Margen .
Re: Eine ganz billige Nummer von Amazon (terra)
Hi,



wie waere es mit einer Runde Basisstudium Volkswirtschaft ? Wenn deine Theorie stimmen wuerde, duerfte es in Laendern ohne Buchpreisbindung ja keine Verlage mehr existieren. Und ueberhaupt ist Planwirtschaft ein Beweis fuer niedrige Kosten und hohe Effizienz.



Terra
Re: Eine ganz billige Nummer von Amazon (DonAlphonso)
Es gäbe in solchen Ländern eine komplett andere Verlagslandschaft. Gibt es tatsächlich - in Amerika würde ich nicht Autor sein wollen.
Des einen Eule ist des anderen Nachtigall (zorra)
Die Buchpreisbindung ist archaisch und verhindert Wettbewerb, von dem letzten Endes der Konsument profitiert. Soweil die VWL-Theorie.



Ich finde es daher völlig korrekt, dass Amazon Bewohner fortschrittlicherer Länder (ÖReich, CH) darüber informiert, dass sie Prozente bekommen.

Für Europäer, die das Pech haben, zwischen Rhein und Oder geboren worden zu sein, dürfen diese Prozente aber faktisch unerreichbar sein - wer würde sich denn extra eine Schweizer Adresse besorgen, um 5% auf den neuen Harry Potter zu bekommen???



Für Autoren (gell Don?) sieht das natürlich anders aus: Da ist alles ein Boo was in die Richtung Abschaffung oder Umgehung der Buchpreisbindung geht.

Die billige Nummer leistet sich IMHO diesmal ausnahmsweise nicht Amazon, sondern jemand anders ...
Re: Des einen Eule ist des anderen Nachtigall (Peter_H)
Was soll Wettbewerb bei Büchern?



Sind Bücher ein Problem in der Haushaltskasse? (von Lehrbüchern mal abgesehen). Muß der Potter wirklich billiger werden?



Bücher sind jetzt schon kein Geschäft, mit den Amazon-Methoden gibt es weniger Verlage und nur noch Bohlen, Küblböck, Feldbusch und Potter.



Dons Verdienst wird das nicht betreffen, aber wenn der nächste ein Buch schreiben wird, heißt es dann vielleicht "nee, laß man Junge, wir machen keine unbekannten Autoren mehr, die Margen sind für Experimente zu knapp geworden"
Re: Des einen Eule ist des anderen Nachtigall (Diamantspeerspitze)
Dons Verdienst wird das nicht betreffen, aber wenn der nächste ein Buch schreiben wird, heißt es dann vielleicht "nee, laß man Junge, wir machen keine unbekannten Autoren mehr, die Margen sind für Experimente zu knapp geworden"




Was man in einigen Medien-Branchen ja seit einer Weile sehr schön feststellen kann. Überall, wo ausschliesslich der Rotstift regiert, ist ein heftiger Verfall von Niveau und die Zunahme abgedroschener, uninspirierter Massenware bis zum einzig am Markt vorhandenen Produkt zu beobachten. Das Spiel von Angebot und Nachfrage mag ja vielfach richtig und passend sein, aber Kultur sollte man besser damit verschonen. Denn die zB. im Fernsehen ungefiltert präsentierte Banalität und Fadheit des Massengeschmackes verschreckt selbst mich, der ansonsten mit Hochliteratur und den Schönen Künsten ja nun goar nix anfangen kann.
Des einen Geier ist des anderen Wellensittich (DonAlphonso)
(Komisch, solche Debatten kommen immer unmittelbar bevor meine Bücher rauskommen) Vielleicht ein Wort in eigener Sache: Autoren bekommen einen bestimmten Anteil am Nettobuchhandelspreis laut Buchpreisbindung. Amazons 5% machen absolut keinen Unterschied,und würden das auch nicht in Ländern tun, in denen es keine Buchpreisbindung geht. Prozente sind da eine sache des Buchhandels, betreffen aber weder Autoren noch Verlage. Es ist eher mit dem Kleiderhandel vergleichbar - nur weil was verramscht wird, bekommt die Näherin nicht plötzlich den Lohn gestrichen.



