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01:05 Samstag, 15. März 2003
Guck mal, rufen die kleinen Kokotten und zerren ihre Begleiter an die Tore der Parfümerien, wo der Lockstoff ausliegt, dem sie verfallen sind. Gierige Hände greifen ungezügelt nach Zerstäubern, Nasen schnuppern vorsichtig, und dann - pfft - mit jahrtausendealter Übung wird das Parfum auf die Innenseiten der hand gesprüht, nochmal gerochen, und dann kommt das Unvermeidliche: Riech mal.
Erfahrene Prinzessinnenfütterer, Rechtsverdrehte und New-Economy-Idealisten kennen das Ritual und fügen sich willig. Es kann Stunden, Tage, Wochen, Ewigkeiten dauern, bis man wieder so ungehemmt an ihr riechen wird - in jedem Fall aber zu lang. Es ist ein Moment der öffentlich ausgelebten Indiskretion, ein kleiner, moralisch gebilligter Vorwand für den potentiellen Beginn eine grosse Sache. Wer sich hier beweist, den gleichen Geschmack wie sie hat und den Flacon dann auch noch beim nächsten Essen hervorzaubern kann - der hat gute Chancen, noch oft an ihr zu riechen. Auch, aber nicht nur an den Handgelenken, wo die feinen Adern Wärme versprühen.
Letztlich ist es ein guter Deal für alle Beteiligten. Die Drogerie wird reich, das Luxusweibchen riecht gut, lebt deshalb auf, fühlt sich wertvoll, streckt ihre Nase hoch in die Luft und ist plötzlich so weich wie Marzipan - und wir dürfen riechen und zuschauen. Wen sie dann fragt - Riecht das am Hals eigentlich auch so gut - und den Kopf leicht zur Seite neigt, dann... Dann versteht man vielleicht, was für VOLLIDIOTEN die Typen sind, die glauben, für 2 Euro billiger mit weniger Lagerhaltungskosten im Internet ein Geschäft aufziehen zu können. Man kann im Internet alles mögliche erwecken, Lust, Gier, den brennenden Wunsch, sie anzurufen und zu sagen, dass sie sich frei nehmen soll, aber man kann im Internet nicht an den Hälsern der lieblichen Kokotten riechen. NIE. Und deshalb ist das Netz kein Ort, um Parfum zu kaufen. Es ist kaum billiger, aber es macht keinen Spass. Keine Kokotte beugt sich von hinten herunter und sagt, während ihre Haare an unseren Wangen kitzeln - was bestellst Du da. Internet läuft nur in blöden, unromatischen Kästen. Wer den Kasten benutzt, wenn solche Frauen in seiner Umgebung sind, hat sie bald nicht mehr. Garantiert. Vielleicht heisst er Frotzheim. Oder Kollmann. Eventuell würde sich die Brand1-Chefin beugen. Wäre schade. Zum Glück sind nur die wenigsten so doof. Und das tötet die Feinde der Romantik. Eine alte DCT-Legende macht den Abgang: Nachdem Beautynet Ende 2001 hier schon insidermässig durchlochert wurde, kommt jetzt das Finale. Wie wir schon immer gesagt haben: Internet ist ein Medium, und kein Absatzwasserkanal - auch nicht für Duftwässerchen. Was überrascht, ist dass sie so lange ausgehalten haben. Keine Einsicht. Keine Ahnung, die Leute. Ich packe den Würgeengel ein und fliege zurück in die Provinz. Vielleicht bin ich dann schon so müde, dass ich schnell einschlafe - und mich nicht stundenlang nach Hälsen verzehre, an denen ich nicht riechen durfte. Davon gibt es immer zu viele - genauso wie blöde Startups. Kommentare: (Neuer Kommentar | Alle öffnen)
Re: Na endlich! Hässlicher Leichendunst von Beautynet (pmnicky)
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