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23:33 Montag, 02. Februar 2004
Nachdem weithin friedliche Einigkeit über das Potenzial von obc in einer Weise besteht, dass entweder der Sieg des Froitzianischen Denkens zu befürchten oder die Teilnahme an einem Ernst-Bloch-Seminar von Oskar Negt zu beklagen ist, scheint es erforderlich, nunmehr Unfrieden zu stiften.
obc reproduziert den NE-Kernfehler jener Träumerei am Kamin, die da glaubte, die Existenz eines technischen Netzes zöge auf mystische Art ein soziales Netz schon nach sich. In allen untergegangenen "Communities" ist dieser Hirnfurz verpufft.
Untergegangen sind auch all die obc-Abkupfervorlagen: die VIP-Bereiche und Management-Lounges, durch "Partner"-Suchfunktionen längst ersetzt, deuten in ihrem Verschwundensein auf die Tatsache, dass die primären Geschlechtsfunktionen www-kompatibler sind, als die sekundären Business-Funktionen es jemals sein werden. Das romanhafte "Steel2net" – in Konzept, Funktion und Scheitern eine 1:1-Darstellung bayerischer Wirklichkeit – zeigt, warum dergleichen nicht funktioniert: Die tradierten und erfolgreichen Netze, kamin- und zigarrenbasiert, geben neoökonomische Versuche der Lächerlichkeit preis. Wie lächerlich obc ist, läßt sich von daher gut beurteilen. Denn obc verspricht gerade ausdrücklich den kurzen Weg zu solchen Beziehungen unter Umgehung sozialer Strukturen und Gegebenheiten. obc stellt sich damit nicht nur in krassen Widerspruch zu allen Forschungsresultaten der Soziologie. Jeder Mensch mit auch nur einem Funken an Lebens- und Geschäftserfahrung sieht sofort, dass die Versprechungen von obc unseriös sind. obc kann nicht liefern, was es verspricht: die Eintrittskarte in die Upper Class. obc ist nicht nur der x-te Aufguß des geplatzten „Community“-Nichtgedankens; es reicht noch weiter zurück: Schon zu einer Zeit, als es das Wort "Internet" noch nicht gab, veranstaltete eine Firma namens "Management Circle" Beratungsveranstaltungen für Manager. Im Publikum tummelten und tummeln sich bis heute verzweifelte Einzelberater, die dort Kundschaft suchen, jedoch nur auf Kollegen treffen, die aus dem gleichen Grunde da sind wie sie selbst: verzweifelte Kundensuche. Dieses Phänomen finden wir ebenfalls auf den Webseiten der Mittelstandsvereinigungen der Bundesländer: Wo auch immer ein Forum eröffnet wird, wird es zugeschissen von Reklame-, PR-, Marketing- und Consultant-Anbietern. Vor diesem Hintergrund erscheint bereits die Bemerkung, es ließe sich "von außen schlecht beurteilen" als von eher schlichter Art. Sagt man gar Mir gefällt aber, was ich sehe, so mag gemutmaßt werden, was dem Auge dieses Betrachters denn irgend noch mißfallen könnte. Wenn eine Sache anläuft, die so schlecht garnicht mal ist, geben wir diese übelriechenden Windeln mitsamt Kind zum Weitersäugen der Mami rasch zurück. Ich finde weder das Konzept schlecht noch die bsiherige Umsetzung, schlampert der nun konsequent in Kommasetzung, Rechtschreibung und Analytik der Situation in fröhlicher Fahrt hinunter bis zum Einzeller, der darob die Welt nicht mehr versteht. Da glotzt die Amöbe und die Alge staunt. Wer nun aber meint, GOttes Schöpfung sei damit bereits in ihrem Anfang erkannt, der werde nun dessen gewahr, wie einer den Schöpfer selbst zurückverfolgt bis an den Ursprung vor allem geistigen Sein. Und also sprach er: ein Business-Modell auf Basis von Finanzierung durch die, die es auch nutzen ... da sehe ich schon gewisse learnings aus der NE. Eine Bemerkung, die auf gewisse learnings aus der NE kaum schließen läßt. Genau so sagte es nämlich die NE selbst: In zehntausenden von ppt-Päsentationen stand die Verheißung, daß am Ende die es zahlen, die es nutzen. Da hinken wir wohl gerade etwas hinterher. Das Problem der NE bestand niemals darin, dass sie nicht auf zahlende Kunden zielte. Das Problem bestand darin, dass die nicht kamen. Auf gut idealistisch und schlecht Hegelianisch hatte man unterstellt, dass das Bewußtsein des Konzepts das Sein der Nutzer bestimmt. Daran scheint sich bis heute soviel nicht geändert zu haben. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
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