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DCT New Economy 2.0 - warum das Goldene Zeitalter zurückkommen muss
KOLUMNE DCT von DonAlphonso

20:59 Montag, 09. Juni 2003

Wir dürfen uns gratulieren. Als die Brotgänger von FTD, BR und Wiwo noch das Hohelied der neuen Wirtschaft sangen, war hier allen klar: Es sind schlichte Lügen, die die Bande da im Auftrag der Anzeigenkunden und des Standortmarketings produziert. Jetzt kämpfen sie ums Überleben, und DCT ist Kult. Inzwischen winseln sie das nach, was wir schon immer als Schadenfreude vorgrölten.
Wir haben es ihnen gezeigt. Und jetzt liegen die ehemaligen Gründer im Staub, oder noch besser, in Untersuchungshaft. Nicht nur ein paar Typen, eine ganze Ideologie hat´s derbröselt, mit all ihren dummen Phrasen und dem überheblichen PR-System. Das war ja auch überfällig, haben wir schon immer gesagt, und auch dringend nötig, weil..

weil, äh, ja, warum eigentlich?

Eigentlich, weil die New Economy der Gesamtwirtschaft schadet. Wenn das ganze Glump weg ist, wird´s für alle anderen besser. Kein Audi TT mehr für die Angeber, statt dessen ein Schiebedach für alle. Wenn die Ökonomie wieder in ihre geordneten Bahnen zurückkommt, geht es weiter mit dem langsam, aber stetig wachsenden Wohlstand der Gesellschaft. Und tatsächlich hätte es so kommen können; die New Economy ist seit Mitte 2000 nur noch ein Kadaver, und trotzdem, trotz aller negativer Faktoren, ging es weiter stetig bergauf...

Aber: Profitiert haben weiterhin andere. Fakt ist, dass mit dem Niedergang der New Economy in der Old Economy nichts besser wurde. Im Gegenteil: Jetzt wird erst mal eingedroschen auf soziale Sicherung und Arbeitnehmerrechte. Verbandsfunktionäre finden den NE-Downturn geil: Was da an Brutalitäten lief, ist für sie ein Modell für den Standort. Gerade das Mieseste, was die New Economy hervorgebracht hat, wird jetzt zum Allheilmittel erklärt.

Der eigene Nutzen des Schadens der Anderen

Es gab im Hype die Phrasen vom Wissensarbeiter, von der Projekttätigkeit, von der flexiblen Arbeitskraft ohne lokale Bindungen, vom unternehmerischen Handeln. Zeitungen wie die schmählich verendete Bizz waren die Wortführer dieser Transformation weg von der Sicherheit, hin zu einem darwinistisch angehauchten Jobnomadentum, bei dem man freier ist und besser verdient, solange man der Beste ist.

Die Verbandsfunktionäre haben schnell gelernt: Was bitte ist Jobnomadentum anderes als der vielbeschworene 2. Arbeitsmarkt, wo man nach Bedürfnis einstellt und feuert? Da sind Flexibilität und universelle Einsetzbarkeit echte Core Assets im Überlebenskampf. Wer seine Wissenskraft anbietet, muss eben sein eigener Unternehmer sein, damit kann man Sozialabgaben sparen. Wer nicht will - sorry, die Zeiten der Aktienoptionen und dem Kampf um die besten Köpfe ist vorbei, man kann den Job akzeptieren oder verhungern. So ist das nun mal in der Post-New-Economy. Das klang damals im Hype noch nicht so grausam, als man nicht über die Folgeschäden dieses Modells in der Krise nachdachte. Aber die Generation Dotcom hat die Ideologie brav geschluckt, die Gesellschaft hat diesem Ideal nachgeeifert, und jetzt ist es Zeit für den Exit der Auftraggeber. Irgendwo müssen die Führer der Wirtschaft ja ihren Benefit herbekommen, wenn sie schon nicht mehr über ihren VC-Fond Kleinaktionäre melken können.

