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08:24 Dienstag, 23. März 2004
FTD vom 23.4.2004: Deutsche IT-Branche verliert jeden Monat Tausende Stellen
Spiegel vom 23.4.2004: Siemens plant offenbar Verlagerung von 10.000 Jobs Prof. Gregory Mankiw: Es ist "ökonomisch vernünftig", wenn Arbeitsplätze in Billiglohnländer ausgelagert werden ".. und was hat DAS mit der New Economy zu tun?" höre ich die Leser fragen. Leider mehr als uns lieb sein kann .... aber der Reihe nach .... Bei der Wahl der Produktionsform unterscheidet der VWLer normalerweise zwischen der manuellen Produktion und der maschinellen Produktion. Je teurer die manuelle Produktion ist, desto eher lohnt sich der Kauf/Betrieb von Maschinen. Wenn die Lohnkosten schneller als die reale Produktivität steigt, dann sinkt die gesamte Lohnsumme, d.h. es werden soviele Arbeitnehmer "abgebaut", daß die Lohnsumme der Verbliebenen trotz Lohnerhöhung in Summe sinkt (womit dann auch die Inlandsnachfrage ins Rutschen gerät ....). Die reale Produktivität (durch technischen Fortschritt) steigt im Jahr übrigens um 1-2%.
Was immer halbwegs sinnvoll durch Maschinen zu erledigen ist wurde in den letzten Jahren bereits rationalisiert; wie jetzt weiter das Preis/Leistungsverhältnis verbessern (und damit konkurrenzfähig bleiben) ? Nun es ist nicht schwer zu erraten: Mit Verlagerung ins Ausland lassen sich Kosten einsparen und damit entweder preiswerter Güter herstellen oder zum gleichen Preise die Güter verbessern. Hier gelten wieder die gleichen ökonomischen Gesetze wie bei der Substution der Arbeitskraft durch Maschinen. Nun, das Ganze ist weder neu, noch ist es auf den IT-Bereich beschränkt. Wer es nicht glaubt, soll sich mal bei Woolworth / Mediamarkt auf die Suche nach einem in Deutschland hergestellten Kleidungsstück bzw. CD-Player machen. Diese Umbrüche in der Industrie haben sicher Einzelnen die Lebensplanung gründlich verhagelt, der Gesamtwirtschaft hat dieser Prozess bisher nicht geschadet. Warum? Und wie kann der Halbgott der VWL behaupten, sowas wäre sogar venünftig? Ricardo (nein der hat nichts mit dem Wanna-be-Ebay zu tun) bemerkte schon vor 200 Jahren, dass der Einkauf günstig im Ausland produzierter Güter / Vorprodukte den Wohnstand im eigenen Land mehrt, da die eigene Bevölkerung billiger versorgt wird und die heimische Wirtschaft aufgrund der günstigen Vorprodukte einen höheren Gewinn realisieren konnte (oder im schlechtesten Fall wenigsten konkurrenzfähig bleibt). Allerdings nutzt das nur denjenigen, die durch die Verlagerung nicht ihre Einkommen verlieren. Dennoch waren die Probleme - zumindestens in der sozialen Marktwirtschaft - verhältnismäßig gering, da das steigende Volkseinkommen eine bessere Bildung und eine soziale Abfederung ermöglichte. Der Bergmann ging in Frührente und sein Sohn studierte Elektrotechnik anstelle von Bergbau. Die nächste Generation erwirtschaftete dann höherwertige Wirtschaftsgüter, zumindestens solange bis die das Schicksal der Braunkohle ereilte, dann wiederholte das Szenario. Alternative Lösungen, wie das Am-Leben-Halten unwirtschaftlicher Industrien durch Subventionen oder Handelsbeschränkungen ruinieren den Staatshaushalt oder die eigene Wirtschaft - meinstens beides. Wie an den Nachrichten der letzten Monate unschwer zu erkennen sind jetzt wohl weite Teile der Entwicklung von Software und spezialisierter Hardware "an der Reihe" das Land zu verlassen; Standard-Hard- und Software werden schon lange in China und Indien gefertigt. Nur wo ist diesmal der Ersatz für die Arbeitsplätze, die gen Osten wandern? Welche "höherwertigen" Produkte/Dienstleistungen werden die vielen entlassenen Ingenieure und Informatiker die Zukunft sein? Typischerweise sind das Produkte/Dienstleistungen, die entweder auf Basis der ausgelagerten Produkte einen Zusatznutzen realisieren (Internettechnologie?) oder auf neuesten Forschungsergebnissen basieren (Biotechnologien?) .... zusammengefaßt die "New Economy". Ich gebe zu: Der Gedanke macht mir Angst. ----------------------------------------------------------------------------------------------- Bitte nicht schlagen: Die Darstellung ist an einigen Stellen verkürzt. Wer es genauer wissen will: ISBN 3486255436 und 3791020269 - aber bitte über einen Online-Buchladen bestellen ;-) Quelle: http://www.amazon.de
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