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23:34 Donnerstag, 29. Mai 2003
Es gibt sie noch die jungen Helden der New Eco, z.B. Marcel Prothmann, 21, Inhaber des Warsteiner Onlineshops „connecting electronics“. Der Laden floriert: 9 Mio Euro Umsatz in 2002, 2003 sollen es 15 werden, und bei einer staatsanwaltl. Umfrage unter 1.700 Kunden äußerten nur 2,7 % der Antwortenden einen Betrugsverdacht (www.talking-text.de/medien.php).
Wenn nur jeder 40. Kunde in einer Umfrage zugibt, sich von einem Unternehmen betrogen zu fühlen, ist das eine fürwahr sensationelle Quote. Was ist das Geheimnis dieses Erfolgs? Nun ja, die Geschichte geht so:
Wer im Internet nach günstiger Hardware sucht, stößt unweigerlich über einen Preisvergleicher auf connecting electronics – die sind die billigsten. Ein Besuch des Onlineshops ist herzerfrischend: Alles schön aufgeräumt, Lieferbedingungen und AGBs liegen klar auf dem Tisch, die Produktbeschreibungen sind allerausführlichst, kein SuperSuper-Werbegeschrei, die Bestellung komfortabel und die Preise niedrig. Also wird sofort bestellt. Vorkasse oder Nachnahme? Die Nachnahme spart man sich auch gleich. Bei Vorabüberweisung über 200 Euro keine Versandkosten! Geiz ist doch geil. Noch geiler ist eigentlich nur das Telefonieren mit einer 01908-Nummer (1,86 Euro/Min.), wenn man nach ein paar Wochen Wartezeit, unbeantworteten E-Mails und Tonbandabspeisungen über die Geschäftsnummer endlich wissen will, wo denn die Ware bleibt. Möglicherweise hat man vor dem Bestellen gesehen, dass die Info-Hotline nepperisch zulangt, aber irgendwo muss ja der Händler sparen, wenn er so billig ist: „Service? ‚Gleich Null‘, lacht Marcel Prothmann.“ (www.talking-text.de/medien.php) Und er lacht und lacht, während der Kunde von der Hotline vertröstet wird, bis ihm irgendwann dämmert: Die Ware kommt nicht. Glücklicherweise ist dem Kunden durch das Fernabsatzgesetz eine 14-tägige Widerrufsfrist eingeräumt worden – Fristbeginn bei Erhalt der Ware. Also storniert der Kunde, fordert sein Geld zurück, schreibt E-Mails, die Hotline spielt mit ihm das Trösterspiel bis ihm irgendwann dämmert: Das Geld kommt nicht. Androhung oder Erstattung einer Strafanzeige soll schon geholfen haben; ein Rudel Motorradfahrer ist auch mit Geld in der Tasche wieder aus Warstein abgezogen; oder man geht halt den Weg eines gerichtlichen Mahnverfahrens bzw. beauftragt ein Inkasso-Unternehmen auf Warsteiner Kosten. Dies führt früher oder später auf jeden Fall zum Erfolg, denn ein erfolgreicher Unternehmer kann natürlich jederzeit seinen Verpflichtungen nachkommen – organisatorische Mängel sind aufgrund des rasanten Unternehmenswachstums leider nicht zu vermeiden, *snüff*. Wer da von Betrug redet, irrt. Im März 2003 ist ein strafrechtliches Verfahren, das durch über 150 Anzeigen ins Rollen kam, von der Staatsanwaltschaft Arnsberg eingestellt worden. Ich finde das sehr beruhigend: kein Betrug, sondern nur die übliche Mischung aus Dreistigkeit, Inkompetenz und guter Laune machen aus Marcel Prothmann einen jungen Helden der New Economy. Quelle: http://www.aschulz.net/ce/
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