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FAZ Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus
INSIDER FAZ von noergler

16:06 Dienstag, 09. März 2004

Freilich bedeutet Ihre Zustimmung zu dieser Regelung nicht, daß Sie sich umfassend Ihrer Rechte entledigen würden. Formulierungen dieser Art haben in Vertragstexten nichts zu suchen. Wer sie dennoch hineinschreibt, hat dafür seine Gründe.
Die sind:

Der Vertrag, den die FAZ den sog. Freien jetzt vorlegte, beinhaltet die Totalentrechtung des freien Mitarbeiters, was lediglich moralisch mies ist, und darum keinen Dr. Soehring tangierte. Was ihn im Interview mit Jensen leicht wuschig machte, war aber das seit dem 1. Juli 2002 geltende Urhebervertragsrecht, das einen gesetzlichen Anspruch der Urheber auf eine angemessene Vergütung vorsieht. Als Jurist weiß S. sehr genau, daß die FAZ den gesetzeswidrigen Vertrag ihren Freien eben darum vorlegt, weil es dieses Gesetz gibt.

Der den Freien aufgenötigte Vertrag verstößt darum gegen geltendes Recht, da mit dem Zeilenhonorar für die Printausgabe alle und jegliche Weiternutzung abgegolten sein soll. Im einzelnen sind dies:

Sie räumen uns an jedem Ihrer bereits veröffentlichten oder zukünftig zu veröffentlichenden Beiträge neben dem Recht auf Erstveröffentlichung das auschließlich zeitlich, räumlich und inhaltlich unbeschränkte Recht ein, den jeweiligen Beitrag auch in sonstigen Publiktionen des Verlags zu veröffentlichen, ihn in jeder Form wiederzugeben und zu verbreiten sowie Dritten entgeltlich oder unentgeltlich einfache Nutzungsrechte daran einzuräumen und/oder die eingeräumten Rechte entgeltlich oder undentgeltlich auf Dritte zu übertragen,

womit die Versklavung bereits festgeschrieben wäre. Weil wir jedoch gegen geltendes Recht ankämpfen müssen, sind nunmehr noch Details festzuzurren.

Und also sprach Soehring:

das Printrecht, das heißt das Recht zur Nutzung, Verbreitung und Verwertung Ihrer Texte oder einzelner Teile davon in Zeitungen, Zeitschriften, Büchern und sonstigen Druckwerken aller Art;
das Datenbank- und Archivierungsrecht, das heißt, das Recht, Ihre Texte oder einzelne Teile davon auch digitalisiert auf allen bekannten Speichermedien in eigenen und fremdem Datenbänken zu erfassen, auch mit Hilfe von Software darin zu recherchieren und als Suchergebnis ganz oder teilweise Dritten entgeltlich oder unentgeltlich in jeder Form, insbesondere in den nachfolgend genannten Nutzungsarten zur Verfügung zu stellen;
das Multimediarecht, das heißt, das Recht, Ihre Texte oder einzelne Teile, davon Dritten im Hörfunk, im Fernsehen, PC, PDA (zum Beispiel Palm) oder sonstigen Geräten zur Verfügung zu stellen oder bzw. zu empfangen oder wiederzugeben, unabhängig von der Übertragungstechnik, das heißt insbesondere analoge, digitale oder anderweitige Datenübertragung mit oder ohne Zwischenspeicher, drahtlos (z.B. per Funk oder Satellit) oder mittels Kabel oder sonstigen Datenträgern durch individuellen und/oder gesammelten Abruf (insbesondere Videotext, BTX, Online-Dienste, Internet, Intranet, Extra-Net, Abo-Dienste, e-paper, Push-Dienste, Pull-Dienste, WAP-Handy, UMTS, SMS etc.) einschließlich des Rechts zur auch audiovisuellen Speicherung, Herstellung und Nutzung, Verbreitung und/oder Wiedergabe Ihrer Texte oder einzelnen Texte davon auf Datenträgern wie CD-ROM, CD-I, Minidisk und anderen CD-Versionen, Kassetten, DAT, Disketten, Festplatten uns Arbeitsspeichern


Wie die vorstehende Textierung verdeutlicht, ist die bedauernswerte Kreatur "Dr. Soehring" völlig durchgeknallt.
Gleichwohl war mein Praktikant Jens C. Jensen von seinem Interviewwunsch nicht abzubringen.

