|
|
|
| Erste Seite | Die Idee | Boo melden | Ruhmeshalle | Kommentare | ||
|
Menü
Erste SeiteDie Idee Boo melden Ruhmeshalle Kommentare Newsfeed Forum DCT Archiv Kontakt Galerien
InsiderBoo Final Booshaft Baron eCards Intern Echo Kolumne Presse Bootanischer Garten Login
RegistrierenPasswort vergessen ![]() ![]() ![]() ![]() Blogliste
LanuDon Alphonso Che Hal Faber Pud Girl Strappato Sven Scholz Jens Scholz Thomas Knüwer Dr. Dean Spreeblick Lumma Wirres Markus Grill Sethos Bloghoster
Twoday.netBlogg.de Blogger.de |
14:00 Donnerstag, 23. Oktober 2003
Nach vier Tagen rund um Systems und Medientage kann ich keine Lügen mehr hören. Bevor ich mich beim Empfang noch weiter von wegen Silberstreif am Horizont zutexten lasse, von meist dunkelgrauen Pressemitteilungen auf 2 Beinen, fahre ich zurück in die Provinz. Die ist ein langweiliger, unbeweglicher, stinkender Sumpf voller Fäulnis, und will nichts anderes sein. Gas geben und durch die Nacht hoch nach Norden.
Hochmütig recken sich die Monstrositäten des vergangenen Hypes ins schwarze Nichts, wie die schmerzverzerrten Krallen einer verendeten Kreatur. Der Tod kam nicht von aussen, er war von Anfang an da, er war Teil des Systems und die eigentliche Grundlage dieser unfassbaren Lebensgier der Ideologie, die wir als New Economy bezeichnen. Die Media Centers und Office Buildings ragen aus einem umgepflügten und hastig betonierten Boden empor, als ob darunter noch etwas liegen würde, eine Altlast, ein Leichenacker voll infizierter Kadaver, ein Wiedergänger, dem sie alle wieder zujubeln würden, beim nächsten Marsch auf die Feldherrnhalle oder zur bayerischen Börse, oder vielleicht in die andere Richtung nach Unterföhring, wo der Vernichtungskrieg noch tobt und niemand mehr ist als ein überteuertes Stück Spekulation, das bei erster Gelegenheit einem billigen Praktikanten Platz machen muss.
Auf der Höhe des ehemaligen Kirchkonzerns ist das Tempolimit aufgehoben. Die Munich Area löst sich in marode Autobahnringe auf, in halbfertige Fussballarenen, stinkende Müllberge und überteuerte Forschungsreaktoren. Dann fällt die Stadt ins Dunkel der Nacht zurück, und in der diesigen Luft ist bald nichts mehr vom Lichtdom über dem Zentrum zu sehen. This is the end, my only friend, the end, summe ich mit dem Jim Morrison mit, der aus dem Autoradio ein Gastspiel im Leben gibt. Der 2003er-Beat unter der maulenden E-Gittare hämmert den Wagen hinein in die Asphaltkanüle durch die Holledau, come on Baby take a chance with us, denn hier gibt es keine Chancen mehr, aber da draussen in der Provinz kann man überlegen, was wir getan haben, dass es the end werden konnte. Und wie es weitergehen kann, denn den Krieg um die Ideale der New Economy haben wir verloren, aber die Schlacht in den Kanälen und Kloaken des Netzes ist noch nicht geschlagen. Weiter vorn wird es hell. Eine Aura von blauem und orangen Licht vibriert über der Autobahn, bis es sich auf der Gegenfahrbahn zu Warnleuchten verdichtet, zu Rettungswägen und Strassenräumfahrzeugen. Im Kern strahlen Halogenfluter ein groteskes, rettungslos in die Leitplanke genietetes Insekt an, das vor ein paar Stunden noch ein 7er-BMW gewesen sein muss. Der Kühlergrill ragt mit zerschlagenen Zähnen in das Licht meiner Scheinwerfer, ein Münchner Kennzeichen, und für einen Augenblick sehe ich im gleissenden Schein eine hartes, hoffnungslose Maske von Gesicht, und darunter einen guten Anzug. Wenn der Anzug nach sowas noch gerade sitzt, ist er gut. Aber das hilft nichts, wenn man zu schnell ist. Auf der Spur neben mir kommt ein Porsche angeschossen, bremst kurz ab, wie um der Autoleiche die letzte Ehre zu erweisen, und knallt dann weiter ins Schwarze, der eigenen