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21:44 Mittwoch, 21. Januar 2004
Profis im PR-Purgatorium: In der Schlammschlacht zwischen Jung von Matt und BBDO wird mit Dreck geschmissen. Jetzt droht das außer Kontrolle zu geraten. Die Branche hat Angst vor Matschflecken auf dem Designerfummel. Holger Jung könnte am Ende alt aussehen.
Die von Jung erhobenen Vorwürfe, BBDO baggere mit unmoralischen Umsonstangeboten an seiner Kundschaft rum, wurden von CEO Rainer Zimmermann empört zurückgewiesen. Man habe lediglich ein sehr günstiges Angebot unterbreitet. Günstig, weil Sixt Kunde der BBDO Junior Academy werden sollte und gleich auch noch was Repräsentatives für den Fuhrpark der Werbelaffeln bereitstellen könne.
Pikant: Der außerordentlich pikierte Herr Jung und der dadurch diskredierte Herr Zimmermann sitzen beide im Vorstand des Gesamtverbandes Kommunikationsagenturen (GWA). Den Sandkastenstreit der GWA-Granden sollte nun Vorstandskollege Gerhard Mutter schlichten. Leider waren Mutters Versuche nicht von Erfolg gekrönt. Jetzt müssen die Streithanseln vor den Ältestensrat. Inzwischen bemäkeln Branchenvertreter, der Verband trage wenig zur Aufklärung bei. Erste Befürchtungen werden laut, die Affäre könne sich zu einem ernsten Imageproblem für das ganze Gewerbe ausweiten. Das ganze sei eh nur die Spitze des Eisbergs: Agenturen würden es für Referenzkunden gerne mal für lau machen, berichtet die W+V unter Berufung auf ungenannte Insider. Da dürften sich die nicht referenzwürdigen Kunden wohl fragen, ob sie mit ihren horrenden Werbeetats nicht möglicherweise die eigene Konkurrenz subventionieren. Oder für von ausgebeuteten Praktikanten zusammengehauene Pitches bezahlen, während die Top-Kreativen umsonst (gut, vielleicht für einen TT aus dem Sixt-Parkhaus) für ihre Aushängekunden anschaffen gehen. Derweil wird auch Racheengel Jung angeschossen. Der Verband der Auftragskomponisten meldet sich in einer bei Jung von Matt und verschiedenen Branchenpublikationen eingegangen E-Mail zu Wort. Darin wird Jung von Matt vorgeworfen, Komponisten nicht für ihre Arbeit zu bezahlen. Jung selbst hält das für die Aktion eines Trittbrettfahrers. Seine Ausführungen im Kontakter rücken das von der Branche ungeliebte Thema der Gratis-Pitches wieder ins Blickfeld: "Wenn ich den Vorwurf des Composer's Clubs richtig verstehe, geht es darum, dass Jung von Matt im Auftrag eines Kunden einen Komponisten im Vorfeld umsonst arbeiten lasse. Aber nicht darum, dass im Falle einer Beauftragung für einen Kunden und Verwendung dessen Ideen der jeweilige Komponist leer ausgehen soll. Das ist kein feiner, sondern ein gravierender Unterschied!" Für Jung ist es also völlig in Ordnung, wenn hochspezialisierte Freiberufler ihre Arbeitsleistung zur Verfügung stellen und nur dann bezahlt werden, wenn es auch zu einer Verwertung des Materials kommt. Das ist wohl Usus in der Branche, wie man hier so liest. Ob Cayenne-Chef Wilfried Klanke auch diese Praxis meinte, als er die GWA aufforderte, mehr zu richten und weniger unter den Teppich zu kehren? Der gravierende Unterschied hier, Herr Jung, ist der zwischen oben und unten: Große Agenturen können sich Umsonstarbeit für Referenzkunden leisten, weil sie unter anderem für von Dritten erarbeitete Vorschläge nicht mehr löhnen. Freiberufler und kleine Dorfagenturen mit weniger Ressourcen kommen so schnell unter die Räder. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Schlammcatchen der Nutten (foolDC)
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