Auszug aus dem Interview:

J: Verträge sind üblicherweise zum beiderseitigen Vorteil. Welchen Vorteil hat der freie Mitarbeiter der FAZ von diesem Vertrag?
S: Der Vorteil ist, dass man FAZ-Mitarbeiter ist. [...] Was wollen Sie überhaupt? Ist das hier ein Interview?
J: Das hatte ich eingangs doch gesagt.
S: Interview? Wenden Sie sich an den Pressesprecher!
J: Verbinden Sie mich weiter. Ich spreche mit jedem gern.
S: Der würde Sie an mich weiterverbinden.
J: Wie gut, daß ich Sie direkt angerufen habe.
S: Ich bestehe auf der Autorisierung des Interviews! Ich verbiete Ihnen, mich zu zitieren! Das läuft hier alles über den Pressesprecher. Sie senden mit Ihre Fragen per Email, und der Pressesprecher wird die Fragen beantworten. Wenn Sie das nicht tun, werden wir Sie verklagen!
J: Ich bedauere das, Herr Dr. Soering, aber das entspricht weder der Rechtslage noch unserer Auffassung von Journalismus. Ich habe handschriftlich mitgeschrieben und ich zitiere Sie daher entsprechend.

Nörgler-Kommentar:
Herr Dr. Söhring ist offenbar nicht in der Lage, die Interessen der FAZ öffentlich zu vertreten. Er sollte entpflichtet werden.

Quelle: insider




Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (che2001)
Mann! Da hat Jensen wieder richtig zugeschlagen. Wovon sollen Freie eigentlich überhaupt noch leben, bei solchen Arbeitsbedingungen?! Ein Medienvertreter, der verbietet, zitiert zu werden, ist wie ein blinder Kameramann. Aber es ist immer wieder ein schönes Gefühl, einen Stresstyp A mit Dreck am Stecken zu interviewen. Endlich wieder ein schöner Nörgler-Insider!
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (chardonnay)
Hallo che,



es sei mir bitte eine Anmerkung gestattet:



Die "Freien" heissen "Freie" weil sie frei sind.

Nicht daß ich nun die offensichtlich von der FAZ angestrebten Regelungen in toto so toll fände, aber zum einen sehe ich für ein (wie auch immer geartetes) Medienunternehmen recht wenig andere Möglichkeiten, als die Verträge so restriktiv auszulegen. Die Alternative wäre ansonsten ein gigantisches "Rechte-Management-System", das in seiner Komplexität wohl alsbald die Dimensionen eines hier öfter diskutierten Mautsystemes annehmen würde.

Zum anderen ist es nicht Aufgabe der FAZ sich um den Lebensstil der "Freien" zu bekümmern, sondern, wie es in diesem Wirtschaftssystem nunmal üblich ist, zu versuchen, möglichst guten Content zu einem für das Unternehmen guten Preis, bei leicht handhabbaren rechtlichen Rahmenbedingungen, zu erlangen.

Überdies ist keiner der "Freien" gezwungen seine sicherlich hochwertvolle Arbeit der FAZ anzubieten. Wem das Rechtemodell der FAZ nicht gefällt, kann ja, z.B. beim Kleinniederhohlsbacher Sonntagsblatt über die Eröffnung der zweiten Filiale des dort ansässigen Sanitärhandels berichten. Da hat er dann sicherlich alle Zweit-, Dritt- und Viertveröffentlichungsrechte und wenn er ausserdem noch ein Photo macht, gibts 40 Euro extra...



Grüße



chardonnay
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (noergler)
Kaum hängt man einem flagranten Rechtsbruch, bei dem ich schon das Runzeln auf der Stirn eines BGH-Richters sehe, die Schelle an, springt ein grenzdebiler Seifensieder aus seiner Kiste, um uns zu erklären, die Freien hießen Freie, weil sie frei sind.

Den Insider habe ich doch nur aus Sorge um die Kollegen geschrieben, die da weniger verdienen, als die Frau, die dort putzt. Lese ich freilich den chardonnay, so begeistert mich die Vorstellung, wie seine Hauspostille sich gerade selber ruiniert.


Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (chardonnay)
Hallo noergler,



naja, obs ein flagranter Rechtsbruch ist oder nicht und ob ein BGH-Richter die Stirn runzelt und falls ja, worüber, müsste sich erst erweisen.

Das Attribut "grenzdebil" werde ich mir wohl verpassen lassen müssen, schließlich bin ich über 40. Den Seifensieder allerdings weise ich entschieden zurück!



Und Deine "Sorge um die Kollegen" mag ja aller Ehren wert sein. Auch mit der Vorstellung, daß die FAZ über kurz oder lang den Bach runtergeht habe ich kein Problem - lese ich halt wieder Süddeutsche (wobei ich bezweifle, daß diese Publikation in irgendeiner Weise "besser" sein soll, als ihr konservatives Pendant aus Frankfurt).



Für mich hinreichend bedeutsam sind jedoch die Fragen, wie sich eine Zeitung (oder sonst irgendein Medium) zukünftig rechtlich gegenüber Autoren und sonstigen Contentlieferanten verhalten soll. Entweder die Regelungen sind "fair" (besseres Wort fällt mir grad nicht ein), dann haben sie ein Problem wegen einer Reihe nicht geklärter Fragen die eine erhebliche wirtschaftliche Auswirkung auf das Unternehmen haben können.

Oder sie verhalten sich so, wie sich jedes Unternehmen auf einem Nachfragermarkt verhält und dann wird der Untergang des Abendlandes und die soziale Verelendung eines ganzen Berufsbildes in hehren Worten beklagt.



Zu guter Letzt sollte man auch nicht vergessen, daß die sogenannten "Freien" als Einzelunternehmer agieren und in ihrem Vertragsabschlüssen frei sind. Wem der Kunde A nicht passt, soll sich bitte einen Kunden B suchen, bei dem alles besser ist.

Garantiepreise u.ä. sind im geschäftlichen Verkehr zwischen Unternehmen in einer freien (sic!) Wirtschaft nicht vorgesehen und das ist auch gut so.

Wäre es anders, fände sich sicherlich eine sogenannte Interessenvertretung die den Markt für freie journalistische Mitarbeiter in gleicher Gründlichkeit ruiniert, wie die Gewerkschaften dies mit dem Markt für Industriearbeiter in den letzten Jahrzehnten gemacht haben.



Grüße



chardonnay


Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (noergler)
Das Gesetz besagt, dass Mehrfachnutzung auch mehrfach zu vergüten ist. Die Rechtslage ist eindeutig. Dass der Rechtsexperte der FAZ das ganz genau weiß, sieht man an der erst empfindlichen und schließlich panikartigen Reaktion. "Die Schufte, die man nicht abschaffen kann, wenigstens zu ärgern" (Karl Kraus) hat da mal wieder hervorragend funktioniert. Jensens Agenda ist lang.



@"fände sich sicherlich eine sogenannte Interessenvertretung"

Du darfst zur Kenntnis nehmen, dass die Freien dies mit aller Kraft anstreben und sich da von Dir auch keine Vorschriften machen lassen. Seit Jahrzehnten werfen sie dem DJV vor, nur die Festangestellten zu vertreten. Der DJV hat jetzt angekündigt, mit den Verlegern über Mindeststandards zu verhandeln.



Dass die Gewerkschaften den Arbeitsmarkt für Industriearbeiter "ruiniert" haben, ist einerseits zwar nur die langweilige Neolibyer-Leier, andererseits aber insoweit richtig, als da die Reallöhne ständig gesunken sind, was die Gewerkschaften nicht verhindert haben.
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (chardonnay)
Hallo noergler,



wenn ich als grenzdebiler, neoliberaler Seifensieder bitte noch eine letzte Anmerkung loswerden dürfte:





Ein Jurist bin ich nicht, aber meinen bescheidenen Kenntnissen nach, ist es immer noch möglich, für Wort-, Ton- und Bildbeiträge ein exklusives Vermarktungsrecht für ein oder mehrere Medien vertraglich zu vereinbaren. Bitte: ich bin mir in diesem Punkt nicht 100% sicher und insofern auch für jede weiterführende Information dankbar (und zwar nicht, weil ich irgendeinen Freien um sein Honorar bescheissen will ...).



