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Computerbild Vor(computer)bildhaft: Vom Bürostuhl direkt in den Sarg gekippt!
BOO Computerbild von noergler

09:17 Mittwoch, 11. Februar 2004

Nicht nur durch ihre vorbereitende Tätigkeit bei den Schüssen auf Benno Ohnesorg und Rudi Dutschke, auch durch die letale Orientierung ihrer Schlagzeilen wahrte und wahrt "Bild" den Charakter eines Blattes, welches die letzten Fragen der conditio humana immer wieder neu zu stellen weiß.
Dieses Moment der Transzendenz hat nun die Schwesterzeitschrift "Computerbild" unmittelbar erfaßt:

"Bei dieser Titelgeschichte steht erstmals der komplette Name des Autors. Denn einen Tag nach Fertigstellung starb unser unersetzlicher Kollege und Freund ******* an seinem Schreibtisch."
Im dezenten Hinweis auf den Ort des finalen Geschehens steckt die Botschaft: Hier arbeiten keine weichvereierten Sozialschädlinge, die mit Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und anderem Sozialklimbim die Lohnnebenkosten hochtreiben, sondern ganze Kerle, für die es nur eins gibt: arbeitsfähig oder tot.

Dies entspricht dem Idealbild des Mitarbeiters in Zeiten des Neoliberalismus, nicht nur wegen des völligen Aufzehrens des physischen Trägers der Ware Arbeitskraft durch die Arbeit selbst. Auch die aktuellen Reformdebatten hätten sich der Sache nach erledigt, wenn alle Beschäftigten direkt vom Tagewerk in die Grube fahren würden, statt teure Umwege über Krankentage oder gar die Rente zu gehen.

Das dann noch fortexistierende Problem des Lohnes – bekanntermaßen ist der Lohn als solcher standortschädigend – läßt sich durch dessen Abschaffung und durch die Konzentration der Beschäftigten in zentralen Heimstätten lösen. Und die bei Computerbild sozusagen vorgelebte Maxime "Arbeitsfähig oder tot" wäre eventuell noch vorhandenen Arbeitsunwilligen eine Stütze ihrer Motivation.
=============================================
Wesentliche Hintergrundinfo über diesen Boo, die mit gelesen werden sollte, findet sich im Forum. -Red





Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Re: Vor(computer)bildhaft: Vom Bürostuhl direkt in den Sarg gekippt! (noergler)
Sentinel hualp hat mir über PN gesagt, dass er es nicht machen wolle.




Re: Vor(computer)bildhaft: Vom Bürostuhl direkt in den Sarg gekippt! (che2001)
So ist dieser notwendige Boo nun raus, und er ist eine Meisterleistung. Zwei Anmerkungen dazu:



1) "Das Ende der Lebensarbeitszeit sollte idealerweise mit dem natürlichen Eintreten des Todes zeitlich eng zusammenfallen" (Definition der Lebensarbeitszeit der Reichsarbeitsfront).



2) In "Konkret" wurde die Rürup-Kommission ja schon mal als Mordkommission bezeichchnet und konstatiert, dass die Kürzungen im Gesundheitswesen logischerweise in letzter Konsequenz auf Euthanasie hinausliefen.





Meinerseits möchte ich dazu anmerken, dass dem NS-Mordprogramm eine entsprechende, unter demokratischen Vorzeichen geführte Debatte in den zwanziger Jahren vorausging. Das Buch "Die Freigabe der Tötung lebensunwerten Lebens, ihr Maß und ihre Form" erschien in der Weimarer Republik, nicht im NS-Staat, und selbst die Innere Mission und die sozialdemokratische Regierung Preußens vertraten Ende der Zwanziger Euthanasie- und Sterilisierungsprogramme. Die "Rassenhygiene" war Ausfluss der damaligen Humanbiologie.



