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09:17 Mittwoch, 11. Februar 2004
Nicht nur durch ihre vorbereitende Tätigkeit bei den Schüssen auf Benno Ohnesorg und Rudi Dutschke, auch durch die letale Orientierung ihrer Schlagzeilen wahrte und wahrt "Bild" den Charakter eines Blattes, welches die letzten Fragen der conditio humana immer wieder neu zu stellen weiß.
Dieses Moment der Transzendenz hat nun die Schwesterzeitschrift "Computerbild" unmittelbar erfaßt:
"Bei dieser Titelgeschichte steht erstmals der komplette Name des Autors. Denn einen Tag nach Fertigstellung starb unser unersetzlicher Kollege und Freund ******* an seinem Schreibtisch." Im dezenten Hinweis auf den Ort des finalen Geschehens steckt die Botschaft: Hier arbeiten keine weichvereierten Sozialschädlinge, die mit Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und anderem Sozialklimbim die Lohnnebenkosten hochtreiben, sondern ganze Kerle, für die es nur eins gibt: arbeitsfähig oder tot. Dies entspricht dem Idealbild des Mitarbeiters in Zeiten des Neoliberalismus, nicht nur wegen des völligen Aufzehrens des physischen Trägers der Ware Arbeitskraft durch die Arbeit selbst. Auch die aktuellen Reformdebatten hätten sich der Sache nach erledigt, wenn alle Beschäftigten direkt vom Tagewerk in die Grube fahren würden, statt teure Umwege über Krankentage oder gar die Rente zu gehen. Das dann noch fortexistierende Problem des Lohnes – bekanntermaßen ist der Lohn als solcher standortschädigend – läßt sich durch dessen Abschaffung und durch die Konzentration der Beschäftigten in zentralen Heimstätten lösen. Und die bei Computerbild sozusagen vorgelebte Maxime "Arbeitsfähig oder tot" wäre eventuell noch vorhandenen Arbeitsunwilligen eine Stütze ihrer Motivation. ============================================= Wesentliche Hintergrundinfo über diesen Boo, die mit gelesen werden sollte, findet sich im Forum. -Red Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Re: Vor(computer)bildhaft: Vom Bürostuhl direkt in den Sarg gekippt! (noergler)
Sentinel hualp hat mir über PN gesagt, dass er es nicht machen wolle.
Re: Vor(computer)bildhaft: Vom Bürostuhl direkt in den Sarg gekippt! (che2001)
So ist dieser notwendige Boo nun raus, und er ist eine Meisterleistung. Zwei Anmerkungen dazu:
1) "Das Ende der Lebensarbeitszeit sollte idealerweise mit dem natürlichen Eintreten des Todes zeitlich eng zusammenfallen" (Definition der Lebensarbeitszeit der Reichsarbeitsfront). 2) In "Konkret" wurde die Rürup-Kommission ja schon mal als Mordkommission bezeichchnet und konstatiert, dass die Kürzungen im Gesundheitswesen logischerweise in letzter Konsequenz auf Euthanasie hinausliefen. Meinerseits möchte ich dazu anmerken, dass dem NS-Mordprogramm eine entsprechende, unter demokratischen Vorzeichen geführte Debatte in den zwanziger Jahren vorausging. Das Buch "Die Freigabe der Tötung lebensunwerten Lebens, ihr Maß und ihre Form" erschien in der Weimarer Republik, nicht im NS-Staat, und selbst die Innere Mission und die sozialdemokratische Regierung Preußens vertraten Ende der Zwanziger Euthanasie- und Sterilisierungsprogramme. Die "Rassenhygiene" war Ausfluss der damaligen Humanbiologie. Und wenn wir sehen, wie heute angebliche und bislang unbewiesene Erblichkeit von Charaktereigenschaften und Intelligenz (transportiert durch Wissenschaftler wie Eibl-Eibesfeldt und Arthur Jensen, die in internationalen Netzwerken der Neuen Rechten operieren) als Grundlage von Chancenungleichheit der Menschen herangezogen wird, und dann kommt die Elitendebatte hinzu, also da kriecht schon wieder etwas aus einem Schoß, das wir gut kennen. Ich rede nicht von einer faschistischen Gefahr, aber von der selben Form von Bio-Macht, dem herrschaftlichen Verfügen über Lebensschancen, die dem kapitalistischen Regime schon immer dienlich war und von der der NS lediglich eine unter vielen Äußerungsformen war. Wenn die Menschen die Peitsche ihres Herrn so verinnerlicht haben, dass sie freiwillig auf der Arbeit wegsterben, braucht es keine Diktatur mehr. Und dass es dazu kommen konnte, dazu hat die faschistische und stalinistische Erziehungsarbeit ebenso beigetragen wie die infantile "Wir sind alle potenzielle Unternehmer und deshalb sind Gewerkschaften Scheiße" bzw. "14-Stunden-Arbeitstag ist cool, was bin ich ein Held"-Haltung der Generation Illies. QED: Es gibt ein Recht auf Faulheit, und es lohnt, darum zu kämpfen.