Wenn ich in Deinem Mailkontext weitergehen darf: Ich habe nicht versucht, irgendwem Vorschriften zu machen. Ich erlaube mir dennoch anzumerken, dass sogenannte "Freie", die sich ausgerechnet vom "DJV" eine Hilfestellung erwarten, meiner Ansicht nach gewaltig einen an der Waffel haben. Auf der einen Seite irgendwie selbständig sein und auf der anderen Seite die Betonköpfe der selbsternannten Arbeitnehmerbeschützer um Hilfe anjammern: passt meiner Meinung nach nicht zusammen. Im Gegenteil bin ich der Überzeugung, daß diese sogenannte Ankündigung der Gewerkschaftsbude für viele freie Schreiber/Filmer/Texter/Kamera- und Tonleute das eher nahe Ende ihres (beruflichen) Daseins bedeutet.



Zu Deinem letzten Absatz gäbe es viel zu sagen. Gehört aber hier nicht hin - ich möchte nicht auf der offiziellen oder inoffiziellen Trolliste landen. Wenn Du diese Diskussion führen willst: gerne, aber mach dann bitte einen Vorschlag, wo und wie.



Grüße



chardonnay



PS: Das Karl Kraus Zitat war perfekt. Auch wenns Dich nervt: das war der Versuch einer sachlichen Anerkennung ...


Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (noergler)
Eine 5stellige Zahl freier Journalisten im DJV ist zu bescheuert, um ihre Interessen zu vertreten, aber ch. weis es besser. Starke Selbstbewertung, mein Lieber. Wir wissen das hier zu werten.



Und nein, ich werde keine "Diskussion führen", sondern weiter meinen Jensen vorschicken, um dem Pack mit Anlauf in die Fresse zu treten.



Sie rechnen nicht damit. Sie wissen nicht, wann es sie trifft. Sie sind mir ausgeliefert. Ich bestimme Ort, Zeit und Art des Anschlags. Ich habe bei ihnen mehr gelernt als sie bei mir und ich wende es gegen sie. Hündisch die Macht anbetende Kriecher werden aufs Konto des erwünschten Kollateralschadens gebucht.

Es ist wunderbar.
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (chardonnay)
Deine "5stellige Zahl freier Journalisten im DJV" braucht in überwiegender Anzahl schlichtweg einen Presseausweis.



Was Du wie zu werten zu glauben in der Lage bist bleibt Dir überlassen.



Und zum Rest Deiner Einlassung ist zu sagen, daß die Amis auch nie auf dem Mond waren und der Anschlag auf das WTC vom Mossad verübt wurde.



Wunderbar ist es allerdings.



chardonnay
Fisch im Wasser (ENOTTY)
Sie rechnen nicht damit. Sie wissen nicht, wann es sie trifft. Sie sind mir ausgeliefert. Ich bestimme Ort, Zeit und Art des Anschlags.



Schön, das der Jensen so einen waterkantigen Namen hat.

Heisst der eigentlich Jens mit Vornamen?


Re: Fisch im Wasser (noergler)
"Jens C." sind die Vornamen.
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft ? Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (netbitch)
Na, da bin ich gespannt, was die gewerkschaftlich organisierten Freien dazu zu sagen haben. Du scheinst zu denken, die seien Freie aus neoliberaler Ideologie, nicht aus beruflicher Notwendigkeit!
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (che2001)
Deiner Logik zufolge heißt Frei sein wohl so viel wie verhungern zu dürfen. Ich habe tatsächlich ein Leben als freier Mitarbeiter mit Recherche zu spannenden und politisch relevanten Themen zu Gunsten eines PR-Jobs in Festanstellung aufgegeben, weil die Vergütungsbedingungen so beschissen waren, dass sich davon nicht leben ließ. Ansonsten-siehe Nörgler.
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (noergler)
Einfach mal 3 Monate Generalstreik, um dem Pack zu zeigen, wo der Hammer hängt – das wär's. Im Moment sieht das wg. Langmut des deutschen Michels zwar nicht danach aus, aber das kommt noch.
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (che2001)
Das wollen wir doch sehr hoffen!
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (medvech)
Siehste, das ist der Grund, weshalb ich Angestellte scheue wie der Teufel das Weihwasser.
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (badattitude)
Wieso?



