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15:50 Dienstag, 25. November 2003
Es war schon immer etwas verhängnisvoller, "Planet" zu heißen. Nicht nur das ökologisch gestimmte Stillegruppenmitglied ("Zukunft unserer Kinder" – drauf geschissen) weiß hiervon zu sagen und zu singen: Auch DCT notiert beständig Planetenplanierungen all der P.-Internets, -aktives und -Dreiunddreissigs.
Noch im Sommer hatte man für den jetzt entrückten größten "Planet"-Kunden DAK eine millionenschwere Printkampagne entwickelt.
Wahrworte vom Planeten I Planet Communications werblich über Planet Communications auf planetcom.de: Jetzt wird abgespeckt. Deshalb schmeißen wir überflüssige Pfunde und Nebensächlichkeiten radikal über Bord. Und beschränken uns aufs Wesentliche. Gesagt, getan: TBWA-Radikalinski Perry Valkenburg schubst die im Sommer 1999 gegründete Agentur über die Planke, nachdem die planetarischen Texter in Hauptsätzen auch schon mal ohne Subjekt ausgekommen waren. Schneller von 0 auf 100 und zurück: Bei Planet geht alles ein bißchen schneller meinte auch Perry. Er weiß: Die gehören zwar zur größten Agentur-Gruppe der Welt, der Omnicom, legen aber Wert auf kleine, flexible Einheiten, die mit nur geringer Feuerkraft leicht zu versenken sind, in diesem Fall, Bummbumm, zu 31. Dezember. Der sprachlogische Blödsinn, daß Planet selbst Wert auf kleine Einheiten lege, so, als sei sie nicht selber eine dieser Einheiten, wird gleich mitversenkt. Das heißt für Sie: Sie sparen Zeit und Nerven, aber wem sagen wir das, Herr Valkenburg. Was Sie zu sagen haben, kommt garantiert da an, wo es auch verstanden und umgesetzt wird. Jau. "Dotcomtod, Jensen, Guten Tag!" Da Fragen offenblieben, muß Fon-Knecht J. C. Jensen ran, man hat ja seine Leute. Bei Planet in Hamburg will man ihm nichts sagen. Äußerungsverbot? Nein, selbstverständlich nicht, nur ist es halt so, sagt die sehr junge, sehr weibliche Stimme, daß nur Herr Ulrich Pröschel von TBWA Düsseldorf was sagt. Aah, ja. Und die Stimmung? Nein, auch dazu keine Äußerung. In Düsseldorf erfährt JCJ, daß Herr Pröschel sich gerade bei TBWA Hamburg aufhält. Pröschel firmiert als "Director Marketing und Kommunikation", wobei auf der TBWA-Website die unterschiedliche Schreibweise von "Director" (engl.) und "Kommunikation" (dt.) irritiert. Das hat wohl der Texter von Planet gemacht. Durchwahl, Pröschel ist direkt dran, unterbricht gleich lachend: "Dotcomtod, die kenne ich, ich war mal bei Razorfish, ha, ha!" Jensen, lachend: "Dann muß man Ihnen DCT ja nicht mehr erklären, ha, ha!" (Man beachte, wie geschickt der Interviewer die Gesprächregel umgesetzt hat, derzufolge zuallererst eine gemeinsame emotionale Ebene herzustellen ist!) Pröschel: "Ich verstehe nicht, warum jemand so eine Website macht. Was wollen Sie mit DCT?" J: "Nun, wir sind der führende Anbieter exitorientierter Unternehmensmeldungen und das machen wir dann eben", zitiert Jensen brav aus Nörglers Gesprächsleitfaden. P: "Aber das ist doch nur negativ!" J: "Negativität ist das Core Asset von DCT. Andere lügen positiv, wir bringen das Negative dann konzentriert", weicht Jensen nicht vom Leitfaden ab. Was Ulrich Pröschel tun würde, wenn er noch bei Razorfish wäre P: "Ja, da haben Sie auch wieder recht. Wäre ich noch bei Razorfish, würde ich jetzt Ausflüchte und Beschönigungen bringen." Hoho! Aber bevor die beiden sich mit Vornamen anredeten, kamen dann doch noch die Fragen, die ich dem Jensen aufgeschrieben hatte. Wieso ist die DAK weg? "Die machen regelmäßige Ausschreibungen, damit das nicht passiert wie bei Gerster. Wir haben an der Ausschreibung nicht teilgenommen." J: "Nicht teilgenommen und lieber gleich dichtgemacht?! Wieso denn das?" Keine weitere Äußerung von Pröschel. Wie hoch war das anteilige Volumen des Etats? Keine Aussage. Was geschieht mit den laut Website 36 Mitarbeitern? Es sind 12, sagt Pröschel. Sind die entlassen? "Wir haben uns mit ihnen geeinigt. Sie verlassen das Unternehmen." Gefeuert mit Abfindung? "Wir haben uns individuell geeinigt." Wer übernimmt die Kunden? Geschäftsgeheimnis. Äußerungsverbot für die Mitarbeiter? Nein, aber er, Pröschel, ist nun mal der einzige, der dazu was sagt. Aber wie war das jetzt noch mal mit der DAK? Wieso hat Planet kampflos aufgegeben? Bei einem sehr langjährigen Kunden, erläutert Pröschel nun doch, müsse man "spüren, wie der politische Wind weht." Es habe seitens der Agentur die Wahrnehmung gegeben, daß die DAK sie bei der Ausschreibung nicht mehr berücksichtigen wolle. Außerdem habe man gerade die Techniker Krankenkasse als Kunden gewonnen. Man habe daher eine konfliktfreie Trennung gewollt, da man überzeugt ist, daß dieser zufriedene Kunde sicherlich einmal wiederkommt. Ausgewogen bis zur Selbstpreisgabe: DCT ist der führende Anbieter auch aufbauorientierter Unternehmensmeldungen Es war Herrn Pröschel ein Anliegen, auch dies darzulegen: - Man soll die P. Communications nicht so hoch hängen, da es nur eine "Nebenmarke" zur Vermeidung von Kundenkollisionen war. - In den letzten 24 Monaten hat TBWA in Hamburg durch 9 Neugründungen 180 Arbeitsplätze geschaffen, so daß der positive Arbeitsplatzsaldo zu beachten sei. - Die Schließung von Planet diene der Bestandssicherung dieser anderen in der Gewinnzone agierenden Firmen. Wahrworte vom Planeten II Das Leben ist keine Doppelseite. Na, denn. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Re: Planet Communications – DCT Exklusiv: Gespräch mit Ulrich Pröschel, TBWA (che2001)
Gefeuert? Geeinigt? Ja watt denn? (foolDC)
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