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17:49 Mittwoch, 09. Juli 2003
Es gab einen stark nach Final klingenden Insider, dessen Dürre die Redaktion zu Recherchen veranlaßte. Die Vermutung, teils stimmt es, teils aber nicht, hat sich bestätigt. Vor allem stimmt das: DCT ist kein Gerüchteportal. Würde Stefan Baron sich bei DCT als Volontär bewerben, er hätte keine Chance. Hier, und nur hier, die Wahrheit über Mercateo.
So lautete der Insider:
"Das Ende naht - 70 % der Mitarbeiter müssen gehen - Finanzierung offen Das wars. Im letzen Qurtal hat man uns gekündigt und merh als 70% werden die Firma zum 30.09 verlassen müssen. Das Internet Business hat nicht funktioniert und passt nicht mehr in die E-on Strategie. Keiner weiss wer die nächste Finanzierungsrunde trägt. Geld gibt es nur noch ein paar Monate. Good bye mercateo.com" So einfach ist das aber nicht bei DCT. Der Insider klang ebenso glaubhaft wie tendenziös, und so machte am morgen des heutigen Tages die Redaktion sich auf, das Gelände zu erkunden. Wir stießen auf die Presseverantwortliche Andrea-Maria Glaser, suchten ihre Nähe. Wir stoßen jedoch auf Alexandra Schild, die erklärt, Andy ist noch nicht im Haus, sie kommt später. Später läuft unter der gleichen Nummer der AB. Dann nochmal Schild: Andy hat Handy. Wie kann es denn sein, frage ich die sympathische Alex, daß die Presseverantwortliche für die Presse nicht zu sprechen ist? Sie arbeite häufig auch zuhause, sagt Alex, und sie sagt auch, sie werde sich bemühen, eine Zuhause-Festnetznummer zu ermitteln. Worum es denn ginge, und ich lese Alex den Insider vor. Dann sagt Alex: Ich habe Ihren Namen nicht verstanden, und ich sage, kein Wunder, ich habe ihn auch nicht genannt. Der gutmütige DCT-Redaktionstrottel läßt sich darauf ein und ruft die Mobilnummer an und landet auf der Box. Wieder Alex. Jetzt bin ich angefressen. „Frau Glaser interessiert nicht mehr. Entweder ich spreche jetzt sofort ein Vorstandsmitglied oder ich schiebe die Meldung durch. Wie die lautet, haben Sie ja gehört.“ Keine Minute dauert es, und Vorstand Dr. Wiesner ist zum Interview bereit. Ich lese ihm den Insider vor. Und ich frage, wieso seine Pressefrau für die Presse nicht erreichbar ist. Wiesner sagt: "70 Prozent Kündigungen sind falsch. Es sind 50 Prozent. Wir haben im Hype zu viele Leute eingestellt. Das war falsch. Die Finanzierung ist gesichert, die Firma ist solide. Es ist furchtbar, so viele Menschen zu entlassen, ich weiß doch, was das heute bedeutet, aber wir kriegen, bei gutem Umsatz und Gewinn, sonst die Kosten nicht in den Griff. Wir haben pro Tag 130 Neukunden. Der Umsatz wächst wöchentlich zweistellig, aber wir haben die ursprünglichen Ziele noch nicht erreicht. Frau Glaser haben Sie nicht erreicht, weil sie zu den Entlassenen gehört. Wir brauchen keine PR, wir brauchen Umsatz. Frau Glaser arbeitet als Freelancer weiterhin für uns." Und jetzt das Wunder, die Fügung: Ich höre es rumpeln, Wiesner sagt: "Ich stelle das Telefon auf Mithören. Frau Glaser ist gerade reingekommen." Andy! Endlich! Wiesner hält ihr einen minutenlangen Vortrag darüber, worum es geht, und was sie zu sagen hat. Dann darf sie zu mir. "Glaser, hallo", Worte, die meiner sexualpathologischen Deformation ein imaginativ-projektiv gestaltetes Wesen einhauchen. Ich: "Ich, äh, habe gehört, daß Sie entlassen wurden. Wie fühlen Sie sich?" "Ja gut, können Sie bitte Ihren Text an mich schicken, damit ich ihn überarbeiten kann?" Ha, Du Luder! "Das widerspricht journalistischen Grundsätzen, wenn der Gegenstand der Berichterstattung über sich selbst berichtet. Das gibt es nicht. Auf DCT schon mal grad gar nicht. Wenn es auf DCT ist, können Sie eine Stellungnahme dazu posten, die natürlich sofort veröffentlicht wird." Wiesner (aus dem Hintergrund): "Wenn Sie uns plattmachen, ist hier alles aus, denken Sie an Ihre Verantwortung!" Ich denke an nichts anderes. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Re: Mercateo: Überleben durch Pinkslips und ein Abenteuer der DCT-Redaktion (noergler)
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