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14:27 Freitag, 30. Juli 2004
MAMMAAAAAA! plärrt das Balg auf seinem Tretrad in das Blau über Berlin Mitte hinein. MAMMAAAAAAAA!!! Mama ist gut 20 Meter weit die Strasse runter in einem Cafe. Sie trägt einen Batik-Rock und darf als Idealtypus der aus dem New-Economy-Erwerbsleben ausgeschiedenen Neumutter Modell Berlin Mitte gelten. Sie hat einen orangen Kinderwagen dabei. Dass ihr Balg mir die Trommelfelle durchdengelt, ist ihr egal. Sie starrt weiter in ihre Zitty, Monopol, Voss oder was auch immer.
Ich stehe also neben diesem Balg. Und zufällig auch vor diesem Bordell in der Nähe der Kastanienallee, dessen rotes Herz mit Lämpchen (Bild hier) auf mich bislang eher wenig einladend gewirkt hat. Schliesslich wohnt in der Nähe eine Frau, die beim Kochen an mir vorbei Paprikaschoten, Halloumischeiben und Pfifferling geklaut hat, mit einem Blick voller Durchtriebenheit und Gier, und wenn Frauen das machen, kann man an mit Sicherheit gernzender Wahrscheinlichkeit sagen: Absolut kein Grund dafür, Geld für etwas auszugeben, was man in bester Qualität nach dem Kochen in, sagen wie mal, Tauschhandel geboten gekommt. Nein, ich kaufe mir keine notleidenden, hungrigen Frauen am Rande des Existenzminimums. Ich koche für Luxusweibchen und bleibe für weiteres. Wenn sie das wollen. MAMMMMAAAAAAA!
Mama sieht auf, sagt "Na komm", schaut wieder ihr Magazin. Das Balg fängt an zu flennen, und ich bekomme schlagartig so ein komisches Gefühl, meiner inneren Genervtheit Ausdruck geben zu wollen. Irgendwas zu tun, um den Druck abzubauen. Sozial auffällig zu werden. Irgend so was. Vielleicht hoch erhobenen Hauptes in diesen Laden da reinzugehen. Ein Zeichen des Widerstandes gegen die Invasion der orangen Kinderwägen und der Mütter mit Batik-Rock zu setzen, die am Bett wahrscheinlich auch noch Räucherkerzen abbrennen und und mit ihrer Freundin über die mangelnde Dienstleistungsmentalität in den KiTas schimpfen, bevor sie denken, dass die Kinder doch irgendwie nerven beim Glamour lesen, und überhaupt ist jetzt eigentlich Zeit, wieder an die Karriere zu denken. KRÄÄÄÄÄHHHHHHHHH!!!! Ich hoffe, die Mädels da drinnen haben alles gut schallisoliert. Und einen Anwalt, der wegen Geschäftsschädigung klagen kann. Ich halte es nicht mehr aus, setze mich in den Wagen und fahre ins Büro, ins Internet. Dort, wo sauber getrennt ist zwischen Lust und Kind, wo die Schwangeren ihre Seiten haben, die Bälger virtuell jemanden abballern, und ich mir die Libertins raussuchen kann, mit denen ich zu tun haben möchte. Zumindest war es früher so. Aber wahrscheinlich hat die Transformation in eine Mütter-mit-krakelendem-Balg-Gesellschaft auch im Netz Auswirkungen. Vielleicht ist das ja der Grund, warum mich libertinäre Weblogs wie Doloresse indirekt zu Todesmeldungen weiterleiten - denn Tote tragen keine Karos, und Mütter besuchen keine Bondage-Seiten: Nach 7 Jahren Online wir Black-Roses-Project eingestellt. Dabei war die Idee erst mal narrensicher: Eine Gruppe von Knebel- und Fesselfetischisten deutscher Provinienz und Provinz schlingt Knoten, beklebt mit Gaffa-Tape und bindet an Stangen, hält mit der Filmkamera drauf und bietet das im Internet an - entweder als kostenpflichtigen Download oder als DVD-Bestellung. Aber da begannen auch schon die Probleme mit dem E-Commerce und Logistik, denn die Site verrät uns zum Versand: Uh. Leidige Frage. Das lief die letzten 2 Jahre nämlich nicht so klasse. Im Moment habe ich genug Mitarbeiter in meiner Firma, die die Auftragserledigung machen können, also hoffe ich auf das beste. Ich schätze mal, dass Ihr binnen maximal 1-2 Wochen Eure Filme haben solltet. Jetzt nicht mehr. Das verschicken von Filmen wie Zoe´s Confessions ist nicht mehr, die über 4000 Mitglieder müssen sich neue Lieferanten suchen - oder auf Selbstversorung umstellen (was ja nicht das dümmste ist, es muss auch nicht Bondage sein, Kochen und weiteres siehe oben). Black Roses, die als Liebhaberprojekt anfingen, zur schnurrenden äh geknebelt stammelnden Community wurden und nun als E-Commerce unprofitabel sind, geben auf: Da ich nicht mehr motiviert bin ein Projekt, dass nur 50% seiner Unkosten einspielt, mit 10-14 Stunden Arbeitszeit pro Tag zu subventionieren, könnt Ihr Euch vorstellen, dass ich eher nicht an einer Fortführung in der bisherigen Form interessiert bin. Früher, als die jetzigen Mütter noch 14 Stunden im Startup waren und Nachts einen Oversexed-Underfucked-Kick im Netz gesucht haben, und schnell mal für eine halbe Stunde Knebelphantasie 40 Euro ausgegeben haben, damals wär das nicht passiert. ******************************************** Kleiner Hinweis in eigener Sache: Prinzessinnen, Würgeengel und New Economy Ideale haben sich rar gemacht in den letzten Monaten. Das lag an anderen Arbeiten, die aber seit gestern abgeschlossen sind - es kommt da bald ein Buch über Weblogs, und DCT ist da auch mit ein paar Seiten drin, mit klingonenschwuchtel, noergler, Lu_B etc.... Aber keine Prinzessinnen. Die bleiben hier im Netz. Basta. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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