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03:37 Donnerstag, 06. Mai 2004
Der kleine Koreaner bekam seine Arme so eben auf den mit gelber Plastik-Decke auf schön getrimmten Gartenstehtisch. "Ich war dabei letzte Jahr und nix gewonnen - warum?" Auf meine Frage, mit was er sich denn dieses Jahr bei start2grow im IT-Bereich bewerbe, rasselte erstmal eine Art Stimmrecorder: "Ich war doch dabei, nix gewonnen".
Der Recorder legte ein anderes Band auf, da er nach 17maligem Wiederholen an den sog. Mentoren-Tischen, an denen am Wettbewerb neu teilnehmende, sog. "Gründer" ihre Hirngrütze in guter Hoffnung auf Berater-Getätschel verspucken konnten, keinen Bock mehr hatte.
"Meine Freunde aus Hagen, die haben alle Business und Firma und gehen gut - die kriegen nix Beratung unter 2000 Euro in Hagen. Und hier ich komme her und kriege für lau, aber gewinnen nix. Dortmund geht pleite." Sein glockenhelles Lachen übertönte die Schmalzjazz-Kapelle von nebenan und die nette Blonde, die, geistig auf Jungmädelschar-Führerin getrimmt, jeden Gesprächsversuch von vornherein durch 800 Watt starke, im 80qm-Raum nie verhallende Ansagen ala "Gezzz nurr noch 2 Minutän vorm nächstän Tausch, meine Herren. Und Sie dahinten - bittä umdrähän, hier sind Tischkraise, da sollen die Gründer zügig alle 4 Minutän vorrbeigähän!!" Er hatte nichts verstanden, aber die Hände voll mit bunten Visitenblattern ("blattern" - einige kennen es vielleicht noch als schwarze Pest) von Coaches und Mentoren, an deren Tischen er vorher seine Ellenbogen auf Deutschmass testen durfte. Ihm hatte trotz ortsfeindlichem Rot- und Weissweins niemand erklären können, dass die Ansage des Projekt-Chiefs des dortmund-projects (ja, die Domain dortmund-projekt.de haben sie immer noch nicht bekommen), es wäre nun im Wettbewerb eine WinWin-Situation eingetreten, nicht *seine* WinWin-Situation beschrieb, sondern nur die des Bastards der Dortmunder Wirtschaftsförderung. Andere "Gründer" waren schlauer. Sie rotierten sich an den Stehtischen vorbei und nahmen profihaft jede Gelegenheit wahr, sich mit den langweiligsten, unsinnigsten und dümmsten Ideen seit der Erfindung des Blumenverleih-Portals bei den "Beratern" in Position zu bringen. Ich mag sie hier nicht aufzählen, denn ich habe jetzt Kopp-Pine vom Feinsten. Vielleicht war es eine gewisse Mutterrollen-Affinität, die mich dazu trieb, wirkliche Fragen nach der Sinnhaftigkeit ihres Tuns zu stellen, die sie wiederum dazu trieben, zum ersten Mal nach 17 anderen "Beratern" ins Schwitzen zu geraten. Es ist aber auch zu verlockend: Man kann als Gründer 3000 Euro von der Dortmunder Wirtschaftsförderung für Beratungsleistungen selbst einsacken. Man kann sich aber aufgrund der persönlichen Merkbefreiung von allem unternehmerischen Tun und Lassen von den mittlerweile mehr als 630 Coaches und Mentoren im Dortmunder Wettbewerb aufschwatzen lassen, dass die das leidige Thema "Geld einsacken" für einen übernehmen und unter dem Hinweis, dass ihre Idee völlige Grütze sei (Berater sind nicht per se Lügner), sich einen schönen Teiler mit ihnen machen und die Pseudo-Gründer mit 1000 Euro plus einem halbleckerem Büffeterlebnis wieder abstiefeln lassen. Lohnt sich - nur nicht für den koreanischen Im-Export-"Giganten", der trotzdem freundlich lächelt und versucht, seinen Ellbogen nach oben zu biegen. WinWin ist auf dortmunderisch: "Kuck ma', watt wia für geile Beratungs-Quoten inne Wirtschaftsförder-Sohle ham und kuck ma', wie datt dann doppelt füar dat doatmund-projekt auffen Arbeitszettel auftauchen tut." Ich selbst habe mich direkt nach diesem Erlebnis gefragt, ob jetzt eine Darm- oder mehr eine Magenspülung der Bringer wäre. Bin dann doch bei der üblichen Bierspülung geblieben, was mich wahrscheinlich vor einem Gesundheitsberater für umherirrende Menschen gerettet hat. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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