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11:22 Freitag, 12. Dezember 2003
Daß man gewisse Waren und Dienstleistungen jenseits der böhmischen Grenze billiger kriegt, das wissen die Leut' in Bayern schon lange.
Wir sind schließlich schon 1991 von Regensburg aus nach Prag gefahren, um das Pet-Shop-Boys-Konzert anzugucken und Zigaretten zu kaufen (Gnade!! Wir waren jung und wußten nicht, was wir taten!). Von den zahlreichen entgegenkommenden Personen jeden erdenklichen Geschlechts schon mal ganz abgesehen.
Jetzt haben wir Ende 2003, und diese Neuigkeit ist sogar in München bei den Siemens-Bossen angekommen. Wie die Financial Times Deutschland heute freudig herumposaunen läßt (alle halbe Stunde auf Klassik Radio), hat Siemens jetzt angesichts dieser ungeheuren neuen Möglichkeiten erklärt, alle Arbeitsplätze in Bereichen wie Softwareentwickung und Buchhaltung, die nicht niet- und nagelfest sind, nach Osteuropa auszulagern, sobald Tschechien und noch paar nette kleine Länder da in der Gegend nächstes Jahr der EU beigetreten seien. Infrastruktur, Sprachkenntnisse und Ausbildungsstand seien ganz hervorragend, so daß man für einen Bruchteil der Kosten die selbe Qualität erwarten könne. Ich nehme an, einige Siemens-Manager haben eine kleine Dienstreise nach Prag unternommen und qualitätvolle Dienstleistungen auf Spesenkonto derartig günstig bekommen, daß sie die gelegentlichen Abstecher zu einer luxussanierten Altbauwohnung mit Moldau-Blick, die für einen lächerlichen Preis hergeht, samt allen anderen Annehmlichkeiten der Infrastruktur, unbedingt zur Dauereinrichtung erheben wollen. Irgendwelche unrenovierten Jungpionier-Heime in der Hohen Tatra, die ich den Herren von Herzen gönnen würde, bleiben wohl nur dem einheimischen Personal vorbehalten. Der äußerst auskunftsfreudige Sparkassen-Fuzzie aus der bayerischen Provinz erklärte mir neulich lang und breit am Telefon, immer mehr der intelligentesten Leuten fielen aus den Organisationen heraus und würden zu Ronin. Nun, jetzt kriegen wir Gesellschaft von einer ganzen Menge sicherheitsbewußter, langweiliger Ex-Siemensianer, die verstört auf den Straßen herumirren werden. Demnächst gibts dann also in München und anderen Siemens-Standorten ehemals hochbezahlte Softwareentwickler an jeder Ecke zu haben, die für paar Euro absolut alles machen, nur um ja nicht mit den Leasingzahlungen für ihren Z3 in Rückstand zu geraten. Von den Ex-Buchalterinnen mal ganz zu schweigen, die in ihren schicken kleinen Miatas dann ganz andere Jagdgründe durchstreifen müssen, denen tschechischen Kolleginnen dank Siemens glücklich endgültig von der Schippe gesprungen sind... Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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