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19:40 Donnerstag, 17. April 2003
Wir entsinnen uns, milden Fingers das österliche Palmkätzchen pflückend, der gut 100 Mio. €, die BMG in das Napster-Abenteuer gesteckt hat, um anschließend ein zerbrochenes Ei, aber nicht die erhoffte Omelette auf dem Teller zu haben, noch dazu durch Sammelklagen von Verlegern und Urhebern (16 Mrd. $) mit einem auf Jahre baumelnden Damoklesschwert beschenkt.
Die Fedayin der Internet-Fundamentalisten, ungebrochen ...
Großmufti Middelhoff soll gestern in einer Moschee zu Khartoum gesichtet worden sein, gottesfürchtig auf den marmornen Boden gekauert, Suren aus seinem WLAN-vernetzten mp3-Player nachmurmelnd ... ... ließen den "besonderen Saft" (Goethe) von ihren blutigen Köpfen, die sie sich wie weiland die Kreuzfahrer geholt hatten, auf die Bilanz-Spreadsheets ihrer Konzerne tropfen. Was sind lumpige 100 Milliönchen, zum Beispiel, für den alten Herrn Mohn und seine fast taufrische Liz? So dachten sie, die einzig rechtgläubigen BMG-Strategen, und schritten frohen Mutes zum nächsten Abenteuer. Hier kommt, neben anderen Muezzin, wieder einmal Thomas M. Stein ins Spiel, der schon vor seiner Glamour-Phase als "DSDS"-Kasper und Bohlen-Speichellecker konzernintern entmachtet ward. Für eine Rückkehr zum konventionellen Tonträger-Geschäft reichte der Einfluß des Schwaben mit den neun Leben aber noch dicke. Und da es ein Wundenlecken (heutzutag' Rebound genannt, nicht nur im Basketball) war, das eine Rückbesinnung auf das Kerngeschäft als Heftpflaster vorsah, drang das Rufen vom Minarett unschwer ins BMG-Mekka am Times Square und nach Medina, vulgo Gütersloh. "Unser Artist Roster [vulgo Bordkapelle] ist nicht das Gelbe vom Ei. Also kaufen wir dem Clive Calder sein erfolgreiches Label ab", jodelten Stein und Genossen in den ungastlichen Wald eigener Kreativkahlschläge, der Downloadbörsen und der unkräutlich hochwuchernden Umsätze von CD-Rohlingen. Zomba hatte eigentlich nur einen einzigen weltweit erfolgreichen Act: Britney Spears -- deren Erwähnung mir bitte nicht mit geschmäcklerischen Postings vergolten werden möge. Denn: "Wir reden hier von Umsätzen, von nichts sonst", sprach auch Vater Stein. Wie sie halt mal gemacht wurden. Man halte sich am Osterhasen fest, sofern der nicht ebenfalls wankt: Diese großteils abgehakten Umsätze waren, zumal Fräulein Spears ihren -- gekonnt gehypten -- Zenith deutlich überschritten hatte, (a) in Calders Gesäßtasche gelandet und natürlich kein Teil des Deals; (b) nicht wiederholbar, da Zombas Bordkapelle darüber hinaus kaum nennenswerte Musikanten aufwies. Oisdann: BMG kaufte vor einem guten halben Jahr das Label Zomba Records, das keine fünf Geschäftsjahre auf dem Buckel und seine besten Zeiten, für jeden Trottel erkennbar, hinter sich hatte. Der Deal -- von besagten BMG-Fedayin euphorisch als Heimführung der Kaaba ins Reich des einzig wahren Tonträger-Islams kommuniziert -- kostete mit den üblichen Nebengeräuschen das Dreißigfache des Napster-Erwerbs: 3 Milliarden Euro. Aus der jüngsten "Musikwoche": "BMG macht Zomba dicht, behält aber den Vertrieb. Es deutete sich bereits an: Alle weltweiten Kreativbüros der Plattenfirma Zomba sollen auf Geheiß der BMG-Zentrale geschlossen werden. Ausnahmen sind das New Yorker Jive/Zomba-Office und die Außenstelle in London. [...] BMG schließt die Records-Abteilung der Firma; 23 Mitarbeiter werden sich neue Jobs suchen müssen; weltweit soll die Zomba-Integration 350 von rund 2000 Mitarbeitern den Job kosten. [...] BMG hatte 2002 die restlichen Anteile an Zomba für 2,76 Milliarden Euro übernehmen müssen, nachdem Firmengründer und CEO Clive Calder eine vertraglich vorgesehene Put-Option ausgeübt hatte. Mit der Schließung beginnt BMG, den überzogenen Zomba-Milliarden-Deal abzuschreiben; eine schlankere Struktur dürfte auch bei etwaigen Fusionsplänen von Vorteil sein." Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen) |
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