Ein Knebelvertrag mit Streikverbot tut es doch auch, oder?

Natürlich muss der TÜV eine Unbedenklichkeitsbescheinigung für die Fußkette mit Stahlkugel erstellen, aber das sollte bei Großabnehmern weniger ein Problem sein.
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (che2001)
Die Selbstständigen und Kleinunternehmer sollten sich hier nicht immer so gemeint und auf die Füße getreten fühlen, wenn es gegen die Konzerne geht. Was stört den Selbstausbeuter daran, dass man gegen die großen Ausbeuter vorgeht?
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (ENOTTY)
E-ben.



So ist der "Selbstausbeuter" auch kein Ausbeuter im eigentlichen Sinne, da er nur seine eigene Arbeitskraft verwertet.


Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (held-der-arbeit)
Abgesehen davon, dass das Jensen-Interview mal wieder eine Schmonzette ist und sich der Interviewpartner mit der Schleife selten deppert anstellt: Wenn das Zeilenhonorar angemessen ist - wo liegt das Problem im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit von Kunst- und anderen Werken? Die große FAZ hat mit dem Urheberrecht Probleme, ich als kleine PR-Sau auch: Ich beschäftige ein paar Leute, die täglich allesamt zwangsläufig Urheber von wasweißich werden. Von mir als PR-Sau will mein Kunde die uneingeschränkten Nutzungsrechte und bezahlt dafür. Ich zahl davon meinen Leuten ein Gehalt und behalte was ein für meine Arbeit. Meine Leute zahlen ihre Miete. Ich bediene die Hypothek. Jeder kann leben. Keiner bereichert sich unangemessen. Meine Firma ist nicht pleite - wie viele andere in meinem Metier schon. Soll ich es wollen, dass ein Freier zu mir kommt und mehr Geld haben will, nur weil seine Arbeit jetzt irgendwo im Internet rumfault? Oder noch schlimmer: Seine Erben tanzen 74 Jahre nach seinem Tode an und wollen Zugang zum Werk. Ist auch Gesetz. Wie soll ich das machen? Wie soll ich kalkulieren? In meinen Arbeitsverträgen stehen daher ziemlich identische Passagen wie die von Nörgler zitierten. Ich bin zwar eine PR-Sau, aber menschlich fühle ich mich dabei nicht als Sau, sondern ganz okay. Kann mich da draußen jemand verstehen?
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (noergler)
Ha, ha, ha! "Wenn das Zeilenhonorar angemessen ist", und ja, mein Schnuffel, aber eben darum, dass es nicht angemessen ist, geht es gerade!

Merke: Das Zeilenhonorar ist dann nicht angemessen, wenn es nicht mehr nur um "Zeilen", sondern um die Verbreitung in jeglichen überhaupt nur denkbaren Medien geht.

Soweit ich das verstanden habe, ist die PR Dein Geschäft. Dann schauen wir doch mal, was es finanziell bedeutet, wenn die FAZ die Werberechte und die Rechte zur Öffentlichkeitsarbeit sich krallen will.

Da sprechen wir dann – und dafür bist Du Fachmann, wenngleich Du nicht der alleinige bist – unter Zugrundelegung einer mittleren Agentur über einen 5- bis 6-stelligen Eurobetrag, den die FAZ über einen expropriativen Vertrag sich aneignen möchte.

Bislang war ich sachlich und freundlich. Dass aber Jensen-Gespräche "Schmonzetten" seien, kommt hier nicht so gut. Es wurde bislang hier noch nicht bekannt, dass ein hda mit einer FAZ sich angelegt hätte. Insoweit darf ich dann Unterschiede im Format anmerken.
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (held-der-arbeit)
Ich fragte, ob mich da draußen wer versteht. Anscheinend willst Du mich nicht verstehen. In vielen Bereichen ist die Rechtefrage dahin degeneriert, möglichst leicht für halbgares Zeug Windfall Profit zu machen - mit der Reaktion, dass vertraglich dagegengehauen wird, auch zur Absicherung unternehmerischer Risiken und zur Sicherung des Bestands eines Unternehmens.