sinnlosen Vernichtung entgegen, über die Hügel hinunter ins breite Donautal, wo sich neben den strahlenden Raffinerien und Müllverbrennungsanlagen und dem warmen Licht über der Provinzstadt kleine Dörfer im Nichts verlieren. Seit kurzem ist es da unten noch dunkler. Mit Cool Light ist ein weiteres Licht ausgeknipst. In einem dieser Weiler, in Manching mit seinen soliden Kirchen, Maibäumen, dem Militärflughafen und der MBB, würde man nichts weniger erwarten als eine dieser Hightech-Firmen, die sich dem nichtigen Handwerk der New Economy widmen. Cool Light hat es trotzdem versucht, mit einer, nennen wir es mal, Leuchtfolie: Hell, strahlend, flexibel, rollbar, bis zu 3 Quadratmeter gross. Feinste Technologie aus Oberbayern, und per Webshop und English Version gleich für den Weltmarkt positioniert. "Imagine taking a showcase, making it as thin as a credit card, at any dimension possible." Imagine becoming a world market leader. Imagine having customers. Imagine all the possibilities in advertising and modern communication, think of new, bright signs for the cavemen of the internet age, burnig your message in their primitive soul. Dann denkst Du auch nicht an die Krise, in der niemand in grossartigen Schein investiert. Man trägt wieder dezent. Man ist zurückhaltend. Knallig war gestern. Überzeugung macht man wieder mit Lügen statt mit Powerpoint. Cool Light hatte seit 2000 ein gutes Produkt für die Zeit vor 2000. Jetzt haben sie einen Insolvenzverwalter. Einen dieser schmallippigen Provinzanwälte, die mit sowas nichts anfangen können, keine Vitrasessel haben und Autos fahren, deren Besitzer zu 60% für die Wiedereinführung der Todesstrafe sind. Für die der Höhepunkt des gesellschaftlichen Daseins der Standortball ist, und die Mitgliedschaft im Konzertverein. Der ist heute Abend, denn als ich in der Provinzstadt ankomme, strömen gerade festlich gekleidete Spiesser mit zu viel Goldschmuck und Fett aus dem Theater hinunter in die Tiefgarage oder auf den Parkplatz. Die Kulturertragungsstarre ist vorbei, und sie werden jetzt zum Kanonier gehen, zum Rappensberger mit den nach ihrem Verständnis guten Vorspeisenplatten, oder, wenn sie doch noch mit den Künstlern reden wollen, in den Schlosskeller. Oder doch heim vor die Glotze... Die Limousinen tröpfeln wie ein zäher Eiter aus den Wunden des Parkplatzes hinaus in die Nacht, ihre Scheinwerfen entflammen ein paar Meter Asphalt, und aus dem Brummen schwerer Motoren klingt die Zuversicht, dass dahinter in der Dunkelheit eine berechenbare Zukunft ohne Veränderung wartet, mit immer den gleichen Abfolgen von guter Familie, langsamen Aufstieg, Ehe, Kinder, 260qm-Vorstadtvilla, und ein sicherer Platz im Konzertverein. Die moderne Zukunft, die sie nicht wollen, verendet in sinnloser Lichtgeschwindigkeit vor den Toren der Stadt. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Re: Bei Cool Light gehen die Lichter aus, und ich schalte die Scheinwerfer ein. (netbitch)
Re: Bei Cool Light gehen die Lichter aus, und ich schalte die Scheinwerfer ein. (DonAlphonso)
Re: Bei Cool Light gehen die Lichter aus, und ich schalte die Scheinwerfer ein. (che2001)
Re: Bei Cool Light gehen die Lichter aus, und ich schalte die Scheinwerfer ein. (netbitch)
Re: Bei Cool Light gehen die Lichter aus, und ich schalte die Scheinwerfer ein. (DonAlphonso)
|
Mir nach!
![]() Suche
Ältere Artikel
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Sämtliche Logos und eingetragene Warenzeichen sind Eigentum der jeweiligen Besitzer. Für den Inhalt der gemeldeten Nachrichten, der Kommentare und der gesetzten Links, ist der Initiator des betreffenden Beitrages verantwortlich. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||