Re: Vor(computer)bildhaft: Vom Bürostuhl direkt in den Sarg gekippt! (noergler)
Arthur Jensen ist nicht verwandt und nicht verschwägert mit meinem Praktikanten und Interviewer Jens C. Jensen. Darauf lege ich Wert.
Re: Vor(computer)bildhaft: Vom Bürostuhl direkt in den Sarg gekippt! (noergler)
Ganz richtig, ich hatte dabei jedoch eher an die seinerzeitige lohnkostenfreie Tätigkeit von Häftlingen in deutschen Betrieben gedacht. Interessant dabei ist übrigens, dass dieser standortstärkende Gedanke von der Industrieseite kam, und die SS zuerst Nein sagte, da die Vorstellung, diese Inhaftierten könnten in unserer deutschen Qualitätsindustrie nützliche Arbeit leisten, der Ideologie des "Untermenschen" diametral zuwider lief. Als die CEOs jedoch erläuterten, was das für ein Riesengeschäft für die SS wäre, ließ man sich breitschlagen – eine frühe Form der Arbeitnehmerüberlassung durch eine Zeitarbeitsfirma.
Re: Vor(computer)bildhaft: Vom Bürostuhl direkt in den Sarg gekippt! (AppKiller)
Ich bin, als Angehöriger einer damals wie heute verfolgten Minderheit, ohnehin dafür - nachdem alle NS-Verfolgten in Berlin nunmehr ihr eigenes Mahnmal bekommen anstelle eines einzigen, zentralen - die längst überfällige Gedenkstätte für die Arbeitsscheuen einzurichten.
Wer denkt an uns, gerade in der heutigen Zeit?!?
Re: Vor(computer)bildhaft: Vom Bürostuhl direkt in den Sarg gekippt! (noergler)
Du hast recht, AK: mal wieder kein Schwein.
Im KZ hatten die wenigstens noch ihre eigene Hollerith-Kodierung!
Re: Vor(computer)bildhaft: Vom Bürostuhl direkt in den Sarg gekippt! (che2001)
Da war seinerzeit der Tunix-Kongress zumindest von der Grundidee her ein erster zaghafter Schritt. Dabei läuft doch die ganze Durchrationalisierung im Endeffekt nur auf eins raus: Arbeit überflüssig machen. Wo bleibt denn die Arbeiterbewegung, die Arbeitslosigkeit bei vollem Lohnausgleich fordert? Die Roboter rund um die Uhr schaffen lassen und die Leute dafür bezahlen, dass sie nicht arbeiten = maximale Produktivität bei hoher Binnennachfrage und maximalem Konsum. Weiterarbeiten am Freizeitpark Deutschland!
Da war doch noch was? (ENOTTY)
Genau.
Die http://www.abmahnwelle.de/cm/getfile.php?cm_s=1&cm_path=/markeng/wdr&cm_file=villa.html"> Leidensgeschichte [www.abmahnwelle.de] des http://www.dl2mcd.de/index.html"> Wolf-Dieter Roth [www.dl2mcd.de], der dem sicheren Tod bei den http://www.indigo.de/unser_programm/titel/2008/"> Sklavenhändlern [www.indigo.de] von Computerbild gerade noch von der Schippe gesprungen ist.
Re: Da war doch noch was? (che2001)
Wow, wenn ich das mit meinen Erfahrungen bei Spiegel, dpa und verschiedenen Stadtmagazinen vergleiche, wo die in meiner Berichterstattung erhobenen Vorwürfe immerhin Straftatbestände umfassten und wo ich mir - als Freier - der Solidarität des Arbeitgebers sicher sein konnte, trotz sparsamer Bezahlung, dann kann ich nach diesem Bericht nur sagen, ich lebte auf einer Insel der Seligen. Und bei Springer sitzen alle in einem Boot. Man kennt die Bauart: Fängt mit G an und hört mit -eere auf.
Re: Da war doch noch was? (noergler)
Über die wdr-Sache hatte der "journalist" mal berichtet; alles andere kannte ich nicht. Sehr gut, dass EN das hier eingestellt hat!
Es überrascht immer wieder, wie es sich noch immer nicht herumgesprochen hat, dass – von menschlichen Aspekten abgesehen, weil die eh nicht interessieren – die Leistung der Beschäftigten und damit die Performance der Organisation sich nicht dadurch optimieren lassen, indem man einen psychopathischen Despoten zum Chef macht.
DER INTRAPRENEUR: Visionen für Dtschld. (HerzSchmerz)
Wenn es nicht so bitter wäre, könnte man lachen:
"Nach dem festen freien Mitarbeiter ... erobert nun der Intrapreneur den Arbeitsmarkt." http://www.netzeitung.de/arbeitundberuf/visionenfuerdeutschland/272990.html
Re: DER INTRAPRENEUR: Visionen für Dtschld. (ENOTTY)
http://www.avenarius.sk/schopenhauer/parerga2/stil.htm">Was, in aller Welt, soll aus der deutschen Sprache werden, wenn Sudler und Zeitungsschreiber diskretionäre Gewalt behalten, mit ihr zu schalten und zu walten nach Maaßgabe ihrer Laune und ihres Unverstandes?
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