Dass Du Dich mit der FAZ anlegst ist prima. Ich glaube aber fast, dass es neben Dir auch andere Leute mit Zivilcourage gibt.
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (menw)
Hallo, hallo!



Könnte es sein, dass Dir die Unterschiede zwischen der - ich sag einmal weitgefasst - Branche der Informatiker und der der Desinformatiker irgendwie nicht ganz klar sind?



mfg oas
An alle Sentinellen & Sentinels! (menw)
Kommentar zum login menw: Ich habe spontan geschrieben, aber nicht auf meinem Plastiktrottel - ich habe nur 1 (in Worten: einen) account bei Euch!



noch unter falschem account: mfg oas
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (held-der-arbeit)
Die Unterschiede sind mir klar. Aber auch das, was Du als Desinformation bezeichnest, ist urheberrechtlich geschützt. Und ob wir jetzt eine Grundsatzdebatte darüber anfangen, ob es ohne PR heute auch nur den Hauch einer Berichterstattung gäbe, überlasse ich Deiner Antwort.
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (oas)
Najaschonirgendwie, jedoch: Allzuoft legen Urheber von, wie soll ich´s britisch untertrieben sagen, Übertreibungen eher wenig Wert darauf, dass sie als Urheber derselben der Mit- bzw. Nachwelt namentlich erhalten bleiben. Auch ist das Verwertungsrecht an einem Logo speibielsweise schwer der Firma, die es repräsentieren soll abzusprechen, also ist die Verwertung - Abdruck, Prägung, ja eigentlich beliebige Reproduzierbarkeit - implizit Teil des Vertrages. Ob jegliches Verwertungsrecht bei (Zeilen-)Honorarzahlungen so ohne weiteres abgefordert werden kann, naja, vielleicht doch nur Desinformatik?



mfg oas
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (held-der-arbeit)
Ich entschludige mich ausdrücklich und in aller Form bei Nörgler, dass ich seinen Beitrag als Schmonzette bezeichnete. Denn albern ist das nicht, was Nörgler sagt. Nur vielleicht einseitig. Mich belastet das Thema Rechte. Und weil ich für meine Situation und meine Firma keine adäquate Lösung finde, daher hab ich mich im Ton vergriffen und was hingeschmiert. Tut mir Leid. Ehrlich.
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (noergler)
hda ist einer der allerbesten Poster und Experten hier. Seine Kompetenz im logistikkritischen Bereich ist unerreicht.

Ich kenne ihn persönlich. Er ist auch menschlich über die Maßen sympathisch.

Es ist alles OK, gegessen und vergessen. :-))

N.
Danke! (held-der-arbeit)
Danke. Ich freue mich außerordentlich, dass die Entschuldigung akzeptiert ist. Und über das schmeichelhafte Lob eines Sentinels, der auch mir über die Maßen sympathisch ist - und dessen Beiträge ich (wie viele hier) immer mit Spannung erwarte. Genug jetzt aber der gegenseitigen Kraulerei am Sac* :-)
Verständnis (medvech)
Ich kann Dich verstehen. Das Problem der Wortkünstler ist das der Musikkünstler: Jeder will ein Bohlen sein - einmal arbeiten, zigtausendmal verdienen.



Allerdings finde ich, dass die FAZ den Bogen auch überspannt hat und das das ganze mit deinem Metier nicht deckungsgleich ist, wenngleich sich Parallelen ergeben, wie auch bei mir. Manchmal wird der Bär dann auch zum Schwein. Dann gehe ich halt beichten und hole mir die Absolution bevor es weiter geht ;-)
Re: Verständnis (noergler)
Eigentlich war es da, was auszudrücken dem Jensen ich befohlen hatte.
Re: Verständnis (medvech)
Kannitverstaan.
Re: Verständnis (noergler)
Das kommt daher, dass es heißen sollte:



Eigentlich war es das, was auszudrücken dem Jensen ich befohlen hatte.



