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18:47 Freitag, 28. März 2003
Der Süddeutsche Verlach – längst ein Stammkunde bei DCT. Mittlerweile werden monatlich fast so viele Interna produziert wie noch verbliebene Zeitungen. Heute fand sich dieses fasziniernde Stück Allgäuer Lokalkolorit in meiner Mailbox, das ich euch nicht vorenthalten möchte:
Neben dem bevorzugten Metzelhauptquartier Sendlinger Straße gibt es beim „EssFau“ (auszusprechen mit scharfem Vogel-Fau, sonst hieße er ja Eswau) auch noch etliche nicht so populäre, doch noch viel abgefahrenere Nebenkriegsschauplätze. Einer davon heißt SVHFI, was nach Insider-Informationen weder für einen neuen hochansteckenden Virus, noch Videoschweinkram wie S-VHS oder HiFi steht sondern für „Süddeutscher Verlach Hüthig Fachinformationen“. Der SVHFI ist immer wieder für einen Schenkelklopfer gut. Schauen wir doch heute mal in eine etwas abseits gelegene Filiale des SVHFI im schönen Städtchen Landsberg am Lech.
Landsberg war immer schon Quelle diverser Traktrate. Ein dort inhaftierter erfolgloser Kunstmaler verfasste einst den Band „Mein Kampf“, der trotz staatlicher Pflichtbestückung aller deutschen Haushalte viel zu selten tatsächlich gelesen wurde. Was später so buchmäßig aus Landsberg kam, wurde dagegen durchaus auch in höchsten Etagen im EssFau gelesen – mit der Anweisung, das darin beschriebene Chaos doch bitteschön mit eigenen kreativen Ideen in den Schatten zu stellen! Darin war man auch sehr erfolgreich. Zuerst mal kloppte man Kohle in Portale, als sonst keiner mehr was von denselben wissen wollte – und machte erst zu, als alles Geld brav verheizt war. Dann wollte man unbedingt die jahrelang ausgenommene und abgewirtschaftete WEKA-Zeitschriftensparte in Arsching pardon Poing zu einem aberminckwitzigen Preis von weit über 200 Millionen übernehmen. Eine selten blöde Idee. Fand auch das Kartellamt, das dieses Ansinnen prompt verbot. Statt diese Warnung ernstzunehmen, bot man dann aber an, ersatzweise das Tafelsilber, die damaligen Elektronik-Zugpferde und Vorzeigeobjekte Elektronik-Industrie in Heidelberg und Elektronik-Journal in Landsberg zu verhökern. Während dies der Verlagsleitung längst bekannt war, warb man allerdings eifrig noch mehrere Redakteure vom Wettbewerb zu diesen Blättern ab, die sich dann prompt verraten und verkauft vorkamen. Verraten blieben sie auch, verkauft hat man sie dagegen bislang nur für dumm. Ob man vom real existenten Interesse potentieller Käufer an den beiden Blättern so überrascht war und sie nun tatsächlich wieder schätzte oder einfach nur die Millionen für den schwachsinnigen WEKA-Deal nicht hatte, bleibt offen. Jedenfalls wurde kein Bieter akzeptiert, die Zeitschriften gingen folglich nicht weg, es blieb beim Veto des Kartellamts und der WEKA-Deal platzte lautstark. WEKA war stocksauer, nun mussten sie sich doch glatt mit diesen blöden Fachzeitschriften weiter herumplagen, von denen sie noch nie so richtig Ahnung hatten, und dachte sich nun „unser Geld bekommen wir zumindest auch so – klagen wir halt!“. Außerdem rächte sich WEKA noch mal ganz intim, indem sie speziell den Landsbergern eine teuer eingekaufte Messe klauten. Zurück blieben ein paar Millionen Schulden für Rechte an einer Messe, die nie mehr stattfinden wird. In Landsberg wurden die wider Erwarten doch in der Familie gebliebenen Elektroniker nun prompt nicht mehr „willkommen zurück“ gehießen sondern fortan geschnitten und ausgehungert. Die Anzeigenleute hatten kein Interesse, nach einem Verkauf umzuziehen und sich bereits nach anderen Jobs umgesehen. Wer noch da war, arbeitete nun mit gebremstem Schaum. Dementsprechend ging es fett bergab. Dann kam der 11. September und es ging noch schneller bergab. Aufgrund der schwachen Anzeigenleistung wurde nun – EssFau-logisch – erst mal ein Redakteur gekündigt. Bevor dieser seinen Kram packen und gehen konnte, waren jedoch bereits in einer Mittagspause kurz vor Weihnachten neben Geschäftsführer Dirk Refäuter in München auch unter anderem Verlagsleiter, Geschäftsführer und auch der Chef in Landsberg abhanden gekommen, der die Kündigung ausgesprochen hatte - und acht