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11:20 Sonntag, 30. Mai 2004
30 Prozent müssen die Gehälter runter, sagte neulich Heinrich 'Räspääkt' von Pierer. Das ist nachvollziehbar, sind doch die immensen Kosten für Serien verlorener Arbeitsgerichtsprozesse und für nützliche Zuwendungen an Kunden an anderer Stelle wieder einzusparen.
Italien ist das Land, dessen Wirtschaftsleben in der EU das korrupteste ist (lt. Korruptionsindex von Transparency International). Es ist zugleich das Land, in dem Siemens wegen allzu korrupten Gebarens erst wieder 2006 sich um öffentliche Aufträge bewerben darf. Ursächlich für den Ausschluß ist jene Kreativ-Akquise, die jetzt zur Durchsuchung mehrerer Siemens-Büros und Privatwohnungen geführt hat.
Drei Manager des Bereichs "Power Generation" nahmen die Bezeichnung wörtlich und zahlten ein paar Mio an Geschäftsführer des halbstaatlichen italienischen Stromunternehmens Enel, um einen 336 Mio-Gasturbinendeal ins Laufen zu bringen. Die italienischen Partner sitzen inzwischen im Knast, wo ihre Wandlung zu aussagebereiten Pentiti die derzeitigen Ermittlungen der hessischen Staatsanwaltschaft auslöste. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Re: Siemens: Wir gehören zur famiglia (3DCG)
Tut v.Pierer eigentlich auch sein Gehalt um 30% reduzieren ?
Re: Siemens: Wir gehören zur famiglia (noergler)
Natürlich nicht.
Aber Psssst. Sonst geht gleich wieder die "Wir leben in einer Neid-Gesellschaft"-Krakeele los.
Re: Siemens: Wir gehören zur famiglia (che2001)
Tun wir ja auch. Die Spitzenmanager und Politiker neiden den Sozialhilfeempfängern und Arbeitslosen das stille Glück, morgens ausschlafen zu können und nicht von Termin zu Termin hetzen zu müssen und würden sie deshalb am liebsten physisch liquidieren.
Re: Siemens: Wir gehören zur famiglia (noergler)
In den USA ist "Neid von oben" bereits Thema soziologischer Untersuchungen. In den einschlägigen Foren in D kann man ebenfalls beobachten, wie die Haßtiraden gegen jegliche Stützeempfänger tatsächlich sich des klassischen Neid-Vokabulars bedienen.
Re: Siemens: Wir gehören zur famiglia (che2001)
Nach Adorno ist das eines der zentralen Elemente des Antisemitismus. Man bedenke: Der Jude ist immer austauschbar.
Re: Siemens: Wir gehören zur famiglia (BusinessHellsAngels)
ist dieser Neid wirklich *nur* beim Top-Management und in der Spitzen-Politik vorhanden?
Muss ich bezweifeln. Ich habe mich selbst schon häufiger dabei erwischt, daran zu zweifeln, ob sich das Ganze überhaupt noch lohnt. Für ein paar Kröten im Monat zehn bis zwölf Stunden täglich mit Leuten rumärgern, die man nicht leiden kann, teilweise am Wochenende, mit Methoden und Werkzeugen, die man nur verachten kann usw. Und mit dieser Einstellung bin ich nicht alleine. Ich kenne mehrere Leute, die einfach mal alles hinwerfen wollten und ne Zeit nix machen wollten. Wäre da nicht die Sache mit dem A-Amt... Aber wahrscheinlich ist das nur eine Illusion. Den meisten, die täglich auschlafen, geht es nicht wirklich so prickelnd gut. Der Stress mit dem A-/Sozialamt ist noch das geringste Übel. mfg BHA
Re: Siemens: Wir gehören zur famiglia (che2001)
@Stress mit dem Amt das geringste Übel.Sagen wir es so: Wenn man es in Kauf nimmt, sich von naseweisen Soziamtssachbearbeiterinnen beleidigen zu lassen, wenn man es abkann, die Kontoauszüge der letzten drei Monate gegenlsen zu lassen, seine Vermögenswerte verscherbelt hat und um Erlaubnis fragt, ob man in Uraub fahren darf, wer also so viel eigenen Stolz aufgegeben hat, um dies alles klaglos zu ertragen, für den ist der Ärger mit dem Amt ein geringes Übel.