Und wenn wir sehen, wie heute angebliche und bislang unbewiesene Erblichkeit von Charaktereigenschaften und Intelligenz (transportiert durch Wissenschaftler wie Eibl-Eibesfeldt und Arthur Jensen, die in internationalen Netzwerken der Neuen Rechten operieren) als Grundlage von Chancenungleichheit der Menschen herangezogen wird, und dann kommt die Elitendebatte hinzu, also da kriecht schon wieder etwas aus einem Schoß, das wir gut kennen. Ich rede nicht von einer faschistischen Gefahr, aber von der selben Form von Bio-Macht, dem herrschaftlichen Verfügen über Lebensschancen, die dem kapitalistischen Regime schon immer dienlich war und von der der NS lediglich eine unter vielen Äußerungsformen war. Wenn die Menschen die Peitsche ihres Herrn so verinnerlicht haben, dass sie freiwillig auf der Arbeit wegsterben, braucht es keine Diktatur mehr. Und dass es dazu kommen konnte, dazu hat die faschistische und stalinistische Erziehungsarbeit ebenso beigetragen wie die infantile "Wir sind alle potenzielle Unternehmer und deshalb sind Gewerkschaften Scheiße" bzw. "14-Stunden-Arbeitstag ist cool, was bin ich ein Held"-Haltung der Generation Illies.



QED: Es gibt ein Recht auf Faulheit, und es lohnt, darum zu kämpfen.
Re: Vor(computer)bildhaft: Vom Bürostuhl direkt in den Sarg gekippt! (noergler)
Arthur Jensen ist nicht verwandt und nicht verschwägert mit meinem Praktikanten und Interviewer Jens C. Jensen. Darauf lege ich Wert.
Re: Vor(computer)bildhaft: Vom Bürostuhl direkt in den Sarg gekippt! (noergler)
Ganz richtig, ich hatte dabei jedoch eher an die seinerzeitige lohnkostenfreie Tätigkeit von Häftlingen in deutschen Betrieben gedacht. Interessant dabei ist übrigens, dass dieser standortstärkende Gedanke von der Industrieseite kam, und die SS zuerst Nein sagte, da die Vorstellung, diese Inhaftierten könnten in unserer deutschen Qualitätsindustrie nützliche Arbeit leisten, der Ideologie des "Untermenschen" diametral zuwider lief. Als die CEOs jedoch erläuterten, was das für ein Riesengeschäft für die SS wäre, ließ man sich breitschlagen – eine frühe Form der Arbeitnehmerüberlassung durch eine Zeitarbeitsfirma.
Re: Vor(computer)bildhaft: Vom Bürostuhl direkt in den Sarg gekippt! (AppKiller)
Ich bin, als Angehöriger einer damals wie heute verfolgten Minderheit, ohnehin dafür - nachdem alle NS-Verfolgten in Berlin nunmehr ihr eigenes Mahnmal bekommen anstelle eines einzigen, zentralen - die längst überfällige Gedenkstätte für die Arbeitsscheuen einzurichten.



Wer denkt an uns, gerade in der heutigen Zeit?!?
Re: Vor(computer)bildhaft: Vom Bürostuhl direkt in den Sarg gekippt! (noergler)
Du hast recht, AK: mal wieder kein Schwein.

Im KZ hatten die wenigstens noch ihre eigene Hollerith-Kodierung!
Re: Vor(computer)bildhaft: Vom Bürostuhl direkt in den Sarg gekippt! (che2001)
Da war seinerzeit der Tunix-Kongress zumindest von der Grundidee her ein erster zaghafter Schritt. Dabei läuft doch die ganze Durchrationalisierung im Endeffekt nur auf eins raus: Arbeit überflüssig machen. Wo bleibt denn die Arbeiterbewegung, die Arbeitslosigkeit bei vollem Lohnausgleich fordert? Die Roboter rund um die Uhr schaffen lassen und die Leute dafür bezahlen, dass sie nicht arbeiten = maximale Produktivität bei hoher Binnennachfrage und maximalem Konsum. Weiterarbeiten am Freizeitpark Deutschland!
Da war doch noch was? (ENOTTY)
Genau.



Die http://www.abmahnwelle.de/cm/getfile.php?cm_s=1&cm_path=/markeng/wdr&cm_file=villa.html"> Leidensgeschichte [www.abmahnwelle.de] des http://www.dl2mcd.de/index.html"> Wolf-Dieter Roth [www.dl2mcd.de], der dem sicheren Tod bei den http://www.indigo.de/unser_programm/titel/2008/"> Sklavenhändlern [www.indigo.de] von Computerbild gerade noch von der Schippe gesprungen ist.





Die Villa und ComputerBILD - Beate Uhse gegen Springer

von Wolf-Dieter Roth



Als ich mich 1998 von einem Headhunter zu Axel Springers ComputerBILD locken ließ, war ich noch so naiv, zu glauben, das sei eine besondere Ehre. Dabei werden Headhunter normalerweise dann eingesetzt, wenn man anders keine Leute für einen Job findet.

