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01:09 Samstag, 07. August 2004
Die Entscheidung fiel spät in der Nacht, die Hälfte des Kabinettes schlief oder war besoffen. Kurz darauf schiffte man die Armeen ans Schwarze Meer ein. Siechtum und Fieber fällten die stärkste Regimenter. Die logistischen Patzer sind legendär. Und dann missverstanden sich Raglan und Cardigan, und eine neue blutige Legende ward geboren. Und jetzt nochmal, mit mehr Gefühl.
Denn bei der Kabel Deutschland AG, dem Reigen der dicken Geldsäcke, die sich für Milliarden ein paar Kabelnetzte der Telekom zogen, bläst man zum Angriff, und die angestellten Consultants-to-Business-soon-to-the-Undertaker rücken ihre Krawatten von zweifelhaftem Geschmack gerade, schliessen die Reihen und warten auf das Signal zum Angriff, das im September fallen soll.
Mit so 20 Mio Werbeetat wird dann auf die Kunden einkartätscht, sie sollen digitales TV goutieren, wieder mit einer seperaten Decoderbox. Was sieht der Abonnent: Premiere. Aha. An sich kein USP. Aber siehe da ! Die sprachlichen Zusatzpakete, vulgo die Ghettoisierung des Fernsehens sollen es bringen. Kabel Digital türkisch, polnisch russisch, italienisch, portugiesisch. Ekel Alfreds' Bild des Gastarbeiters lebt im Businessplan der Kabel Deutschland weiter. Jeder bekommt was für ihn gut ist, wenn er nur brav zahlt. http://www.kabeldeutschland.de/kabeldigital/pakete/digital_int.php Eine spezielle Unit läuft derzeit herum und versucht jeden fremdspachigen Sender, den man mit einer 5-Meter Schüssel herüberholen kann, und der nicht bei drei auf den Bäumen ist, unter Vertrag zu nehmen und in eines der glorreichen Pakete zu packen. 400.000 digital-TV Abonnenten, so heisst es vertraulich intern, will man ganz bald schnell sofort haben. Der verschnarchte Kabelverbuddler soll ganz fix zügig zu Cash-Flow-Leben erweckt werden, bevor Apax und deren Spiessgesellen ihn filettieren und weiter verkaufen. Das mittlere Management besteht vielfach aus Boston Consultants. Die Vorbereitungen, ein regional begrenztes Pay-TV mit neuer, dafür aber auch inkompatibler Set-Top-Box zu lancieren laufen. Die Logistik brummt. Die alten Fehler werden neu gemacht. Die Werber wetzen Worthülsen, auf das sie wie das Schrapnel bei Balaclava wirken. Als der Angriff der Leichten Brigade die russischen Kanonen erreichte, waren fünf von sechs Sätteln leer. Quelle: insider
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