Re: Siemens: Wir gehören zur famiglia (oas)
Geht man davon aus, dass Sprachgewalt auch nur Gewalt ist, kann man über die allermeisten Ämter nur lächeln. Selbst beim Zoll zucken gestandene Goldfasane bei einem herausgezischelten "Wie sind Sie denn adjustiert!" zusammen. Ein Text gar, in klar verständlichem Deutsch gehalten, wird als besondere Gemeinheit betrachtet, nebstbei hält den dann die arme Sau an der Front für Amtsdeutsch und es muss bis in die obersten Etagen nach dem Sinn des Textes nachgefragt werden.
Ich habe mich schon zu Zeiten der sähligen DäDäRäh kaputtgelacht, wenn die mal wieder von mir genaueres wissen wollten, schon damals war PISA, in meinem VW-Bus mit Standheizung und Espressomaschine (alleine schon der Kaffee-Duft war eine Provokation) konnte ich bis zur Enscheidung oberer Instanzen - womöglich fiel die im Ministerium, ich glaube, dort kannten die mich schon - gemütlich des Bücherlesens hingeben. Stress? Den muss mir erst einer mal machen, zahlt niemand! Bei Einsicht, dass nix zu holen sei ausser viel Arbeit, gibt der härteste Beamte nach, nur - zur Einsicht bedarf es eines gewissen Umfanges an Kenntnis, die vermittelt dann sie obere Instanz. Das steilste in dieser Karriere der Ämter- und Behördenausforschung passierte mir auf einer Transitreise von West-Berlin nach Wien: Der erste Beamte, der unbedingt meinen Reisepass sehen wollte und sich durch keinerlei Manöver davon abbringen liess war der österreichische, an der tschechisch-österreichischen Grenze; meine Sammlung diverser Transitscheine u. dgl., die eigentlich alle bei den jeweiligen Zoll- und Grenzbehörden sein sollten, ist beträchtlich. Naja, soweitsoungut, ich musste sogar einen Anwalt in einer Gerichtsverhandlung, der - es ging um eine Gewährleistungssache - nach seinem Einwurf, wir seien hier nicht in einem Basar, man könne doch hier nicht feilschen (mit Schielen auf den Richter) vor den Gerichtssaal bitten, um klarzumachen, dass da "Verhandlungssaal" steht, und wo sonst denn hier könne und solle man verhandeln - das Schielen auf den Richter hat nichts genützt, der hat vielleicht gelacht! mfg oas
Re: Siemens: Wir gehören zur famiglia (che2001)
Ja, schade, dass es die Zollkontrollen in Europa nicht mehr gibt. Ich erinnere mich noch an einen kleuinen, gerne von Schmugglern benutzten Grenzübergang von Italien nach Österreich, wo ich gefragt wurde: Haben Sie Haschisch zu verzollen?
Re: Siemens: Wir gehören zur famiglia (oas)
Ich glaube da an ein Missverständnis: Der hat sicher gefragt: "Haben Sie Haschisch zu deklarieren?"
mphm oas
Re: Siemens: Wir gehören zur famiglia (che2001)
Ja, während der Schweizer Zöllner anders cool war: Ich hatte mal eine Wumme im Handschuhfach, als ich über die Schweizer GRenze reiste. Nur eine Gaspistole, aber eine vom Original nicht unterscheidbare Colt 45 Replika. Ich hielt innerlich die Luft an, als die Zöllner die fanden, die prüften aber nicht mal, ob scharf oder nicht, frugen auch nicht nach WAffenschein, sondern wiesen mich nur darauf hin, dass ich dieses Waffe ohne Gewerbeschein in der Schweiz nicht verkaufen dürfe. Halt ein Volk in Waffen - wo aber kaum etwas Arges passiert.
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