ComputerBILD hatte nur zwei Nachteile: Es war in Hamburg - und es war bei Springer.



Hamburg als Stadt ist eigentlich sehr angenehm. Die Leute sind freundlich, man gewinnt schnell Freunde, das Wetter ist allerdings zum Wegwerfen ("Woran merkt man in Hamburg, daß Sommer ist? Der Regen wird wärmer!"). Für mich war lediglich der Umzug ein Drama:



Zunächst war die vom Verlag engagierte Umzugsfirma etwas ungeschickt: sie waren trotz vorherigem Check der Örtlichkeit mit einem Fahrzeug angerückt, das nicht durch die Einfahrt paßte und mußten daher alle unsere Sachen 200m zu Fuß schleppen. Das führte zu Verstimmung. Als sie dann irgendwann beim Einpacken auf einen längst vergessenen Stapel alter Kataloge von Beate Uhse & Co. stießen, sahen sie ihre Chance: sie waren ob des obszönen Materials völlig empört (es war übrigens kein Bayrisches, sondern ein Hamburger Unternehmen!) und drohten meinem armen Vater, der den Umzug in München beaufsichtigte (ich war ja in Hamburg an meinem Arbeitsplatz), dieses Material Springer vorzulegen und sich über mich zu beschweren, "weil ich so ein Ferkel sei".



Nun konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß ein paar Beate-Uhse-Kataloge im liberalen Hamburg irgendeinen Skandal auslösen. Trotzdem macht sich sowas in der Probezeit nicht gut. Also zahlte ich notgedrungen jedem der drei in München beteiligten Packer die geforderten 100 Mark Trinkgeld. Daß ich den nur in Hamburg mithelfenden restlichen Kollegen, die wesentlich freundlicher waren, aber auch noch Trinkgeld gab (wenn auch weniger), führte dann gleich wieder zu Stunk: nein, die hätten gefälligst nichts zu bekommen, die wären ja schließlich nicht diesem üblen Zeug ausgesetzt gewesen...



Daher der Tipp: Wenn Sie umziehen, überlegen Sie sich vorher, in welche hintere Ecke welchen Schranks Sie den "Schweinkram" geschmissen haben und geben Sie das Zeug in die Altpapiersammlung oder verpacken es selbst, bevor die Umzugsfirma kommt. Mit den 300 Mark Schweigegeld konnte ich noch leben, aber daß mein Vater so in Panik versetzt worden war, mußte wirklich nicht sein. Ein Umzug ist auch so schon stressig genug.



Der Springer-Verlag war dagegen stets sehr hilfsbereit und korrekt - völlig anders als sein seit Günter Wallraffs "Der Mann, der bei BILD Hans Esser war", einschlägiger Ruf. Was allerdings unfaire Abläufe in den einzelnen Redaktionen nicht verhindern kann.



Tatsächlich waren die ersten drei Monate bis zum Umzug auch positiv. Dann allerdings kam der zweite Ärger mit Beate Uhse. Nein, diesmal waren es nicht ihre Kataloge, sondern ihr Sohn!



Wir hatten uns alle bereits vor dem Umzug eine üble Grippe eingefangen, die umging. Mein Kollege - eigentlich ein Arbeitstier - lag mit Lungenentzündung im Bett. Meine Partnerin ebenso. Ich mußte mit 39° Fieber in die Arbeit. Das führte leider zum Verschleppen der Grippe.



Dementsprechend schlecht ging es mir, als mir der inzwischen wiedererschienene Kollege einen Text zum Bearbeiten rüberreichte. Es ging um alberne Gewinnspiele unter teuren 0190-Telefonnummern. Um den Text abzurunden, wollte ich noch etwas über die "Villa" einfügen - ein computergesteuertes Audiosystem. Dies war einst von einem der Gründer des Chaos Computer Club entwickelt worden und weit besser als alle im Text erwähnten Systeme. Ich stellte es also als die "Urmutter" diese Systeme vor. Da alle anderen eher zweifelhaften Systeme mit Telefonnummer angegeben waren, wollte ich natürlich auch die der Villa angeben - es wäre ja unfein gewesen, das beste System zu verschweigen. Doch die Telekom-Telefonauskunft sagte nur "Tut mir leid, uns ist keine Nummer mehr bekannt - der Eintrag wurde abgemeldet. Die 'Villa' gibt es nicht mehr!".



