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15:04 Montag, 26. April 2004
Vorbörsliche Emission! B2B-Auktionen! Mordlüsterne Aktionäre! New Ihhhh-Conomy! Scheinheilige Vorstände! Dienstwagen! Siechtum und Tod! Was klingt wie die Moritat eines neuzeitlichen Bänkelsängers, ist bei der Warenstrom AG zur Wahrheit geronnen.
Und jetzt knabbern die Ghoule an den verwesenden Resten.
1999, damals als das VC noch üppig bie blühenden Landschaften der Startups düngte, als Gründung gleichbedeutend war mit Haffaeskem Turboreichtum, als kulturgeschichte studierende Praktikantinnen erkannten, das es besser sei, für greifbaren Materialismus zu grätschen als im Institut zu versauern, kam die Warenstrom AG mit großem Knall auf die Bühne des Weltgeschehens. Originalzitat: "Die Warenstrom AG ist ein junges E-Commerce Unternehmen aus Deggendorf, das sich auf den Markt für B2B (business to business) Online-Auktionen spezialisiert hat. Im Vergleich zum Markt mit Endkunden zeichnet sich der B2B Markt durch ein sehr viel größeres Volumen aus." Verblendet vom Irrglauben der Götzendiener des Raubtierkapitalismus, den Research-Intituten, stieg man wie ein Gegner des jungen Mike Tyson in den Ring der NE, lachte, tänzelte und warf mit geld in die rasende Menge, die sich vor Eile die vorbörslichen Aktien zu zeichnen, förmlich ineinander verbiss. Und achtete den Gegner nicht, der einem rasenden Dämon gleich in seiner Ecke geiferte und spie. Originalzitat: "Unter der gleichnamigen Website www.warenstrom.de stellt die Gesellschaft eine vollelektronische Handelsplattform zur Verfügung, auf der ein Austausch von Gütern und Dienstleistungen erfolgt. Zu diesem Zweck wurden Hochleistungsserver von Fujitsu-Siemens mit spezialisierter Software von Living Systems ausgerüstet." Nur vom Feinsten war die Losung der Stunde. Für die unaufhaltsam hereinschwappenden Ströme von Handelswaren, die einen breiten Fluß von Gold in die Kassen der Warenstrom AG lenken sollten, wurde mit neuzeitlichen Flußbegradigungen vorgesorgt. Heute findet sich unter www.warenstrom.de ein Board für die düster brütenden Aktionäre der Warenstrom AG, die dort einander ihr Leid klagen. Originalzitat: "Die Warenstrom AG verfolgt mit ihrer Strategie einen vertikalen Ansatz, also die Bedienung eines gesamten Industriezweiges von Rohstoffproduktion und -handel bis zum Verkauf fertiger Produkte im Großhandel. Auf eine zu starke Spezialisierung wird das Unternehmen verzichten, um nicht als Nischenanbieter in stagnierende Märkte zu geraten. " Auf Deutsch: wir machen alles für jeden, denn wir wissen nicht was wir tun. Oder so. Aber vertikal ist besser als horizontal, die Lage in der sich die sterblichen Überreste der Warenstrom AG heute befinden, jedenfalls die, die den Weg in die hochelastischen Mägen der Ghoule noch nihct gefunden haben. Originalzitat aus einer Analyse der Wallstreet-Online Redaktion, von den Hohepriestern des Hypes, den Verblendern der Kleinaktionäre, dem Refugium der Spinner: "Derzeit werden 50.000 auf den Inhaber lautende Stückaktien der Warenstrom AG zu 44,00 Euro über die Handels- und Emissionsplattform WebStock (www.webstock.de) zur Zeichnung angeboten. Die angebotenen Aktien verbriefen einen rechnerischen Anteil am Grundkapital von jeweils 1 Euro und stammen vollständig aus einer Kapitalerhöhung. Nach der Platzierung wird die Warenstrom AG ein Grundkapital von 200.000 auf den Inhaber lautenden Stückaktien aufweisen. Darüber hinaus bestehen noch Optionsscheine, die die Inhaber insgesamt zum Bezug von 50.000 Aktien berechtigen. " 50.000 Melkvorgänge, wie in einer dänischen Hochleistungs-Milchfarm wurden ins Auge gefasst, um die eigenen blühenden Landschaften reichlich zu düngen und die Welt in ihren Grundfesten zu erschütter. Aber es kam ein wenig anders:Das Geld wurde wie immer verbrannt, verinvestiert, verblödelt, es wurden Gesellschaften wie die WSE GmbH von Organen der gesellschaft teuer abgekauft, um dann gleich als Tradition.de ausgegliedert zu werden. Auch gehörte (gehört ?) eine so schöne Sache wie www.boystoys.de laut Emissionsprospekt zur Warenstrom AG. Sex sells, wenn nichts anderes mehr hilft. Auch die Domainnamen, da war man großzügig. Schon bald (2001) waren sie im Umfeld der organe angesiedelt. Dann übernahm man noch, so las letzte Zuckung die SES GmbH und wollte mal wieder die Branche wechseln. Da man nur Müll machte, stieg man in den Entsorgungsbranche ein. Da hatte man ja reichlich Erfahrung gesammelt, dachte man wohl. Und heute entsorgen die Ghule fleißig knuspernd die Gebeine der Warenstrom AG. Eine Wahre Geschichte aus den finsteren Untiefen der NE. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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