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01:10 Samstag, 07. August 2004
Sie nannten sich Transflow, machten in Informationslogistik und waren eine Glaubensgemeinschaft mit einer prima Unternehmensphilosophie. "Wer sind wir, was glauben wir, woher kommen wir, wohin soll das alles führen", und halt so Zeug. Es führte bereits dank Ches Aufmerksamkeit 2003 hierher und im Juni 2004 dann auf die Seite der Insolvenzbekanntmachungen und vors Kölner Amtsgericht, die dem Vorgang das Aktenzeichen 74 IN 220/04 verpasste.
Das sind nach den boo-Regeln die Fakten, die Pflicht. Und jetzt beginnt die Kür, und zwar mit Genuss. Denn was die die Transflow machte, außer dem üblichen Herumtönen, war gut gedacht, aber weniger gut gemacht:
Es gibt in Deutschland gut 6.000 mittelständische Spediteure, die zwar recht gerne und recht häufig in S-Klasse-Mercedessen hocken, aber allesamt auch auf einer IT, die getrost den Namen Inhouse-System verdient. Man kann damit Frachtraten berechnen, Verkehre disponieren, eine Rechnung schreiben. Was man aber nicht kann, ist der Austausch von Auftragsdaten, Statusmeldungen, Sendungsavisen, Borderos, Entladeberichten oder Schadenmeldungen mit anderen Spediteuren. Weil der andere Spediteur hat, richtig geraten, ebenfalls so ein tolles "Inhouse-System". Was die Logistikdienstleister also brauchen, wenn sie sich gegenseitig Waren zur Zustellung übergeben möchten, das sind Übersetzungsdienste für die sendungsbegleitenden Datenströme. Das wiederum macht man im so genannten EDI-Clearing, wobei der Spediteur nicht EDI-Clearing, sondern DFÜ (Datenfernübertragung!) dazu sagt. Wer EDI-Clearing (oder DFÜ) sinnvoll hinbekommt, kann in Germania eigentlich ganz gut davon leben. Wer aber seiner stockkonservativen Klientel auf der MyTransflow Academy Schnickschnack wie Business Process Management anbietet und auch sonst das Maul recht voll nimmt mit Buzzwords, den verstehen die Jungs vom Fahrenden Volk nicht. Und ebenso wie der Bauer nichts frisst, was er nicht kennt, kauft der Logistiker nichts von dem, den er nicht versteht. Ist letzterer Satz noch guten Deutsch? Egal. Jedenfalls hat Transflow keinen Flow mehr. Die Logistikbranche wird den Laden nicht vermissen. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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