Genau so schrieb ich es dann auch. Mein Kollege "verschärfte" den Text später noch etwas. Und damit war meine Karriere bei ComputerBILD sehr überschaubar geworden:



Die Villa gab es nämlich schon noch. Sie wird von einem Sohn oder Enkel von Beate Uhse betrieben. Allerdings stand sie tatsächlich nicht mehr im Telefonbuch und wurde nur noch durch Kleinanzeigen beworben. Tatsächlich kann man die Nummer nur erfahren, wenn man den Betreiber Audioland ausfindig macht (allein hierzu braucht man mehr journalistischen Spürsinn, als ich mit meinem Fieber damals noch hatte) und dann dort anruft und nachfragt. Nachdem zwischen den Häusern Axel Springer und Beate Uhse bereits seit Jahrzehnten juristische Kriege toben, gab es sofort Zoff: Audioland behauptete, durch die unrichtige Behauptung in meinem Text, die Villa gäbe es nicht mehr, sei ein lukrativer Verkauf geplatzt, ließ die Verbreitung der betreffenden ComputerBILD-Ausgabe per einstweiliger Verfügung stoppen und verlangte 100.000 Mark Schadensersatz.



Diesen Vorfall verzieh mir Harald Kuppek, der Chef von CompterBILD, nie: Er wollte sich von mir sogar die 100.000 Mark wiederholen (was ihm der Verlag untersagte) und fortan betrugen meine Arbeitszeiten 16 Stunden täglich, 6 Tage die Woche. (Am Sonntag waren es nur 12 Stunden, da man erst nach dem Mittagessen erscheinen mußte). Mir ging es innerhalb des folgenden halben Jahres gesundheitlich immer schlechter, jede Oma überholte mich auf dem Bürgersteig mit links.



Schließlich wollte ich einen Arzt aufsuchen, das verbot mir jedoch der stellvertretende Chefredakteur Eugen Schmitz, dazu sei keine Zeit, ich sei unabkömmlich. Daraufhin suchte ich den Betriebsarzt im Haus auf, weil das unauffällig in 15 Minuten möglich war. Der wollte mich krank schreiben. Das wollte ich nicht, weil dann ja der verbotene Arztbesuch aufgekommen wäre, ich wollte nur wissen, was mit mir los ist und ggf. ein Medikament und dann schnell zurück an den Arbeitsplatz.



Das war ein Fehler, ich wurde anschließend zu einer 23-Stunden-Schicht verdonnert (9.30 bis 8.30 den nächsten Morgen). Danach sah ich keine Chance, nun auch noch einen weiteren regulären Arbeitstag durchzustehen und schleppte mich daher wieder zum Betriebsarzt, um das Angebot des vorherigen Tages auf Krankschreibung wahrzunehmen und mich einen Tag ins Bett zu hauen. Doch der Doktor war um 8.30 noch nicht im Haus. Seine Assistentin empfahl mir einen Arzt einige Straßen weiter. Dieser machte einige Tests, kam schwer ins Grübeln, weil die meisten meiner Blutwerte völlig chaotisch außerhalb der Toleranz lagen, ohne daß er eine Ursache fand und schrieb mich unter Protest nicht nur für den aktuellen Tag krank, sondern gleich für die nächsten 2 Wochen.



Als ich auch nach 3 Tagen noch keine Energie hatte, das Bett zu verlassen, sah ich ein, daß die 14 Tage Krankschreibung wohl ihren Sinn hatten. Nach deren Ablauf und meiner Rückkehr ins Büro erklärte man mir, daß es besser sei, sich zu trennen, weil mein Einsatz völlig ungenügend sei. Ich stimmte diesem Vorschlag zu, wenn auch aus anderen Gründen. Daß 23 Stunden am Stück ungenügend seien, das konnte ich mir nicht einmal bei Springer vorstellen und das wäre vor einem Arbeitsgericht wohl kaum so durchgegangen. Aber die "tolle Atmosphäre" in dieser Redaktion - eine typische Begrüßung der Redakteure in der Morgenkonferenz lautete beispielsweise "Das liefe hier viel besser, wenn ich euch alle rausschmeiße und das selber mache!" - hatten zusammen mit den nicht nur für mich, sondern allgemein unmenschlichen Arbeitszeiten mein Interesse an dieser Art von Tätigkeit erlöschen lassen. Ein Kollege war 3x mit dem Notarzt abgeholt worden, bis er endlich "freiwillig" kündigte - so weit, daß man mich im Zinksarg aus der Redaktion trägt, wollte ich es nicht kommen lassen.