Das andere, was vom aktuellen Boo aber unabhängig ist: Amazon will natürlich die Buchpreisbindung weg haben, um sein Geschäft auf wehige umsatzstarke Spitzentitel zu reduzieren. Lukrativ ist nur das, was monatelang unter den Top 1000 ist, der Rest der 100.000-x Neuerscheinungen ist vollkommen irrelevant. Ich glaube aber nicht, dass ich in so einer Welt publizieren möchte, denn was bei Amazon in den Top 1000 ist, ist - im kulturellen Durchschnitt - nicht wirklich berauschend. Und das ist nicht das Gejammer eines geflopten Autoren, sondern das Problem eines begeisterten Lesers, dessen eigenes Buch laut Amazon-Definition zu den diese Top 1000 gehört - sonst würden sie es nicht nach einem Jahr immer noch nachbestellen.




Re: Des einen Geier ist des anderen Wellensittich (haenschen_klein)
Wieso hindert die Buchpreisbindung Amazon daran, schon jetzt das Sortiment auf die TOP 1000 zu reduzieren?



Und mal polemisch gefragt: Ist es gerecht, daß Millionen BILD-Leser ihr jährliches Alibibuch teuer kaufen müssen, nur damit sich der elitäre Rest an den Ergüssen der Stuckrad-Barres erbauen kann?
Re: Des einen Geier ist des anderen Wellensittich (DonAlphonso)
Weil die Verlage darauf achten, dass Buchhändler nicht nur die paar Toptitel abnehmen, sondern einen gewissen Querschnitt durch das Programm. Auf der anderen Seite gibt es dafür dann bessere Rabatte. Ohne Buchpreisbindung gäbe es keine Subventionierung von Bühern unter, sagen wir mal 3000 Auflage nicht mehr, dann würde sich das geschäft wirklich auf die Top 1000 reduzieren.



Und BvSB, glaub mir, braucht keine Quersubventionierung, der ist für den Verlag bis auf das letzte Buch ein Bombengeschäft.
Re: Des einen Geier ist des anderen Wellensittich (zorra)
"zum golde drängt, am golde hängt doch alles - ach wir armen...."



doch manchmal ist der universelle geist des marktes gar nicht so benebelt wie manche glauben:



Liquide von Don Alphonso

Amazon.de-Verkaufsrang 33.340



Faust, Erster und Zweiter Teil von Goethe

Amazon.de-Verkaufsrang 175






Re: Des einen Geier ist des anderen Wellensittich (DonAlphonso)
Schaff es nur einen Tag unter die, sagen wir mal, Top 500, dann reden wir weiter. Aber vielleicht solltest Du vorher mal Textanalyse üben, in meinem Posting stand "Lukrativ ist nur das, was monatelang unter den Top 1000 ist", und das war bei Liquide von Juni bis September 03 der Fall, Spitzenranking Platz 69.
Re: Des einen Eule ist des anderen Nachtigall (medvech)
Für alle ordopolitischen Ausnahmetatbestände bei marktwirtschaftlichen Gepflogenheiten, seien es Subventionen, Steuerprivilegien, Zwangsgebühren oder Preisbindungen gibt es Gründe.



Wer auch immer betroffen ist, wird seine Privilegien mit Klauen und Zähnen verteidigen. Das ist der Alltag in der BRD und Ursache allen Übels. Mit dem Argument für "bessere Bücher" (man schaue sich mal die Bestenlisten an!) argumentieren die Einen, für bessere Medikamente die Anderen, die Dritten beschwören die Notwendigkeit der Energiereserven und Andere reden vom Kulturauftrag des Staatsfernsehens, der sich dann in der Nachahmung von Quotenhits der Privaten erschöpft.



Alle wollen geschützt sein, frei von dem bösen Wettbewerb im Erreichen ihres Profits. Und der Staat schützt sie alle, zumindest diejenigen, die ihre Stimme beim Kaminplausch erheben können.



Die anderen werden von den Hunden gefressen, nicht nur gebissen. Man sollte Arbeitslosen das Wahlrecht nehmen. Die bringen doch nur Unruhe in die große Koalition der ordopolitischen Kaviarrunde.




Re: Des einen Eule ist des anderen Nachtigall (GeorgDrahtlos)
Herrlich. Und so knackig.



Ich möchte nur anmerken, dass Privilegien nicht zwangsläufig verteidigungswürdig sind, auch nicht für den vordergründig „Gepuderten“. Eine Preisbindung verhindert schließlich auch eine Anpassung nach oben.




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