Da hatte nur das "s" im "das" gefehlt.
Re: Verständnis (medvech)
Hatte ich schon vermutet, dennoch konnte ich mir den Bezug für das "das" nicht erschließen. Entschuldigung, ich bin heute etwas langsam, da mein Kopf voller anderer Dinge ist.
Re: Verständnis (noergler)
Das verstehe ich. Das geht mir oft auch so.
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (che2001)
Also, vielleicht mal am klaren und konkreten Beispiel. Ich kenne es aus meiner Vergangenheit als freier Journalist, dass man einen Beitrag schreibt, für den man als Autor das Urheberrecht behält. Da schreibt man dann einen Bericht über eine Karawanenreise durch Ägypten unter den Titeln "Tausend und ein Kamel", Tausend Kamele und kein Ende" "Endlose Karawane" etc. für fünf verschiedene Tages- und Wochenzeitungen, die dafür jeweils 300 oder 500 DM (damals noch) zahlen und nicht zwangsläufig in der gleichen Region ansässig sind, und das erscheint dann über einen Zeitraum von mehreren Wochen. Oder man hat eine inhaltlich heiße Story, vielleicht einen zu enthüllenden Politskandal, und schließt mit einem Medium, z.B. dem Spiegel oder dem NDR, einen Exklusivvertrag ab, für den es entsprechend mehr Geld gibt. In beiden Fällen ist es okay: Bei sparsam bezahlten Stories macht es die Wiederholung, bei großzügigeren Honoraren stimmt das Honorar als Solches. Genau das soll durch die FAZ-Verträge unterbunden werden: Die FAZ hat die Verwertung exklusiv und der Freie wird nur einmal bezahlt, aber nicht in der Honorarklasse eines Exklusivvertrags. Ich kenne Freie Journalisten, die aufgrund solcher Regelungen so viel verdienen, wie sie mit Sozialhilfe plus Wohngeld auch verdienen würden, und aus diesem Grunde bin ich, als ich vor der Wahl stand, in die PR im Festanstellungsverhältnis gegangen.
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (held-der-arbeit)
Du hast Recht. Entweder Mehrfachverwertung kreuz und quer durch die Gartenlauben. Oder exklusiv und teuer an ein Dickschiff wie den von Dir zitierten Spiegel oder den NDR. Vielleicht war mein Gedankengang nur deshalb so krude, weil ich die FAZ für ein Dickschiff gehalten habe... Wenns anders ist, mein Fehler!
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (che2001)
Das ist ja das Traurige-die FAZ ist ein Dickschiff mit Lohndumping!
das Urheberrecht bleibt gewahrt -- jenseits von Zaum und Reit ähh Raut und Zeim (ENOTTY)
[...] das auschließlich zeitlich, räumlich und inhaltlich unbeschränkte Recht ein [...]




In welcher der höheren (>4) Dimensionen man dann sein Geld verdienen soll, bleibt offen.
Re: das Urheberrecht bleibt gewahrt -- jenseits von Zaum und Reit ähh Raut und Zeim (noergler)
Richtig gesehen. Das wäre ein weiterer Punkt. Das generelle Problem dieses Vertrags ist es, dass er sich im Wege der völligen Anspruchsüberdehnung in einer Sphäre bewegt, in der ich das Runzeln auf der Stirn eines BGH-Richters sehe.
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (noergler)
Schon erstaunlich, wie ein so großes Traditionsmedium es nicht vermag, einer nur gelinden Kommunuikationsanforderung sich gewachsen zu zeigen.
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (hellblau)
Veraltete Inhalte, auf die Abfälle toter Bäume mit Russ und Öl aufgebracht, schon vergessen, bevor sie beim Rezipienten landen: die FAZ. Ist doch klar, dass im letzten Aufbäumen vor dem Untergang alle Grenzen nach unten überschritten werden. In 5 Jahren ist es soweit, dass auch dieses Konglomerat den Weg in die Insolvenz gehen wird.
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (Immobilienmakler)
Wirklich ein extrem umfangreich ausformulierter Text aber sie haben das Speichern als Lochkarte vergessen !





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kommentar provisionsfrei vom eigentümer
Soehring ist nicht à Jour (Lebemann)
In Frankreich gibt eseine vergleichbare gesetzliche Situation seit mehreren Jahren, unter anderem im Film und TV.



Kluge Köpfe haben das so geregelt :



Du kriegst ein Honorar. Es wird auf dem Papier aufgeteilt : der kleinere teil ist dein "Honorar" (Zeilenhonorar, Drehbuch-Honorar) und der größere teil ist dein "Vorschuss" (der im übrigen verrechenbar und verzinslich ist) auf die zukünftige Nutzung.