Anschließend besuchten wir die Familie meiner Partnerin in den Staaten. Dabei kam auch heraus, warum ich so k.o. war: die Grippe vom Frühjahr brach nach dem Flug wieder in voller Blüte aus, ich war sie nämlich die ganze Zeit gar nicht losgeworden. Ich hatte natürlich gedacht, es hätte an den Arbeitszeiten und der "guten Atmosphäre" gelegen. Und so weit weg vom Zinksarg war ich gar nicht gewesen, denn ein sehr netter Kollege von mir ist genau an dieser Kombination (verschleppte Grippe & lange Arbeitszeiten) am Arbeitsplatz zusammengebrochen und verstorben, ebenso wie der Mann einer Freundin, der ebenfalls wegen verschleppter Grippe am Arbeitsplatz einen Herzschlag erlitt und trotz Krankenhaus um die Ecke (der Notarzt war innerhalb von 3 Minuten da!) nicht gerettet werden konnte. Meine Partnerin behielt von der zu spät erkannten und behandelten Lungenentzündung ebenfalls Erinnerungen: heute führt jede Erkältung bei ihr zur asthmatischen Bronchitis und wir hätten uns viel erspart, wenn ich mich damals mehr um sie und weniger um die Arbeit gekümmert hätte. Doch eine Partnerschaft ist heute am Arbeitsmarkt unerwünscht - Harald Kuppek sagte mir bereits "Was? Freundin? Davon stand aber nichts im Arbeitsvertrag - das hindert Sie ja am vollen Einsatz bei uns!!!" (sollte damals wohl witzig sein - ich werde darüber lachen, wenns mal paßt) und ein späterer Chef kommentierte mangelnde Konzentration meinerseits - ich hatte Robin gerade mit einer Lungenembolie ins Krankenhaus gebracht, Sterblichkeitsquote 30%, und war demensprechend in Sorge - mit "das ist doch eine Ausrede".



Die Grippe wurde ich schließlich los. Was blieb, waren 50.000 Mark Miese, weil ich unsere Münchner Eigentumswohnung wegen des Springer-Jobs mit Verlust verkauft hatte und so den Kredit (die Wohnung war ohne Eigenleistung finanziert worden) nicht komplett tilgen konnte. Außerdem war die Joblage in Hamburg schlecht. Daher renovierten wir erst einmal meine Website http://www.wdr.org, füllten sie mit den später beanstandeten Inhalten und ich arbeitete selbstständig weiter, da ein Rückumzug nach München für mich aus Eigenmitteln nicht finanzierbar war. Es gab auch einige Joboptionen, beispielsweise die ziemlich neue Internet-Firma Kabel New Media oder das Unternehmen Management Data, das bereits seit 15 Jahren Software für Rundfunkstudios entwickelte und kurz vor dem Börsengang stand. Es war 1999, da ging jeder an die Börse. Beide Firmen sind heute bekanntlich bankrott, doch daran bin ich unschuldig: die Jobs dort realisierten sich nicht mehr, der Ruf zur PC-ONLiNE war schneller.



Nach ComputerBILD hatte ich mir geschworen, dem Journalismus fernzubleiben. Warum, ist wohl nachzuvollziehen. Doch Frank Kemper, den ich schon einige Jahre kannte und dem ich eigentlich nur zu seinem Posten als stellvertretender Chefredakteur bei PC-ONLiNE gratulieren wollte, bot mir den offenen Posten des leitenden Redakteurs Ressort Test & Technik an und klopfte mich weich. Innerhalb einer Woche hatte ich in München einen möblierten Hasenkäfig angemietet (16qm, 850 DM warm) und arbeitete bei Vogel. Meine Partnerin blieb wähenddessen in Hamburg, ebenso wie mein Computer und auch die Post: Der Hasenkäfig in einem Appartmenthaus mit ca 250 weiteren Hasenkäfigen hatte auch nur einen ebenso kleinen Briefkasten, in den mein tägliches Postaufkommen (ca. 50 Pressemitteilungs-Drucksachen plus größere Dinge wie Zeitschriften, Prospekte etc.) nie gepaßt hätten. Ein Umzug innerhalb der Probezeit war für mich nach der Erfahrung mit ComputerBILD nicht mehr geplant; zudem ist die Wohnungssituation in München nach wie vor schwierig.



