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15:21 Montag, 16. Februar 2004
Filmfestival in Berlin. Ein bisschen Glamour, powered by Botox, steppt über den roten Teppich. An der Absperrung glotzt ein MBA in blauem Hemd und Barbourjacke der Prominenz ins Dekolleté. Vielleicht war er mal Gründer und hat hier jetzt einen Job bei PWC. Er schmunzelt. Alles Blendwerk.
Der Verleih des Festivalsiegers ist insolvent.
Diese Genugtuung. Der MBA hat natürlich keine Ahnung von seinen Motiven, er würde nie einen Shrink aufsuchen. American Psycho (den Film, er liest ja nicht) fand er gut, die Visitenkarten waren klasse. Leider sieht er nicht so aus wie Christian Bale, die kleinen Rettungsringe, naja. Er glaubt noch immer, das Barbourjacken cool sind und trägt Button-Down-Hemden. Er ist sexy. Sein Therapeut, wenn er einen hätte, würde ihm wahrscheinlich sagen, dass er Minderwertigkeitskomplexe hat. Weil die Girls in der Schule lieber mit den Pennern rumhingen, die Comics auf die Tische malten und witzig waren. Und dass er neidisch auf diese Loser ist, weil sie jetzt für einen Bruchteil seines Gehalts Storyboards zeichnen. Aber sie stehen auf der anderen Seite des Gitters. Irgendwie ahnt er, dass Sexyness nicht in Harvard gemacht wird. Aber er ist ein guter Verdränger. Er freut sich, dass es auch die mal erwischt. So wie jetzt: Mitten in die Berlinale platzte die Nachricht, dass der schwächelnde Berliner Indie-Verleih Ottfilm Insolvenz beantragt hat. Ein geplatzter Deal mit dem Schweizer Rechtehändler Epsilon Motion Pictures hat denen das Genick gebrochen. Zuletzt haben sie sich nur noch darauf konzentriert, "Blueprint" (mit dieser rennenden Lola) und "Luther" in die Kinos zu bringen. Den Verleih des Bärensiegers "Gegen die Wand" wird nun Timebandits besorgen, ein erst im Herbst 2003 gegründetes Gemeinschaftsprojekt von Produzenten und Kinobetreibern. Damals haben die Fatih Akins Film schon angekündigt, man hätte es also wissen können. Im Pressematerial der Berlinale wurde noch Ottfilm als Verleiher angeführt. Als auch die letzten Halbberühmtheiten im Berlinale-Palast verschwunden sind und die Pressemeute in Richtung Hyatt abzieht, setzt sich auch die Barbourjacke in Bewegung. Noch schnell einen Big Mac, scheiß auf die Figur. Dann geht er zurück an seinen Schreibtisch. Das Notebook fährt hoch, während er in der Schublade nach seinem Passwort für nakedcelebrities.com sucht. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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