Trottel, im Dutzend billiger

Angesichts des Treibguts, in das der Sturm über der New Economy die Wissensgesellschaft verwandelt hat, ist diese Argumentation möglich. Es gibt zu viele, die sich an diese Phrasen gewöhnt haben, und jetzt bereit sind, sich entsprechend unterzuordnen - um den Preis, dass jeder einzelne damit das System aushöhlen hilft, mit dem dieses Land seit 1948 extrem gut gefahren ist. In der Zeit, deren Untergang wir herbeigeschrieben haben, wäre das so nicht denkbar gewesen. Damals musste sich die Nicht-New-Economy was einfallen lassen, um gute Leute zu finden. Es gab tatsächlich eine Zeit, Anfang 2000, da suchten Headhunter auf Events nach Pleitiers, um sie an Siemens und Co. zu verschachern.

Das war harte Arbeit. Denn die New Economy hatte viel zu bieten, was sonst im Beruf nicht möglich war. Gleichgesinnte voller Begeisterung. Das Gefühl, an etwas Neuem zu arbeiten. Die Freiheit, jeden Tag zwischen Pizzakarton und Odeon entscheiden zu können. Die Lust an der Arbeit. Mit der Venture Capital Schwemme, mit dem Irrsinn, den sich das Netzwerk aus Anwälten, Politikern, Wirtschaftsbossen, Banken, Beratern, PR-Fritzen und Medien haben einfallen lassen, verkehrte sich das in einen Alptraum. Es begann die Überfüllung des Marktes, der Krieg um das Wachstum, der Kampf aller gegen Alle, die Kündigungswellen und die systemimmanenten Pleiten. Wer es erlebt hat, kriecht nur zu gern in den Mastdarm der Post-New-Economy zurück, ganz gleich, wie sehr es da auch stinken mag.

New Economy 2.0

Dieser Kloake, diesem perversen Moloch der eigentlich Schuldigen, die jetzt auf das Sozialsystem einprügeln, kann man auf den ersten Blick kaum beikommen. Es gibt keine Alternativen. Die New Economy und ihre Ideale sind in den Staub getreten worden. Warum eigentlich, muss man fragen. Was ist an Begeisterung so schlecht? Was bitte hat die dreckige, oben beschriebene Bande gemacht, dass sie ein Recht hätte, sich jetzt die Moral raushängen zu lassen? Wer, zum Teufel, sind die eigentlich? Doch nur ein Auswuchs der Gesellschaft, der in der New Economy bewiesen hat, dass er es selbst nicht kann. Es gibt nur einen einzigen Unterschied zwischen einem gescheiterten Startup-Unternehmer und seinem VC mitsamt dessen Investoren und Klugscheissern: Der Unternehmer kann sich danach keine Werbung und damit gute Presse mehr leisten.

Da gibt´s eigentlich nur eines. Als New Economy 2.0 gute Geschichten schreiben. Trotz allem. Von der Freiheit erzählen. Zeigen, dass es auch anders geht. Sexy und witzig sein.Vergünstigungen schaffen. Die müssen noch nicht mal teuer sein. Ein gewagter Ausschnitt, ein Prosecco, ein Küsschen reicht manchmal schon. Dafür ist die staubgraue Verbandsbande zu blöd. Gegen so etwas haben sie keine Strategien. Kein Marxismus kann ihr System so zertrümmern, schädigen, vernichten, wie ein Picnic eines Startups am See, statt der Kantine der anderen. Das reicht heute schon aus.

Nicht für uns. Für unsere Gesellschaft, der wir was schulden

Dann ist der Konkurrenzkampf der Systeme wieder da. Das Monopol wird wackeln. Und nach der letzten Pleite sind wir vielleicht etwas klüger, wenn wir wieder mal den Himmel stürmen wollen, um Gott zu stürzen. Irgendwann wird es schon klappen. Auf dem Weg dahin machen wir die Bande platt. Zum Besten der Gesellschaft, zu unserem eigenen Wohlbefinden, dürfen wir.

Für den Beginn reicht es vielleicht schon, sich innerlich unabhängig zu machen - warum nicht mit dem Gedanken an eine Ich AG? Und dann jeden Tag den inneren Schweinehund und die verfluchte Bande einmal in die Fresse treten. Mindestens. Am besten mit Stöckelschuhen. Danach geht´s einem besser. Garantiert.





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