Zum 15.3.2000 war es dann schließlich doch soweit: wir zogen zurück nach Bayern. Die Umzugsfirma war diesmal nett, dafür schusslig: Beim Öffnen des LKW fielen ihnen etliche Kisten direkt entgegegen, die keiner auffing. Ich durfte mich dann mit der Versicherung um diese Dinge streiten. Das Geld sah ich allerdings nicht, denn die Versicherung zahlte es nicht an mich (auch wenn ich über mehrere Monate die Korrespondenz am Hals hatte), sondern an die Umzugsfirma, mit dem Auftrag, es mir auszuzahlen - und die machte postwendend pleite. Naja, man kann halt nicht alles haben. Der Vogel-Verlag erstatte mir das immerhin später, weil er diese Umzugsfirma beauftragt hatte. Also alles eigentlich im normalen Bereich.



Wäre da nicht auch noch diese Sache mit dem westdeutschen Rundfunk gewesen, weshalb der ganze Schmarrn nun überhaupt hier steht. Springer hatte mich nämlich eigentlich gebeten, über die Beate-Uhse-Affäre (die Villa, nicht die Kataloge) Stillschweigen zu bewahren. Und Springer kennt gute Anwälte. Aber da bei mir nun ohnehin nichts mehr zu holen ist (die müßten sich hinten anstellen - der Rundfunkanwalt Dr. Krings teilt schließlich mit niemanden), wäre es inzwischen unlukrativ, mich zu verklagen. Für mich ist das Kapitel ComputerBILD auch abgeschlossen und der Springer-Verlag selbst hat sich stets sehr korrekt verhalten. Es sollte aber den Kollegen eine Warnung sein, was ein eigentlich gut gemeinter Artikel einem so einbrocken kann, auch wenn ein Redakteur nicht direkt finanziell für solche Dinge herangezogen wird.



Wo Springer und ComputerBILD allerdings noch eine größere Rolle spielen, ist wieder einmal das Kürzel WDR. Das hatte ich bei ComputerBILD ebenso bekommen wie in allen Redaktionen zuvor, und dazu die E-Mail-Adresse wdr@computerbild.de. Harald Kuppek, der ComputerBILD-Chef, war davon total begeistert - es war noch vor dem Villa-Vorfall -, erzählte gar jedem, das Kürzel sei seine höchstpersönliche Erfindung und schrieb im Editorial der ComputerBILD unter anderem "Nun hört WDR nur noch NDR".



Wenn "der WDR jetzt für ComputerBILD arbeitet" und dies auch in Millionenauflage bekanntgegeben wird, sollte man annehmen, daß dies ein größeres Markenrechtsproblem sei, als wenn ich "wdr" in meiner E-Mail-Adresse verwende. Doch verbinden den westdeutschen Rundfunk und das Haus Springer freundschaftliche Bande seit dem Tag, an dem dieser den Fernsehfilm zum bereits erwähnten Wallraff-Buch aus dem Programm des deutschen Fernsehens kippte. Jeder kennt die zwei Fälle "Scheibenwischer" und "Die Konsequenz", in denen sich der bayrische Rundfunk aus dem ARD-Gemeinschaftsprogramm ausklinkte, aber daß der westdeutsche Rundfunk sich im Fall "Der Mann, der bei BILD Hans Esser war" nicht bloß ausklinkte, sondern die Sendung komplett absetzen ließ, wird gerne vergessen. Und so ergibt sich die auch von der Kammer 33 ausdrücklich bestätigte Situation, daß der Werbespruch "der WDR arbeitet jetzt für ComputerBILD" markenrechtlich völlig unbedenklich war, meine poplige Homepage dagegen "die Marke verwässert", den Ruf beschädigt und die ganze hochwürdige Anstalt in Frage stellt. Tja, alle Menschen sind gleich, aber manche halt etwas gleicher...



Und schließlich ist ComputerBILD und der Springer-Verlag der Grund, warum meine Website im März 2000 überhaupt noch in dieser Form existierte, die dem westdeutschen Rundfunk das Gewinnen des Prozesses erleichtertern sollte. Sinn machte sie in dieser Form ja schon seit Oktober 1999 nicht mehr. Doch war sie in dieser Aufmachung von Springer "abgesegnet" worden und angesichts täglicher intensivster Überwachung (ich hatte von asv.de zeitweise mehr Zugriffe als von aol.com und t-online.de, also den beiden wichtigsten Massenprovidern, zusammen!) hatte ich nicht gewagt, sie zu überarbeiten, denn wirklich wichtig war sie für mich im Gegensatz zu den Mailadressen ja nicht und Ärger wollte ich schon gar nicht.



