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22:07 Sonntag, 06. Juni 2004
Einen kurzen Moment dachte ich, vielleicht wird´s ja doch was. Ich sass im Eggers und Landwehr, hatte die Verärgerung über den viel zu billigen Tee und die Frau an der Kasse, die auf 50 Euro nicht rausgeben konnte, schon vergessen, als dann Ingo Niermann und Christian Kracht auf die Bühne gingen. Sie lasen ihren Text für die Erstausgabe von Monopol vor, Kracht den Text, Niermann die Fussnoten. Es war sehr angenehm.
Angenehmer jedenfalls als das Zeug aus der rechten Kloake Cicero. Unpolitisch, nicht ohne Ironie, gut beobachtet. Sehr lakonisch, das alles. Und in diesem Moment, zwischen einigen Jungunternehmern, die ich zwar bei Dotcomtod schon mehrfach geboot, mich aber dennoch sehr angenehm unterhalten hatte, dachte ich mir, vielleicht sollte ich doch mal reinschauen, in dieses neue Ding aus Berlin Mitte.
Letztlich habe ich es nicht gekauft, sondern geschenkt bekommen. Die Texte waren dumm, borniert, ahnungslos im besten Fall und erkennbar das traurige kretinöse Ergebnis des FAZ-Cliqueninzests. Ausser diesem einen Text, natürlich. Aber kaufen würde ich es nie. Nun bin ich eigentlich absolute Kernzielgruppe. Wenn ich nicht, wer dann? Diese Frage haben sich wohl auch viele andere gewstelt, und so ist Monopol in der Auflage zu einem katastrophalen Kioskhüter geworden. 50.000 wurden für den Verkauf gedruckt, jetzt gibt Illies den Verkauf von 25.000 bekannt. Das ist nur die Hälfte. Das sind nicht die Horden von Gutverdienenden, die der werbenden Industrie versprochen wurden. Das ist angesichts des Medienrummels und der Arsckkriecherei diverser Zeilenschinder, die wohl auch gerne dort arbeiten möchten, ober zumindest an die nächsten Goldenen Zeiten glauben, verdammt, extrem wenig. Das ist peinlich. Sowas nennt man: Katastrophale Zahlen. Ein Anruf bei den üblichen wohlunterrichteten Kreisen ergab ein paar weitere Details, die so nicht in den Medien zu finden sind, hier aber gerne bekannt gegeben werden: 40.000 Exemplare hätte man eigentlich gern verkauft, auch für den Nachdruck hatte man schon Pläne im Kopf, aber mit den 25.000 hat man schon zu Beginn ganz schön heftige, zusätzliche Anfangsverluste. Viel Luft nach unten ist demzufolge nicht mehr: Sollte die aktuelle Ausgabe 2 unter 20.000 bleiben, dann geht das so richtig ins Geld: Weitaus weniger Geld für Anzeigenseiten, weniger Verkaufserlöse. 20.000 würde demzufolge Monopol schnell existenziell bedrohen. Summa Summarum ein Armutszeugnis für die jungliberalen Kohlnachdenker. Jaha, Wirtschaft kann auch teuer werden, und im Zeitungsgeschgäft gibt es keinen Agenten, der erst mal eine Million rauspresst, auch wenn dann von Generation Golf 2 noch immer die Hälfte der Erstauflage im Lager schlummert. Mit den 25.000 Restexemplaren von Monopol Eins bekommt das Wort "Lagerhaltungskosten" plötzlich eine schlimme Bedeutung. 2 Stück produzieren und 1 verkaufen - sorry, Kapitalismus geht anders. Quelle: partieller insider
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