Resultat : Honorare für zukünftige Nutzungen gibt es nur in absoluten Ausnahmefällen.



"Heute gibt es doppelte Ration" sprach der Erste Offizier der Galeere zu den Sklaven "der Chef will Wasserski laufen".
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (zhahadum)
Naja, ich muss mich schon fragen, wo denn - abgesehen von dem Trottel von Anwalt - da der Boo ist.



Wenn man halt etwas verkauft, muss man damit rechnen, dass man es danach nicht mehr hat. Das Urheberrecht als solches sieht eine angemessene Vergütung vor.



Nun mag die Vergütung der FAZ unangemessen niedrig sein, aber man ist ja nicht gezwungen dort zu unterschreiben. Wenn man nunmal Autor bei der FAZ sein will und nicht bei der - sagen wir mal - Nordwestzeitung, muss man damit leben. Job und Karrierechancen machen sich eben nicht allein an der Vergütung fest.



Ganz abgesehen davon, kann man darpber streiten, was denn angemessen ist, bzw. was zusätzliche Vergütung rechtfertigt. Veröffentlichung im Internet? Naja, mit dem Internet hat ja bisher (fast) niemand Geld verdient bei den Zeitungen, also warum dafür extra Kohle berappen?



Eher müsste man das normale Zeilenhonorar senken, denn wenn der Autor im Internet veröffentlicht, ist das Konkurrenz.... Man kann natürlich zeitliche und räumliche Einschränkungen machen in solchen Verträgen, aber dann werden sie noch länger.



Und wenn mir als Zeitung ein Autor sagen würde, "Gut, für die Verwendung im elektronischen Archiv will ich mehr Geld!", dann würde ich ihm einfach mal zeigen, wo die Tür ist.



Übrigens empfehle ich, sich mal Standardverträge nordamerikanischer Verlage anzuschauen - verglichen damit ist bei der FAZ Sozialismus!
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (noergler)
Dann nix wie ab nach USA mit zhahadum!
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (zhahadum)
Habe ich behauptet, dass ich das gut finde? Wohl kaum!



Wenn eine Bude, wie die FAZ pleite geht, weil die jahrelang für mittelmäßige Beiträge zu hohe Kosten berappt haben ( und natürlich Millionen in der new economy versenkt) ist hier jedenfalls die Schadenfreude groß.



Ein Grossteil von Autoren wollen ausserdem freie Mitarbeiter sein - dass man sich damit der Ausbeitung hingibt, muss man eben einkalkulieren. Und die Zeitungen (Rheinische Post usw.), die glauben praktisch ganz auf feste Mitarbeiter verzichten zu können, werden sich noch früh genug umschauen...
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (oas)
Denn immer noch besser als die Möglichkeit, die als Wahrscheinlichkeit schon sich abzeichnet: Der Autor zahlt Zeilenhonorar bei sonst gleichen Konditionen, denn der Orden FAZ-Autor ist ja allemal ein wenig Einschränkung an den Ansprüchen wert!



Wir werden sehen, sprach der Blinde, and if the Good Lord is willing, fällt er nicht die Treppe hinunter.



mfg oas
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (noergler)
Dass es Arbeit gibt, ist doch schon Entlohnung genug. Was ein Anspruchsdenken, dafür auch noch Geld zu wollen.
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (che2001)
Ein Grossteil von Autoren will freie Mitarbeiter sein? Also, ich kenne nur solche, die Redakteure sein wollen, aber als solche nicht eingestellt werden mit dem Argument: Kein Volontariat gemacht, und jenseits der 30 weh zu alt....
Re: Freie: ratzFAZ in die Leibeigenschaft – Jensen fragt, Dr. Soehring tickt aus (ratzfatz)
Och menno! Als ich die Headline las, dachte ich erst, es wäre ein Boo über mich. Mein Nick hat wohl den noergler etwas inspiriert.



Da ich am 9.3. Geburtstag hatte, hat der Boo doch etwas mit mir zu tun und ich nehme ihn dankend als Geburtstagsgeschenk an.


Mir nach!



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