Der Anlaß für diese akribische Überwachung hatte allerdings nichts mit mir zu tun, sondern mit einem Vorfall im Dezember 1998 - kurz, nachdem ich diese unheiligen Hallen verlassen hatte. Da ging nämlich einem anderen Kollegen der Hut hoch und er stellte eine "Insider-Story" über Vorgänge aus der Redaktion anonym ins Internet. Das wäre vermutlich ein etwas riskanter Insider-Witz der Redakteure geblieben, doch der Branchen-Dienst "Kress" bekam Wind von der Sache und berichtete darüber. Die Folgen in der Redaktion lagen kurz vor Mord & Totschlag, doch der "anonyme Schmierfink" (so einer der geouteten Chefs) ließ sich nicht ermitteln und da fast jeder Mitarbeiter genug Anlaß zu dem Pamphlet gehabt hätte, war prompt auch jeder verdächtig. Von da an wurde von Springer das Internet und die privaten Homepages der (auch ehemaligen) Mitarbeiter mit Argusaugen überwacht. Daher habe ich auch einige Jahre vermieden, meine Tätigkeit für ComputerBILD zu erwähnen. Mittlerweile ist es mir egal, da auch die Gegenseite nicht still gehalten hat. Außerdem ist es auch etwas albern, etwas zu verschweigen, das unter dem Stichwort "WDR hört nun NDR" einst in Millionenauflage verbreitet wurde, wie ja schon ein Besucher meines Gästebuchs bemerkte.



Es ist halt etwas blöd, weil ich lange um den heißen Brei herumgeredet habe aus Angst vor Springer - aber wie man sieht, hat das erst neue Probleme geschaffen, war also der falsche Weg. Auch will ich natürlich den Eindruck vermeiden, ein passionierter Jammerlappen, talentierter Fettnäpfchentreter oder chronischer Pechvogel zu sein. Aber es kommt halt manchmal einfach eins zum anderen.






Re: Da war doch noch was? (AppKiller)
Danke!! Jetzt wird mir so einiges klar...
Re: Da war doch noch was? (che2001)
Wow, wenn ich das mit meinen Erfahrungen bei Spiegel, dpa und verschiedenen Stadtmagazinen vergleiche, wo die in meiner Berichterstattung erhobenen Vorwürfe immerhin Straftatbestände umfassten und wo ich mir - als Freier - der Solidarität des Arbeitgebers sicher sein konnte, trotz sparsamer Bezahlung, dann kann ich nach diesem Bericht nur sagen, ich lebte auf einer Insel der Seligen. Und bei Springer sitzen alle in einem Boot. Man kennt die Bauart: Fängt mit G an und hört mit -eere auf.
Re: Da war doch noch was? (noergler)
Über die wdr-Sache hatte der "journalist" mal berichtet; alles andere kannte ich nicht. Sehr gut, dass EN das hier eingestellt hat!



Es überrascht immer wieder, wie es sich noch immer nicht herumgesprochen hat, dass – von menschlichen Aspekten abgesehen, weil die eh nicht interessieren – die Leistung der Beschäftigten und damit die Performance der Organisation sich nicht dadurch optimieren lassen, indem man einen psychopathischen Despoten zum Chef macht.
DER INTRAPRENEUR: Visionen für Dtschld. (HerzSchmerz)
Wenn es nicht so bitter wäre, könnte man lachen:



"Nach dem festen freien Mitarbeiter ... erobert nun der Intrapreneur den Arbeitsmarkt."



http://www.netzeitung.de/arbeitundberuf/visionenfuerdeutschland/272990.html
Re: DER INTRAPRENEUR: Visionen für Dtschld. (ENOTTY)
http://www.avenarius.sk/schopenhauer/parerga2/stil.htm">Was, in aller Welt, soll aus der deutschen Sprache werden, wenn Sudler und Zeitungsschreiber diskretionäre Gewalt behalten, mit ihr zu schalten und zu walten nach Maaßgabe ihrer Laune und ihres Unverstandes?






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