Sekretärinnen gleich mit. Der Rest puhlt seitdem – nein, nicht in der Nase, denn das ist Neudeutsch und schreibt sich eigentlich „gepoolt“. Gemeint ist, dass keine Sekretärin mehr fest für ein Blatt zuständig ist (also eigentlich ist somit keiner mehr für irgendwas zuständig und verantwortlich und das merkt man), sondern auf Abruf wechseln muss. Wie bei der Reise nach Jerusalem bleibt dabei natürlich auch immer ein Stuhl unbesetzt. Macht nix, die Arbeit läuft ja nicht weg, die bliebt ja brav liegen. Es wird regelmäßig durchgemischt, sobald jemand zu gut eingearbeitet ist. Und wenn mal eine Sekretärin fehlt, merkt es auch keiner, denn es blickt eh schon lange keiner mehr durch, wer von denen heute wohl gerade wo arbeitet. Ein paar Hefte erscheinen auch nicht mehr rechtzeitig, weil die Sekretärinnen gleichzeitig Chef vom Dienst waren, aber wen interessieren schon solche kleinlichen Details? Inzwischen ist es Frühling und April. Was macht man nun nur mit dem mittlerweile gründlich kaputtgemanagten und doch immer noch nicht toten Elektronikblatt? Zu? Nee, das wäre zu einfach und logisch, also so geht das beim EssFau doch wirklich nicht. Also passend zur Jahreszeit ein kräftiger Aprilscherz! Zuerst hat man die Zeitschrift mal wieder zum Verkauf angeboten – und als aus Versehen sogar jemand anbiss, das natürlich ganz schnell wieder abgeblasen. Die Marke ist nämlich das Wichtigste und die will man nicht aufgeben. Dafür wird das Blatt nun „entkernt“: Alle Redakteure bis auf einen älteren Kollegen und den Chefredakteur, deren Abfindung zu teuer käme, müssen gehen und auch ein paar Anzeigenleute sowie eine Sekretärin. Das schaut schon gut nach unlösbarem Problem aus. Da so aber ein gewisses Restrisiko besteht, dass die Verbliebenen doch noch ein Blatt hinbekommen, wird noch eine Betriebsrätin zu dem Blatt zwangsversetzt, von der bekannt ist, dass sie mit dem Chefredakteur gewaltig über Kreuz liegt. Die Hoffnung der Manager: Die machen sich schnell gegenseitig alle, dann sind wir Betriebsrat und Chefredakteur gleich auf einen Schlag los und müssen nur noch einen einzelnen Redakteur zahlen! Der geht ohnehin in wenigen Jahren in Rente, dann sind wir das blöde Gschwerl ganz los – Redakteure kosten schließlich nur Geld und verkaufen keine Anzeigen. Den gefeuerten Redakteuren hat man derweil verkündet, diese Betriebsrätin wäre auf ihren Posten scharf gewesen und sonst hätte ja einer mehr bleiben können, damit die sich vom sie solchermassen hintergehenden Betriebsrat fernhalten und nicht mucken. So bekommt man die Leute auch los, hat aber mehr Spaß dabei und spart ein paar Abfindungen. Sobald man das Level von Minckwitz an groben Unfugs erreicht und sogar dem EssFau mal der Kragen platzt, winkt dafür sogar eine Abfindung – diesmal in die eigene Tasche... Der Webmaster des Verlags grübelt nun darüber, wie er die PR-Texte mit der Anzahl der Mitarbeiter per Skript automatisch der aktuellen Tagessituation anpassen kann. Um die Website der Zeitschrift kümmert sich dagegen bereits niemand mehr, die glänzt nun durch viele „403 – Forbidden“, sobald man irgendeinen der angepriesenen Artikel lesen will. Die abservierten Käufer sind ebenso stocksauer wie die Mannschaft und die Gegangenen erinnern sich an die ewigen Weisheiten von Verlags-Maskottchen Dilbert: Manager: „Unsere Mitarbeiter sind das wichtigste Gut“ Dilbert: „Wirklich?“ Manager: „Ich korrigiere, ich habe mich geirrt, die Mitarbeiter kommen erst auf Platz 9“ Dilbert: „Ich traue mich gar nicht, zu fragen, was auf Platz 8 steht?“ Manager: „Kopierpapier!“ Ach, das war es schon? Nein, noch lange nicht. Zwölf Zeitschriften hat der Landsberger Verlag immer noch, der ganze SVHFI noch einige mehr und der komplette EssFau jede Menge. Das liefert Stoff für viele Fortsetzungen. Schalten Sie also wieder ein, wenn wir in unserer Soap-Opera SZ DM („Schlechte Zeiten, dumme Manager“) wieder live von und mit verschärftem Minckwitz das Neueste aus dem Süddeutschen Verlach berichten! Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Re: Geballter Schwachsinn hat einen Namen: Süddeutscher Verlach (boerdy)
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