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19:59 Sonntag, 21. März 2004
Der Bauer steht am Rande seiner Weide, pinkelt gegen den elektrisch geladenen Zaundraht und vibriert bei jedem Stromschlag. Kommt der Nachbar vorbei und fragt ihn: "Nanu, was tust Du denn da?"
Und der Bauer antwortet: "Mensch Hein, noch nie was von Cybersex gehört?“ So sieht die Welt der bedauernswerten Kommunikationskrüppel auf dem Lande aus. Kein Wunder das mein-hof.de abgebrannt ist.
Wie sollte diese Zangengeburt namens „mein-hof.de“ überhaupt funktionieren ? Reisen wir auf den Schwingen des Schoggoten zurück in die Zeit, als alles noch schön und die Zunkunft noch rosig war : Ein wenig verspätet für einen waschechten NE-Marktplatz, aber auf dem Land passiert alles mit ein wenig Zeitverzögerung, startet im Januar 2002 die mein-hof.de AG mit der Mission die von findigen Strategen der ländlichen Gefilde ausgemachte Einkaufskraft von 100.000 Landwirten zu bündeln. Das es schwierig ist den gemeinen süddeutschen Landwirt zu anderem zu bewegen als Zuschüsse abzugreifen, die CSU zu wählen und große Mengen Gersensaft in sich hinein zu schütten, hätte von vorn herein klar sein müssen. Aber nein. Der Bizznezz-Plan wollte es dass man Kostenvorteile für den einzelnen Landwirt generieren würde, weil ja alle gemeinsam Gummistiefel, geeisten Rindersamen und Ferkelklötenabknipser einkaufen würden, den Dung noch an der Schuhsohle, den schwieligen Finger auf der Tastatur des Laptops. Bei mein-hof.de sollten Landwirte in Sonderaktionen saisonaktuelle Produkte zuverlässiger Hersteller zu grotesk günstigen, markttransparenten Preis erwerben können. Hier lag wohl auch der Markt für Toughbooks. Natürlich, wie immer : Finanzieren sollten mein-hof.de die Bauern selbst, durch den Kauf von Aktien. Nach drei Jahren werde der Umsatz bei 45 Millionen Euro liegen, versprach man ihnen schalmeienhaft. Aber welch böses Wunder : das Geschäft wollte nicht laufen. Die Bauern waren sprichwörtlich Bauernschlau, sie kauften keine Aktien, sondern lieber noch a Moaß. Also musste eine Tochter des Maschinenringes einspringen. Schön blöd. Aber dafür lief es echt NE-mässig : schicke Büros, eine sechsköpfige Führungstruppe samt Dienstwägen und sündhaft teuere Software. Und selbst als Millionenverluste eingefahren wurden, soll der damalige mein-hof.de-Vorstand noch von einem "einzigartigen Firmenkonzept" gesprochen haben. Da hat er wohl recht behalten. Einzigartig blöde halt. Und nun muss sich der Landwirt im bayrischen wieder mit den ganz normalen Problemen des Alltags plagen : "Papa, ich hob mi verliebt!" - "Jo, mei Sohn, in wen denn?" - "Ich mogs nit soge." - "Jo sog schon! In die Maria?" - "Neee." - "Ja mei! In die Eva vielleicht?" - "Ne, Papa." - "Etwa in die Zenzi, die olle Hur?" - "Ne, Papa. In den Sepp!" - "In den Sepp? Aber. Der is doch evangelisch!" Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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