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13:46 Mittwoch, 03. März 2004
Man reibt sich die Augen. CeWeColor, der heimliche und stille Gigant, eine Art Cisco im Hintergrundrauschen der digitalen Fotodienstleister, zieht die Gesäßkarte. Altdeutsch: Die Bilanz für 2003 ist da. Zeit, Hollander abzuwatschen.
CeWeColor, das ist dieser Laden, den kaum einer kennt, mit der blonden PR/IR-Dame Hella Meyer*, die auch keiner kennt, und die schon mal fachkundig mit einem aufgeschlagenen Papierorganizer vor dem Maschinenpark posiert. CeWeColor hat ein Image so zwischen den Derrick-Filmen der frühen 80er und Miracoli. Man war nie überspannt und immer sehr norddeutsch nüchtern. CeWeColor ist "Europas großer Fotofinisher... der führende Foto- und Imaging-Dienstleister für den Handel sowie für Internet- und Telekommunikationsunternehmen". Wir dürfen sogar lesen: "CeWe Color ist `First Mover´". Das treibt einigen Nordamerikanern die Tränen in die Augen; spontan erklären sie sich bereit, diesen Fachteil der Weltgeschichte umzuschreiben. Tatsächlich ist das mit dem Erstbeweger aber wohl auf die Region in der norddeutschen Tiefebene bezogen. Im Geschäft mit den Bildern im Internet hat man erstmal die anderen voranstürmen lassen – bis die tot waren, siehe Pixelnet.
Dann rätselten alle, ob CWC die lahme Pixelnet übernimmt. Spaßeshalber fragte man sich schon in Analystenkreisen, wann CWC an Kodak vorbeizieht, bis bei Kodak vor einigen Monaten die Daumen nach unten zeigen. Da war das mit dem Spaß vorbei. Bei CWC nun auch. Die nackten Zahlen der Bilanz für 2003: Gewinn v.St.: minus 25 Prozent Gewinn n.St.: minus 60 Prozent Umsatz: minus 5 Prozent Aktie: 8 Prozente runter Prognose für 2004: unsicher, bis weitere minus 7 Prozent beim Umsatz möglich 2003 tönte Hollander: "Wir haben immer Gewinne ausgewiesen - und das bleibt so". Die 2001 gekaufte Konica Photo wurde komplett abgeschrieben (6,2 Mio). Schon damals kratzten sich nachdenklich einige hinter den Ohren. Aber der Kaufpreis war natürlich "strategisch" und nicht etwa überhöht. Gesamte Abschreibungen: 43 Mio. Intern rauscht es im Hintergrund auch. Schon im Sommer/Herbst 2003, so eine interne Quelle, hat es eine kleine Kündigungswelle gegeben. Darüber liest man natürlich nix. Lokal vor Ort wird das nämlich alles brav gedeckelt. Da regiert die "Nordwest-Zeitung" mit dem Informationsmonopol. Das ist die Zeitung, in die man auf dem Marktplatz tote Fische einwickelt. Im Nordwesten sollen sich die Menschen gewundert haben, warum ihre Zeitung wochenlang so dünn war. Erklärt hat ihnen das aber in ihrer Zeitung niemand. Das war, weil ein Teil der Redakteure gestreikt hat und der andere Teil zwangsweise shoppen gehen musste: Gejohle, als ein ver.di-Sprecher den Text einer NDR-Sendung vom Freitag verlas: "Der Arbeitskampf der Zeitungsredakteure in der Region verschärft sich. Heute wurden Vorwürfe aus Redaktionskreisen laut, die Leitung der Oldenburger Nordwestzeitung habe die nicht streikenden Redaktionsmitglieder indirekt belohnt. Es soll ein kostenloses Essen und Einkaufsgutscheine für ein ortsansässiges Bekleidungshaus im Wert von 500 € pro Person gegeben haben, sagten die streikenden Redakteure. Der Chefredakteur der NWZ, Seelheim, bestätigte soeben, dass gestern Abend eine Versammlung der im Hause verbliebenen Redakteure in einem Kaufhaus stattgefunden habe. Dies sei eine Einladung der betreffenden Firma gewesen. Außerdem sagte Seelheim, es sei sinnvoll, den Leistungsträgern Redaktion einmal zu danken. Sie hätten schließlich die liegengebliebene Arbeit der Streikenden zusätzlich zu bewältigen." "Na, die können sich dann ja einen Mantel kaufen" - so der trockene Kommentar eines Streikenden. In der Oldenburger Belegschaft läuft die Diskussion über diesen Bakschisch-Vorfall unter dem Arbeitstitel "Shopping statt Streik". Herrn Seelheim und dem Verlag sei gesagt: In dem Moment, in dem sich ein paar Journalisten mit Mut und ein paar alte Vertriebshasen zusammen tun, um ein neues Blatt für die riesige Fläche (samt Anzeigenkunden), die die "Nordwest-Zeitung" bedient, zu produzieren, könnt ihr euer Käseblatt neben die toten Fische legen. Es gibt nicht nur 3i, die vor Ort Red Dot finanziert und sich die FR anguckt. Die Bilder von der Gründung entwickeln dann Chinapictures oder Indiapix :-x . Allesamt „First Mover“. [Für die Infos Danke an einige Quellen, siehe auch zT die hämischen Diskussionen bei w:o, die hier bewusst nicht zitiert wurden] *Gibt es ein Gesetz in der Natur, eine intergalaktische Übereinkunft, dass alle diese Mädelz immer auf -a enden? Anja, Tanja, Wanja, Hella. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Re: CeWeColor: Was Pixelnet und Kodak können... sagen Hollander und NWZ nicht (HansMeise)
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